Der Auftritt musste den Fahrern der drei schwarzen Limousinen eine Sonderschleife wert sein: Thomas Strobl, Manuel Hagel und Wolfgang Reinhart (alle drei CDU) wollten ein paar Naturschützer:innen des BUND am Wegesrand in Stuttgart-Degerloch nicht einfach stehen lassen, sondern ließen umkehren, um sie persönlich mit Handschlag zu begrüßen. Knapp fünf Jahre ist das her, die drei Politiker waren auf dem Weg zum Auftakt der Koalitionsverhandlungen mit den Grünen im Haus des Waldes. "Wir machen Baden-Württemberg zum Klimaschutzland", versprach der damalige Parteichef Strobl aufgeräumt.
Als Zeichen der eigenen Ambitionen lag da den Grünen bereits ein ausformuliertes Papier vor, mit dem Strobl und sein Team zeigen wollten, wie wichtig ihnen "die Bewahrung der Schöpfung" ist. Für die Wahl des Tagungsorts an diesem 8. April 2021 war die Landes-CDU zuständig, namentlich ihr Generalsekretär Manuel Hagel. Der verklärte den Ort der Handlung feierlich zum "Statement", sprach von der Bedeutung der "tiefen, festen Wurzeln" für die Zusammenarbeit. Strobl bemühte sogar Hermann Hesse. Ja, man sei schon fünf Jahre miteinander unterwegs gewesen, aber man werde neu beginnen: Der Zauber sei zu spüren, der jedem Anfang innewohne.
Das war die Realität vor fünf Jahren. Oft beschrieben wurde seither, wie die CDU tatsächlich schon in den Sondierungen erhebliche Zugeständnisse machte, um den Gang in die ungeliebte Opposition abzuwenden. Dazu gibt es reichlich Ton- und Bilddokumente, die die Stimmung an der Nahtstelle zwischen der ersten und der zweiten grün-schwarzen Koalition belegen. Deshalb erscheint es dreist, jetzt an der Legende zu stricken, dass die Grünen beim zweiten Zusammengegen ihren Vorsprung von immerhin achteinhalb Prozentpunkten ungebührlich genutzt hätten, um der CDU fiese Inhalte aufs Auge zu drücken.
Schlechtreden der Vergangenheit
Um die angebliche Demütigung so richtig zu unterstreichen, wird fünf Jahre danach von einem grünen Verhandler erzählt, der auch noch grüne Socken getragen habe – offensichtlich in Anlehnung an die Rote-Socken-Kampagnen der Bundes-CDU in den Neunzigern. Damals waren ausgehend von CDU-Generalsekretär Peter Hintze linke Politiker:innen mit dieser Bezeichnung verunglimpft werden. Gesichert dagegen ist das Wissen zu den von Hagel – damals schon bekannt als höchst fleißig und an immerwährender Kontrolle interessiert – zelebrierten Spaziergängen mit Oliver Hildenbrand, Landeschef und Verhandler der grünen Gegenseite. "Natur, frische Luft und Vertraulichkeit" stärkten die gute Basis. O-Ton des schwarzen Fraktionschefs: "Man kann diskutieren, ohne sich zu beschimpfen, denn eine Konfliktkoalition hilft dem Verursacher des Konflikts nicht, und das haben wir gelernt." Die Leute wollten doch nicht wissen, was an den Vorschlägen des anderen schlecht ist, "sondern was unsere eigenen Ideen für dieses Land sind".




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