Rommelsbach, Samstagnachmittag gegen 17 Uhr: Eine junge Mutter mit zwei kleinen Kindern an den Händen zieht es zur Anti-AfD-Demo auf dem Pausenhof des Berufsschulzentrum-Nord. Die Kinder wenden sich immer wieder nach hinten, schauen zu den Leuten, die vor der Wittumhalle auf Einlass zur Veranstaltung mit Björn Höcke warten. "Nein", sagt die Mutter. "Das sind die schlechten Menschen. Wir gehen da vorne hin, da sind die Guten, die sind für Demokratie."
Und da sind auch deutlich mehr als später in der Sporthalle, in die der AfD-Kreisverband Reutlingen zum Wahlkampfabschluss geladen hat. Mehr als 4.000 Demonstrierende, also fast so viele wie Rommelsbach Einwohner:innen (5.000) hat, gehen vom Kreisverkehr in der Ortsmitte zu dem am Ortsrand gelegenen Schulzentrum. In der Halle jubeln später um die 700 Menschen dem Faschisten Höcke zu.
Mehrere Hundert Polizist:innen trennen die Rechtsextremen von den Gegendemonstrierenden. Bei denen wehen Antifa-, Regenbogen- und Gewerkschaftsfahnen, Parteifahnen von Linke, SPD und MLPD, Plakate von Grüne und Volt sind zu sehen. Sie sind vor allem aus Reutlingen, Tübingen und Stuttgart angereist, nachdem viele Gruppen und Bündnisse mobilisiert hatten. Linksradikale und Bürgerliche, Jugendliche und Rentner:innen, Eltern mit ihren Kindern zeigen Plakate mit Aufschriften wie "Björn Höcke ist ein Nazi", “Pfui Höcke” oder etwas kreativer: "Abtreibung bis zum 655. Monat" zusammen mit einem Bild des Thüringer AfD-Landesvorsitzenden. Der wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem bezeichnet, ist Leitfigur des pro forma aufgelösten völkischen Flügels der Partei.




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