Zwei Farben mit Symbolkraft stehen für die Blutleere, mit der die schwarzen Wahlkämpfer:innen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ihre Ernte einfahren wollen: Im Antragsbuch für den 38. Bundesparteitag am vergangenen Wochenende sind Streichungen rot markiert, und da, wo die mächtige Antragskommission Neuformulierungen ersann, leuchtet es Grün, häufig ganze Absätze lang. Was Ärger machen könnte im Endspurt zum 8. März wurde auf diese Weise hinter den Kulissen weitgehend abgeräumt. Zum Beispiel in Sachen Klimaneutralität. Ein breites innerparteiliches Bündnis wollte erreichen, dass die deutschen Ziele an die europäischen angeglichen werden, so dass sie erst anno 2050 erreicht werden müssen statt 2045. Tatsächlich dominierte nach dem Streichkonzert höchst Unverbindliches in der Tonlage von "Wir Christdemokraten sehen uns in der Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren".
Wer derart weichspülen will, ist nervös. Manuel Hagel wird hinter den Kulissen eine zentrale Rolle im Kreis der Vernebler zugeschrieben. Dabei hätte der CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, der so gerne von Mut und Reformwillen spricht, ganz anders vorgehen können. Er hätte mit offenem Visier, überzeugt von eigenen ehrlichen Plänen zur Klimapolitik der nächsten Jahre in einem führenden Industrieland, seinen grünen Kontrahenten Cem Özdemir angesichts des Arbeitsplatzabbaus mit der Frage herausfordern können, ob tatsächlich noch schwarze Zahlen zu schreiben sind mit grünen Ideen. Die Vibes, die Hagel allerorten erspürt, hätte er, auch nicht zu früh, zwei Wochen vor der Wahl durch Zahlen, Daten, Fakten und Finanzierung ersetzen können. Pustekuchen. Zum ersehnten Ziel, dem Regierungssitz in der Villa Reitzenstein, soll eine ganze andere Strategie führen: weitgehend inhaltsleere Bekenntnisse zu neuer Kraft, zu tollen Ideen und gesundem Menschenverstand. Dazu die Vorspiegelung der falschen Tatsache, dass der Kampf gegen die Erderwärmung ohne Eingriffe in den eigenen Lebensstil zu bewerkstelligen ist. Das alles kommt gut an in der eigenen Klientel und in Teilen der öffentlichen Meinung. Warum also für Aufregung durch klare Positionierungen sorgen: Wer konkrete Versprechen meidet, kann keine brechen.




1 Kommentar verfügbar
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Schon erbärmlich, was die Dammen und Herren in Stuttgart da von sich gegeben haben.
Kommentare anzeigenFrübis Johannes
vor 9 StundenUngeniert und von Lobbyismus getrieben, alles abgesegnet mit sogenannten christlichen Werten.
Da konnte auch die Anwesenheit von der Altkanzlerin nichts mehr retten.
Die wenigen Profiteure können…