Zainab Murad hat Angst um ihren Mann. Seit die schwer traumatisierte Frau vor elf Jahren mit dem Sonderkontingent Jesid:innen in Baden-Württemberg Schutz fand (Kontext berichtete), kämpft sie um den Nachzug ihres Mannes. Der war ihr und ihren vier Kindern versprochen worden, gehalten wurde dieses Versprechen nicht. Vor einem Jahr flüchtete ihr Mann zu seiner Familie nach Freiburg und beantragte Asyl. Kurz vor Weihnachten wurde sein Antrag abgelehnt. Jetzt fürchtet die 56-jährige Jesidin, dass der Vater ihrer Kinder zurück muss, zurück in den Nordirak.
Denn es wird wieder abgeschoben. Zwölf Jahre nachdem IS-Terroristen 2014 die Jesid:innen im nordirakischen Sindschar überfallen, Frauen und Männer ermordet, versklavt, vergewaltigt hatten. Drei Jahre nachdem der Bundestag 2023 diesen Überfall als Völkermord an der verfolgten religiösen Minderheit anerkannt hat. Es wird wieder abgeschoben in ein Land, das der Traumatherapeut Jan Ilhan Kizilhan heute gegenüber Kontext so beschreibt: "Es gibt dort keine Infrastruktur, keine medizinische Versorgung, keinen Schutz – und die Diskriminierung gegen Nicht-Muslime hat sogar zugenommen."
Aras: "Initiative aus NRW ist eine Steilvorlage"
Vor wenigen Tagen wurde der Professor von der Hochschule Villingen-Schwenningen als Experte im Düsseldorfer Landtag gehört. Denn Nordrhein-Westfalen (NRW) führt derzeit vor, wie Hilfe aussehen kann. Bis auf die AfD machen sich dort alle im Landtag vertretenen Parteien stark für ein Landesschutzprogramm, um die verfolgte Minderheit vor Abschiebung zu schützen. Denn auch zwölf Jahre nach dem Völkermord gibt es für Jesid:innen keinen Schutz im Irak, so das Fazit der vor wenigen Tagen in Düsseldorf gehörten Expert:innen.




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