Die Stimmung im Stuttgarter Gewerkschaftshaus ist heiter an diesem Samstag Mitte Januar. Die versammelten Linken und Interessierten lassen sich die Laune auch nicht vermiesen: nicht von einem jungen Mann, der sich vor der Rede des Co-Parteichefs Jan van Aken auf den Stuhl stellt und diesen als "antimuslimischen Rassisten" bezeichnet. Auch nicht davon, dass die Mikros ab und an nicht so funktionieren, wie sie sollen. Das Tübinger Musikerinnen-Duo "LISÆ" heizt dennoch dem Publikum ein und animiert zum Mitklatschen und -singen. Und als es mal aus den Boxen knarzt, schafft es Comedian Abdul Chahin, auch das für einen Lacher zu verwerten.
Mit diesem Abend läutet der baden-württembergische Landesverband der Linkspartei offiziell den Wahlkampf für die anstehende Landtagswahl am 8. März ein. Laut der letzten Umfragen im Herbst steht die Partei bei sieben Prozent und hat damit reale Chancen erstmals in das Stuttgarter Parlament einzuziehen. Parteichef van Aken setzt im Gewerkschaftshaus sogar noch einen drauf. "Ich sehe uns zweistellig im Landtag", sagt er auf der Bühne.
Die Berliner Parteispitze steckt damit die Erwartungen hoch. Um diese zu erfüllen, müssen die Linken-Mitglieder an der Basis um jede Stimme kämpfen. Heißt: Infostände, Flyer verteilen und Haustürgespräche führen – letztere haben sich bereits zur Bundestagswahl im Februar bewährt. An mehr als 27.000 baden-württembergischen Haustüren haben Mitglieder aus 23 der 33 baden-württembergischen Kreisverbände in den vergangenen Tagen bereits geklingelt und geklopft, in den nächsten Wochen bis zur Wahl werden noch Tausende hinzukommen. Beim Bundestagswahlkampf im vergangenen Jahr waren nur 15 Kreisverbände beim Haustür-Wahlkampf dabei, lässt ein Sprecher ausrichten.
Möglich macht diese groß angelegte Mobilisierung die Eintrittswelle seit der Bundestagswahl: Die Mitgliederzahl hat sich verdoppelt, über 10.000 Baden-Württemberger:innen haben jetzt ein Linken-Parteibuch. Eingeschlafenen Ortsverbänden wurde neues Leben eingehaucht, einige neu gegründet. Unterstützung kommt auch von Mitgliedern aus anderen Bundesländern, die im Februar für ein Wochenende anreisen, und von Parteipromis, die in den nächsten Wochen landauf und -ab Termine haben werden.




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»Dass sie (Frau Bohnen) aus demselben Kreisverband wie Sahra Mirow, Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete, stammt und für die Bundestagsfraktion arbeitet, dürfte dabei geholfen haben.« Aus dem Leben für das Leben, bzw. aus dem Volk und dann – wohin?
Kommentare anzeigenHeinrich Brandler
9 hours agoMan weiß, was man bekommt, wenn man diese…