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Ein Jahr mit Frank Nopper

Der Leuchtturm in Menschengestalt

Ein Jahr mit Frank Nopper: Der Leuchtturm in Menschengestalt
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Im kommunalen Gras, das ein Oberbürgermeister wachsen hören muss, lauern allerlei Gefahren in Gestalt von kommunalen Brennnesseln. Weiß Frank Nopper, der im Dickicht den Durchblick behält, weil er herausragt. Eine Laudatio auf das strahlendste Stadtoberhaupt im deutschen Süden.

In anderen Städten würde so ein Durchbruch kleinlaut verzwergt. In Stuttgart, wo die Bahnlinie U6 nun bis zum Flughafen verkehrt, darf Festliches noch festlich sein. "Der Ausbau des Sechsers ist so etwas wie ein Sechser im Lotto", freut sich Frank Nopper, Oberbürgermeister und Superspreader der guten Laune, die bekanntermaßen ansteckend ist. Keiner versteht sich besser darauf, seine wortverspielten Politik-Bilder zu einem großen Wortspielteppich zu verknüpfen, dem andernorts dröge, angestaubt und langweilig daherkommenden Verwaltungswesen etwas Leben, etwas Spirit, einzuhauchen, nein! Einzujubeln. Denn das Wispern ist seine Sache nicht.

Nach 19 Jahren als Oberbürgermeister in Backnang hat er nun seit dem 4. Februar dieses Jahres in Stuttgart die Ehre. Das ist "die Stadt mit schaffigen und lebensfrohen Menschen zwischen Umsatz und Grundsatz", "die ideale Mischung von Moderne und Tradition, von Spätzle und Spitzentechnologie", er macht sie außerdem noch zur "Geburtsstadt der ersten, der besten, der innovativsten und der umweltfreundlichsten Automobile" – und Stuttgart, sagte er zum Amtsantritt, ist "hoffentlich auch immer die Stadt mit einem VfB, der in Deutschland und in Europa ganz nach vorne stürmt".

Ein Freund der Straßenfeste

"Beherzt und nicht mit angezogener Handbremse" will Frank Nopper Ökonomie und Ökologie versöhnen, also beim Klimaschutz aufs Gaspedal treten, die Gemeinderatssitzung am Donnerstag immer wieder zu einer "Thursdays for Future-Demonstration" machen, "aber wir dürfen die Ökonomie nicht aus dem Auge lassen". Das betonte er auch gegenüber den Fridays, mit denen er sich jüngst traf, denn er will "in Zukunft nicht mehr aneinander vorbeireden". Die umweltbewegten Jugendlichen hatten moniert, dass der Schultes sich zu selten im Ausschuss Klima und Umwelt blicken lasse. Doch Nopper stellte klar, die Verwaltungsspitze sei in wesentlichen Punkten so gut untereinander abgestimmt, "dass seine persönliche Teilnahme nur in besonderen Ausnahmefällen erforderlich" sei.

Ausgabe 515, 10.02.2021

Wo steht er, der OB?

Von Josef-Otto Freudenreich

Die Rede, die Frank Nopper zu seiner Inthronisierung gehalten hat, war nicht schlecht. Die Frage ist nur, wie ernst sie der neue Amtsverweser von Stuttgart meint.

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Dass seine persönliche Teilnahme durch besondere Ausnahmefälle auch verhindert werden kann, schmerzt den Straßenfestfreund, der schweren Herzens den bereits aufgebauten Weihnachtsmarkt wieder abbauen lassen musste. Auch Weihnachten ist "in Pandemiezeiten eine ganz besondere Herausforderung", weiß er in seinem flammenden Plädoyer für das Fest des Lichts und der Liebe, denn: "Hoffnung und Licht brauchen wir, um unsere Gemüter zu erhellen in schwieriger und unberechenbarer Zeit." In der gleichen Pressemitteilung heißt es "übrigens: Wer seine Gedanken schweifen lassen und dieses besondere Jahr Revue passieren lassen möchte, dem sei eine Fahrt mit dem Riesenrad vor dem Ehrenhof des neuen Schlosses empfohlen. Die Idee hatte Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper: 'Das Riesenrad ist ein Symbol der Zuversicht, des Aufbruchs und des Optimismus in Zeiten der Pandemie.'"

Doch ein Symbol der Zuversicht, des Aufbruchs und des Optimismus ist nicht nur das Riesenrad, sondern auch der Oberbürgermeister selbst, und zwar immer. Frank Nopper: der menschgewordene Leuchtturm, das personifizierte Stadtmarketing, der wandelnde Wettbewerbsvorteil mit einem Riesenrad, das – wie extra per Pressemitteilung betont werden musste – "sogar um zehn Meter höher ist als bei unseren bayrischen Freunden auf der Münchner Wiesn".


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2 Kommentare verfügbar

  • Dani
    am 29.12.2021
    Antworten
    Na, hoffentlich platzt der Noppers Frank vor Stolz, wenn er das liest...
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