Paintball: Tötungsszenen, die im Kopf und in der Seele bleiben. Foto: Nado24, CC BY-SA 3.0

Ausgabe 278
Politik

Kill, kill, kill

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 27.07.2016
Seit Ende der Neunzigerjahre wird in Deutschland ein Verbot von Killerspielen diskutiert. Besonders heftig jeweils als Reaktion auf Amokläufe. Und jedes Mal, nach Bad Reichenhall, nach Erfurt oder Winnenden, nimmt mit der Erschütterung auch das Interesse jener ab, die in Bund und Ländern Fakten schaffen könnten.

Wieder ist der Aufschrei gewaltig. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich nach dem Amoklauf von München erdreistet, alte unerfüllte Forderungen in neue Überlegungen zu gießen. Dabei geht er mit größter Vorsicht vor, ein sofortiges Verbot von Killerspielen schließt er aus, weil das "nicht der richtige Weg" sei und schwer umzusetzen obendrein. "Aber wir müssen uns intensiv darüber Gedanken machen, wie wir zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit solchen Medien kommen – damit Kinder und Jugendliche nicht ungeschützt Gewalterfahrungen ausgesetzt sind, deren längerfristige Folgen wir nicht sicher abschätzen können", verspricht der Vater von drei Kindern.

Den Lobbyisten der Branche liegt eine differenzierte Replik nicht am Herzen. Sofort wird zurückgeballert: dass der Minister die Debatte anheize – das ist noch einer der harmloseren Vorwürfe – oder dass er widerlegte Vorurteile reanimiere. "Er hat tief in die Neunzigerjahre geblickt und zieht flugs die sogenannten Killerspiele als Ursache für diese Taten aus dem Hut", erklärt Kristos Thingilouthis, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland. Und weiter: "Killerspiele spielt man zu Hause auf seinem Computer oder seiner Spielkonsole, Herr Minister. Man verwendet dafür keine scharfen Waffen, außer Pixeln wird dabei niemand verletzt oder gar getötet."

"Wie ich meine Tochter beim Amoklauf in Winnenden verlor"

Falsch, denn die Szenen bleiben im Kopf und in der Seele der Spieler. Und damit kann die weit überwiegende Zahl der Betroffenen umgehen, zu viele eben aber auch nicht. De Maizière reanimiert keine Vorurteile, sondern er belebt eine notwendige Diskussion. Jahrelang hatten sich Eltern von in Winnenden getöteten Schülern und Schülerinnen dafür starkgemacht, das Radikalisierungs- und Destabilisierungspotenzial von Ego-Shootern ernst zu nehmen. Am vergangenen Sonntag berichtete Hardy Schober, der frühere Vorsitzende des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, live in den "Tagesthemen", wie er irgendwann entnervt aufgegeben hat. Die Lobby der Hersteller sei noch um einiges mächtiger als die der Waffenhersteller, sagt der Betriebswirt, der letztere schon als unbesiegbar einschätzt und darüber ein 2012 erschienenes Buch geschrieben hat ("Mein Sonnenkind: Wie ich meine Tochter beim Amoklauf in Winnenden verlor und nun gegen die Waffenlobby kämpfe").

Hämisch wird bis heute unter den Verteidigern von Krieg und Terror im eigenen gerne abgedunkelten Zimmer darüber berichtet, dass der von den erschütterten Eltern im Oktober 2009 in der Stuttgarter Innenstadt aufgestellte Müllcontainer, in den Jugendliche ihre Spiele, vor allem "Counter-Strike" werfen sollten, ziemlich leer blieb. Als könnte das nicht ein Argument gerade für härtere Maßnahmen sein, dafür, dass sich freiwillig zu wenige abwenden von der Freizeitbeschäftigung mit hohem Suchtpotenzial. Ein Agitator eines Spielerverbands war damals übrigens auch vor Ort, um gegen die Ächtung von Computerspielen und die "Vernichtung von Kulturgut" zu demonstrieren. Davon, den Eltern doch wenigstens nicht das Plakat "Stoppt den Trauer-Terror" entgegenzuhalten, mussten ihn Passanten erst überzeugen.

Schon seit Anfang des Jahrtausends leistet die Lobby ganze Arbeit. 1999 bringt ein 16-jähriger Schlosserlehrling in Bad Reichenhall wahllos und mit Dutzenden Schüssen vier Menschen um. Die Polizei ermittelt, dass er Fan brutaler Videospiele war. Der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) eröffnet die Verbots- oder zumindest Einschränkungsdiskussion. Nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium flammt die Debatte 2002 erneut auf. Wieder stellt sich heraus, dass der 19-Jährige Täter einschlägige Spiele spielte.

Die Innenminister fordern einstimmig Konsequenzen

2009, nach dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen, definiert die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern Killerspiele als Spiele, "bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist". Einstimmig werden Konsequenzen gefordert, der Bundesgesetzgeber könnte sofort aktiv werden. Das ZDF-Magazin "Frontal 21" nimmt sich des Themas an. Der Beitrag ist bis heute einer der größten Aufreger in der Geschichte. Immer noch wird im Internet gegen Tendenz und Macher der Sendung agitiert. Auch wabern unzählige Drohungen durchs die Spielewelt: Wer nicht hören wolle, könne den Unterschied zur realen gern am eigenen Leib erleben. Oder einfach nur: "Kill, kill, kill." Der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hat sogar ein Verbot von realen Gewaltspielen, wie "Paintball" und "Gotcha", angeregt hat. Passiert ist nichts. Statt dessen tauschen sich aktuell auch im Großraum Stuttgart in Chats Jugendliche angeregt darüber aus, wie die Altersgrenze von 18 am besten zu umgehen ist, wo die Kontrollen eher lasch sind.

2013 schaffte es eine Formulierung in den Koalitionsvertrag von Unionsparteien und SPD, die manchen Hinterbliebenen die Tränen in die Augen treibt: "Digitale Spiele prägen den Alltag vieler, insbesondere jüngerer Menschen in unserem Land. Wir anerkennen die Vielfalt hochwertiger Angebote, insbesondere pädagogisch wertvoller Computerspiele, sowie die große kreative Leistung und hohe technische Kompetenz der Entwickler." Keine Problematisierung mehr, keine Erwähnung von Forschungsergebnissen auf nationaler und internationaler Ebene, keine Initiativen. Schon damals heißt der Innenminister Thomas de Maizière.

Immer weiter dürfen die Fans von Ballern, Töten oder Vergewaltigen in der virtuellen Welt damit argumentieren, dass davon ja von da keine reale Gefahr ausgehen könne, weil sonst Millionen von Amokläufern herumliefen in der Bundesrepublik. Seriöse Studien werden verdreht oder negiert. Eine neue Untersuchung der Uni Gießen differenziert zwischen der Tatsache, dass die Öffentlichkeit "Ego-Shooter, Gewaltvideos und hasserfüllte Liedtexte häufig als Ursache missversteht", und der "besonderen Bedeutung", die solche Angebote für anfällige junge Menschen haben: "Als Inspiration und Verstärker für die schon vorhandenen Gewaltfantasien haben sie eine Rolle bei der Selbstdarstellung der im realen Leben erfolglosen, überforderten und sich ständig gekränkt fühlenden Täter." Auch darüber wird gekübelt.

Auch im Stuttgarter Landtag wird viel Wind gemacht

Nach den Taten von Winnenden und Waiblingen hatte der baden-württembergische Landtag den Sonderausschuss "Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen: Jugendgefährdung und Jugendgewalt" eingesetzt. Die Mitglieder waren unter anderem im Stuttgarter Jugendhaus, um sich im Gespräch mit erfahrenen Heranwachsenden ein "differenziertes Bild" zu machen. Eingang in den fast 900-seitigen Abschlussbericht fand immerhin dieser Auftrag: "Wirksamkeit, Umsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit einer Verschärfung der Altersgrenzen und/oder genereller Verbote sollen geprüft werden." Festgestellt wurde, dass "Amoktäter mit Computerspielen die Treffsicherheit einüben und sich das Mitleid systematisch abtrainieren können", dass 99 Prozent der Nutzer männlich sind, oder wie unreflektiert die Industrie gewalttätige Maskulinität einsetzt, vor allem um die Angebote in der hochproblematischen Ich-Perspektive attraktiver zu machen.

Schon in der Debatte der Empfehlungen vom März 2010 im Landtag tauchen mögliche Verbote aber kaum mehr auf. Sabine Kurtz, die heute noch für die CDU im Landtag sitzt und aktiv werden könnte, verspricht seinerzeit, "die Problematik grundsätzlich, langfristig und nachhaltig anzugehen". Der FDP-Abgeordnete Hagen Kluck verweist blauäugig darauf, dass "gewalthaltige Computerspiele, die wir gemeinhin als Killerspiele bezeichnen, keine Freigabe für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben", dass sie also "nicht gespielt werden dürfen". Und dass weiter gehende Maßnahmen, "Millionen erwachsener Menschen in ihrer Freiheit ungerechtfertigt einschränken, ganz gleich, ob man bestimmte Computerspiele für abartig hält".

Wieder hat am Freitag der Vorwoche ein Jugendlicher neun Menschen umgebracht. Wieder hat er auch gespielt, wieder soll abgewogen und geprüft werden. Und wieder will ein Verantwortlicher keine entscheidenden Konsequenzen ziehen aus einer unstrittig Erkenntnissen, die er selber formuliert. "Es gibt ganz sicher sinnvollere Freizeitbeschäftigungen", weiß Baden-Württembergs neuer Innenminister Thomas Strobl (CDU). Er sei bei dem Thema "sehr ernst", denn er kenne "keinen einzigen Fall eines sich selber radikalisierenden Täters, der nicht vorher einen Bezug zu solchen Spielen in Anführungszeichen gehabt hat". Was daraus folgt? O-Ton Strobl: "Es wird außerordentlich schwierig, solche Dinge zu verbieten." Und dann folgte noch die übliche Lobby-Binse obendrauf, schließlich werde auf der anderen Seite ja auch nicht jeder Spieler zum Attentäter.


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17 Kommentare verfügbar

  • Henrik Neufelder
    am 22.08.2016
    Ich möchte die Videospiele nicht von Gewaltverherrlichung freisprechen, jedoch bin ich mir sicher, dass sie weder alleinige oder teilweise Ursache noch Auslöser von Gewaltakten und Amokläufen in der Realität sind.
    Sicher haben viele der Täter (99% junge Männer) solche Spiele gespielt. Ich denke aber, dass das nicht als Ursache, sondern als Symptom zu bewerten ist. Gewaltaffine Jungmänner spielen gewaltverherrlichende Spiele, weil sie die Gewalt anspricht. Aber der Hass auf Menschen war schon vorher da, da bin ich sicher.
    Hunderttausende Jugendliche und junge Erwachsene spielen solche Spiele, ohne in der Realität Menschen zu schaden oder zu bedrohen. Sie können zwischen Spiel und Realität unterscheiden. Die Spiele zu verbieten bringt nichts
    1) Verbote von digitalen Medien sind nicht wirksam - im Internet findet man alles zum Download
    2) kein Spiel lehrt Menschen das Töten oder Foltern, auch wenn es vielleicht abstumpfend wird, kann man nach einem Spiel keine Waffe bedienen, dazu bedarf es Zeit, Geld und Gelegenheit
    3) die Ursachen liegen in der Gesellschaft, die es zulässt oder fördert, dass junge Männer hasserfüllt aufwachsen, in einer Gesellschaft in der der Stärkere alles bekommt, manche - nicht alle - "Verlierer" (keinen tollen Job, Sexualneid) meinen, nichts in der Welt zu gelten. Sie hassen das, was ihnen scheinbar verwehrt bleibt und wollen es in der einen großen Tat, die sie endlich als Stärkere erkennbar macht, vernichten und sich selbst gleich mit.

    Ich denke, Medienerzeugnisse wie Filme oder Spiele bilden dann für solche Jugendliche lediglich das Repertoire der Inszenierungen, aus dem sie sich bedienen: Sonnenbrillen, Lederjacken, dicke Waffen, der überlegene, kühl lächelnde Killer

    All das lässt sich leider nicht mit einem Verbot der Symptome gesellschaftlicher Übel aus der Welt schaffen, sondern bedarf gesellschaftlicher Veränderungen, die nicht einfach per Gesetzblatt herbeigeführt werden können.
  • Spielerin Christine
    am 04.08.2016
    Liebe Frau Henkel-Waidhofer,

    Das Zitat "Paintball: Tötungsszenen, die im Kopf und in der Seele bleiben." ist tatsächlich in obigem Artikel zu finden, nämlich als Bildunterschrift unter dem obersten Foto. Ich nahm an, dass Sie die Bilder incl. Bildunterschriften für Ihren Artikel selbst gewählt haben, offenbar ist das nicht der Fall. Wer ist dafür zuständig? Wird so etwas nicht mit dem Autor besprochen? Wenn Sie mit diesem Spruch nicht einverstanden sind, sollten Sie denjenigen, der ihn getippt hat, dafür kritisieren, und nicht Leser, die auf diesen Text als Gesamtes eingehen und solche Äußerungen - zu Recht - kritisch ansprechen.

    Dass es Spieler gibt, die die Debatte sehr emotional und wenig sachlich angehen, stimmt. Polemik, Hetze, Vorurteile gibt es auf beiden Seiten. Es wäre wünschenswert, wenn man sachlich aufeinander zugehen könnte. Dazu muss aber jemand den 1. Schritt machen, ein "Die anderen sind auch unsachlich!" hilft niemandem.

    Des Weiteren sollten Sie sich bewusst sein, dass ein Text nicht nur aus objektiv für sich stehenden Wörtern besteht, sondern sich auch immer eine Botschaft "zwischen den Zeilen" verbirgt. Außerdem kennen Sie als Germanistin sicherlich das Vier-Seiten-Modell von von Friedemann Schulz von Thun. Die Frage ist doch: Wieso führen Sie in diesem Text selbstverständlich "Fans von Ballern, Töten oder Vergewaltigen" an, als sei das in der Gamer-Szene völlig normal? Sie schreiben nun selbst, dass das nur eine "Teilmenge" der Spieler sei (real: extrem wenige, mir selbst ist in meinem ganzen Leben noch keiner untergekommen), und doch zählen Sie "Fans von [...] Vergewaltigen" sprachlich in diesem Artikel so selbstverständlich auf, dass unbeholfene Leser glauben müssen, das sei unter Spielern normal. Und dann auch noch im Kontext von "Killerspielen", obwohl in keinem einzigen geläufigen "Killerspiel" (und auch generell in keinem einzigen Mainstream-Spiel) Vergewaltigungen durch den Spieler möglich sind. Als Autorin sind Sie Meinungsbilderin für viele Leser (oder tragen zumindest zur Bildung von Meinung bei), da ist es grob fahrlässig, mit dem hochemotionalen Thema sexuelle Gewalt Stimmung gegen eine Szene zu machen, die Ihnen offenbar missfällt. Wenn Sie dem widersprechen, erklären Sie mir bitte, wieso Sie das Thema Vergewaltigung so selbstverständlich und unkommentiert im Text einbringen, obwohl es in Computerspielen, besonders in den klassischen Ballerspielen mit Polizei- oder Militär-Thematik wie Counterstrike, Battlefield oder Call of Duty, in über 99% der Fälle nicht vorkommt.

    Die Detailkenntnisse über Sie habe ich übrigens schlicht und einfach aus dem Wikipedia-Artikel, der über Sie existiert. Ich fragte mich, als ich Ihren Artikel hier las, welchen Hintergrund - bildungstechnisch, politisch, ideell - Sie besitzen, weil ich meinte, das könnte mir bei meiner Einschätzung des Textes helfen. Also habe ich recherchiert, nichts einfacher als das. Wenn ich etwas nicht weiß, informiere ich mich.

    Gerne können wir diskutieren - gerne an dieser Stelle, da auch der Artikel, auf den wir uns beziehen, hier öffentlich zu lesen ist. Es wäre auch erfreulich, wenn weitere Diskutanten sachlich mit einsteigen würden - welche Auffassung zur Thematik sie auch haben. Leider kann ich selbst allerdings erst in etwa zweieinhalb Wochen erneut antworten, ich bin ab Samstag auf Reise.
  • johanna Henkel-Waidhofer
    am 04.08.2016
    Liebe Spielerin Christine,

    Sie schreiben - und tun so, als wäre der Satz von mir: "Paintball: Tötungsszenen, die im Kopf und in der Seele bleiben." Ich habe aber diesen speziellen Zusammenhang nirgends hergestellt. Wie kommen Sie dazu, mir so etwas zu unterschieben? Die Beachtung von simplen Zitierregeln sollte eigentlich auch für Leserinnen selbstverständlich sein.

    Wie Sie bin auch ich für eine ruhige und sachliche Debatte darüber, "wie man psychische Schäden verhindert, ob ein Totalverbot für eine Sache, die der Masse NICHT schadet, angemessen ist, usw.". Dann müssten die hitzköpfigen Spiele-VerteidigerInnen aber selber erst einmal zu Ruhe und Sachlichkeit zurückkehren, statt fortlaufend das zu tun, was sie mir vorwerfen, ich aber gar nicht getan habe, nämlich mit haltlosen Unterstellungen zu arbeiten.

    Wie können Sie als Germanistin aus meinem Satz „Immer weiter dürfen die Fans von Ballern, Töten oder Vergewaltigen in der virtuellen Welt damit argumentieren, dass davon ja von da keine reale Gefahr ausgehen könne, weil sonst Millionen von Amokläufern herumliefen in der Bundesrepublik“ herauslesen, dass ich Computerspielern grundsätzlich vorwerfe, „Terror und Vergewaltigung toll“ zu finden? Die genannten Fans, das weiß ich auch und habe nichts anderes geschrieben, sind natürlich eine Teilmenge aller Killerspielenutzer.

    Da Sie ja offenbar Detailkenntnisse über mich haben („Uns trennen rund 30 Jahre Lebensalter") melden Sie sich, wenn Sie mögen. Wir diskutieren, wenn sie nicht bei ihrer Absage per Wortspiel bleiben: "KILL, KILL, KILLen".
  • Spielerin Christine
    am 04.08.2016
    Liebe Frau Henkel-Waidhofer,

    Sie schreiben:
    "Es ist eine Verdrehung zu behaupten, ich ginge nicht ernsthaft an das Thema heran, benutzte Klischees oder griffe zu billiger Polemik."
    Sie setzten in Ihrem Text Spieler Gewalt beinhaltender Spiele mit Menschen gleich, die sich an Vergewaltigung ergötzen, dass das polemisch ist und vor allen Dingen absolut zu keiner sachlichen Diskussion beiträgt, müssten Sie als studierter - also vermutlich gebildeter - Mensch doch erkennen können.

    Sie benutzen außerdem durchgängig den effektheischenden Begriff "Killerspiele", ohne genauer zu hinterfragen, was dieser Begriff impliziert und ob er überhaupt zutreffend ist bei dem jeweils gemeinten Spiel (welche Spiele kennen Sie denn eigentlich?). Die Frage ist doch: Worum geht es in dem Spiel? Was sieht der Spieler in dem Spiel und in seinem Handeln? Nicht jedes Spiel, in dem man andere Figuren besiegt, hat automatisch Inhalte, bei denen sich an Gewalt ergötzt wird. Beispielsweise Schach, Stratego oder Völkerball. Wo wir dabei wären...

    Ihre Meinung zu Paintball:
    "Paintball: Tötungsszenen, die im Kopf und in der Seele bleiben."
    Wir haben hier ein Spiel, bei dem man mit bunten Farbbällen aufeinander schießt und Spieler, die eine bestimmte Anzahl von Farbklecksen erhalten haben, ausscheiden, d.h. das Spielfeld verlassen müssen. Sie sind der 1. Mensch, von dem ich lese, dass er eine "Tötungsszene" im Kopf hat, wenn jemand einen gelben oder grünen Farbklecks auf die Kleidung bekommt - jedenfalls kenne ich niemanden, der in dieser Spielsituation an Mord oder Tod denkt. Im Grunde ist es tatsächlich kaum anders als Völkerball, nur dass man mit Geräten Farbkugeln schießt, um Treffer zu markieren (daher nennen Paintballspieler diese Geräte gewöhnlich "Marker" oder "Markierer"), statt per Hand einen Ball auf die Mitspieler zu werfen. Zu behaupten, dieses Farbball-Schießen sei irgendwie mit realen Mordszenen zu vergleichen, verharmlost die Grausamkeit von wirklichen Gewalttaten, bei denen Menschen getötet werden. Die Opfer realer Gewalt wischen sich jedenfalls nicht die Farbe vom Körper und setzen sich dann, vielleicht vom Laufen erschöpft, aber unversehrt an Körper und Geist, an den Spielfeldrand. Schön wäre es.

    Zum Frontal-21-Beitrag: Sie haben Recht, Mord- und sonstige Drohungen sind mit nichts zu rechtfertigen, egal, wie reißerisch und falsch (d.h. die Faktenlage verdrehend) ein Beitrag ausgefallen ist. Die Drohungen einiger Weniger, die offenbar mangelhaft sozialisiert wurden, lässt aber noch lange keine Rückschlüsse auf eine Gruppe an Menschen (hier: Computerspieler) zu, zu der weltweit Millionen(!) von Personen zählen. Das wäre ja so, als würde man ALLE Deutschen als Nazis deklarieren, bloß, weil auf den NPD-Demos einige Verblödete den rechten Arm heben.

    Aber weiter zu Ihren Äußerungen:

    Sie stellen diese Spiele als Gefahr für Kinder dar, vergessen dabei allerdings, zu thematisieren, dass die Spiele ohnehin nur an volljährige Menschen verkauft werden dürfen (was m.E. natürlich strikt durchgesetzt werden muss, daran gilt es zu arbeiten) - dass also, wenn Kinder diese Spiele spielen, ein Erwachsener die Schuld daran trägt. Ich meine, dass Eltern (Erziehungsberechtigte) darauf achten, was ihre minderjährigen Kinder spielen, ist wohl auch nicht zu viel verlangt. Hier liegt das Problem, an bei dem man ansetzen muss. Ich halte es nämlich nicht für zielführend, das Verbot einer Sache, die nicht für Kinder gedacht ist, durchsetzen zu wollen, bloß, weil Kinder, die diese Sache illegalerweise nutzen, dadurch gefährdet werden können. Auch Alkohol und Zigaretten, aber auch Autos, Feuerzeuge und scharfe Küchenmesser sind für Kinder nicht gedacht und können gefährlich sein, wenn sie sie dennoch nutzen. Ein Grund, diese Dinge (auch Autos und Küchenmesser) zu verbieten? Was ist eigentlich mit gewalthaltigen Büchern oder Filmen?

    Sie führen weiter an, dass einige Gewalttäter Spieler von gewalthaltigen Computerspielen waren. Es handelt sich um junge Männer zwischen 16 und 19 Jahren. Kennen Sie junge Menschen in diesem Alter persönlich? Es scheint nicht so, denn es gibt - egal, in welcher sozialen Schicht - kaum einen, der NICHT am Computer derartige Spiele spielt. Ergo ist es völlig logisch, dass bei einer Kontrolle der Computer von Männern in diesem Alter (egal ob Gewalttäter oder nicht) diese Art von Spielen gefunden wird. Und die meisten Spieler in diesem Alter scheinen offenbar auch nicht gewalttätig zu werden. Sonst sähe es jedenfalls sehr finster auf den Straßen aus, bei der Masse an jungen Männern, die spielen, und wir hätten täglich einen Amoklauf. Haben wir aber gottseidank nicht. Was nicht heißt, dass jeder einzelne Mensch diese Spiele vertragen würde - da stimmen wir überein - aber... ja, was können wir daraus schließen? Wie wollen wir mit der Problematik umgehen? Das ist doch die große Frage. Die volljährigen Gewalttäter haben sich diese Ab-18-Spiele ganz legal kaufen können, haben sie offenbar dennoch nicht vertragen. Wollen wir das Verkaufsalter hochsetzen? Die Volljährigkeit hochsetzen? Aber wohin? Es ist nachgewiesen, dass es auch Menschen gibt, die längst 30+ sind, aber dennoch psychisch labil und gewalthaltige Medien nicht vertragen.

    "Amoktäter mit Computerspielen die Treffsicherheit einüben"
    Eine Feststellung, die ich äußerst verwunderlich finde. Es besteht ja zweifellos ein riesiger Unterschied zwischen dem Drücken auf eine Maustaste und dem realen Schießen mit einer Waffe. Letztere muss geladen, entsichert und nachgeladen werden, und hat beim Schießen einen Rückstoß, alles Dinge, die man am Computerspielen nicht hat, und die man daher auch nicht erlernen kann, nur, weil man bei einem Ballerspiel ein paar Mausklicks macht und ein paar Tasten auf der Tastatur drückt.

    Sie schreiben, das möchte ich noch anmerken, sehr klischeehaft darüber, wie Sie sich offenbar Spieler vorstellen. ("Verteidigern von Krieg und Terror im eigenen gerne abgedunkelten Zimmer")
    Glauben Sie das wirklich oder ist das - wie ich vermute - eine absichtliche Stichelei (auch hier wieder: was hat das in einer objektiven Analyse, in einer sachlichen Diskussion zu suchen)? Wie dem auch sei; ich lebe in einer ziemlich "normal" eingerichteten Wohnung und spiele meine "Killerspiele" gerne bei normaler Beleuchtung, bin außerdem bekennende Pazifistin und Vegetarierin, habe nicht nur etwas gegen Terror, sondern auch gegen Militarismus. Übrigens habe ich ein abgeschlossenes Studium, machte danach ein freiwilliges soziales Jahr, arbeite heute im Kulturbereich. Interessante Anekdote übrigens, Frau Henkel-Waidhofer: Ich habe, exakt wie Sie, Germanistik und Geschichte studiert. Uns trennen rund 30 Jahre Lebensalter und die Auffassung über Computerspiele. Mehr weiß ich nun nicht über Sie, aber vielleicht gehen Sie ja auch gern - wie ich - in die Oper und ins Museum, malen und fotografieren vielleicht, oder hören sich klassische Musik an. Schwer zu glauben, dass "so jemand", ein Mensch mit diesen Hobbies, diese ach-so-miesen "Killerspiele" spielt? Und nicht nur ich, sondern auch diverse andere Akademiker in meinem Freundeskreis.

    Frau Henkel-Waidhofer, einige (vorerst) abschließende Worte: Wieso all diese klischeehaften bis gehässig-angreifenden Kommentare über Computerspieler (über das angebliche Gutheißen von Vergewaltigung, das Hausen in dunklen Räumen, das angebliche Befürworten von Terror), wenn Sie doch seriös schreiben wollen? Und Sie haben doch Interessantes zu sagen: "Die Szenen bleiben im Kopf und in der Seele der Spieler. Und damit kann die weit überwiegende Zahl der Betroffenen umgehen, zu viele eben aber auch nicht." Darüber können wir diskutieren! Was man aus dieser Problematik machen kann, wie man psychische Schäden verhindert, ob ein Totalverbot für eine Sache, die der Masse NICHT schadet, angemessen ist, usw. Das kann gern diskutiert werden. Ruhig und sachlich. Aber ich befürchte, kaum ein Computerspieler möchte dies tun, wenn er von Ihnen unterstellt bekommt, er fände Terror und Vergewaltigung toll. Solche Kommentare - entschuldigen Sie, ich kann es mir nicht verkneifen - KILL-KILL-KILLen jegliche Diskussion.

    Freundliche Grüße.
  • Fritz Meyer
    am 02.08.2016
    "Wer diese Realität ausblendet, verweigert eben jene sachliche Diskussion, die hier so vehement eingefordert wird."

    Q.E.D.

    Dieselben Aussagen wurden übrigens auch schon - über Jahrzehnte hinweg - über Musik, Literatur und Filme gemacht. Die stetige Wiederholung hat sie nicht wahrer gemacht.
  • johanna Henkel-Waidhofer
    am 02.08.2016
    Liebe Alle,
    ich beschäftige mich seit den Ereignissen in Erfurt 2002 mit den Zusammenhängen zwischen Computerspielen und Amokläufen. Die Ergebnisse meiner vielen und immer neuen Recherchen, der Gespräche in Jugendhäusern, mit Spielern, Projektleitern und Wissenschaftlern fasst dieser Satz aus dem Artikel zusammen: „Die Szenen bleiben im Kopf und in der Seele der Spieler. Und damit kann die weit überwiegende Zahl der Betroffenen umgehen, zu viele eben aber auch nicht.“ Es ist eine Verdrehung zu behaupten, ich ginge nicht ernsthaft an das Thema heran, benutzte Klischees oder griffe zu billiger Polemik.
    Die zigfach belegte These vom Suchtpotenzial besagt erstens nicht, dass alle Spieler süchtig werden. Zweitens: Dass alle Amokläufer Nutzer von Killerspielen sind, besagt nicht, dass alle Nutzer von Killerspielen Amokläufer werden. Logische Analogie: Alle Iren sind Europäer, aber nicht alle Europäer sind Iren. Von einer mechanistischen Kausalität zwischen Spielen und Morden ist in dem Text keine Rede und kann auch keine Rede sein, weil dies Unsinn wäre.
    Das ändert aber nichts daran, dass diesen Spielen ein Sucht- und eine Verrohungspotenzial innewohnt. Achtung und noch einmal: Nicht jeder Spieler verroht und wird süchtig. Aber jeder Amokläufer hat auch am Computer brutale Spiele gespielt, sich selber in einen Gewehrlauf verwandelt und Figuren gejagt wie Hasen, um sie niederzustrecken. Die Vorstellung, die vielfache und massenhafte Nutzung solcher Videos gehe an der Psyche von Hunderttausenden der (männlichen) jungen und sehr jungen Spieler - um die geht's, nicht um gefestigte (männliche und weibliche) Erwachsene 30+ - spurlos vorüber, ist belegbar illusionär und erkennbar interessengeleitet: von den Interessen der Spieler, die sich ihre Spiele nicht wegnehmen lassen wollen, und von den Interessen der Hersteller, die sich das Geschäft nicht wegnehmen lassen wollen.
    Die Uni Gießen hat vor wenigen Wochen eine wissenschaftliche Untersuchung von 35 Fällen in der Bundesrepublik seit 1990 mit Tätern unter 24 Jahren vorgelegt. „Ego-Shooter, Gewaltvideos und hasserfüllten Liedtexte sowie die Waffenaffinität haben auch eine besondere Bedeutung: Als Inspiration und Verstärker für die schon vorhandenen Gewaltphantasien spielen sie eine Rolle bei der Selbstdarstellung der im realen Leben erfolglosen, überforderten und sich ständig gekränkt fühlenden Täter“, heißt es darin.
    Wer diese Realität ausblendet, verweigert eben jene sachliche Diskussion, die hier so vehement eingefordert wird. Schade.
  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 01.08.2016
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    endlich einmal ein seriöser und ernstzunehmender Artikel, der die großen Gefahren der diabolischen Schieß-Spiele klar benennt und endlich die Debatte um ein völlig berechtigtes Verbot der bösen Schieß-Spiele neu beleben möchte! Genauso, wie völlig offensichtlich ist, dass die böse Krachmusik (also z.B. Tschess, Schwing, Felsen-, Knall-, Hüftenhüpf oder gar Metall-"Musik") zu Gewalt und Kriminalität führt, führen auch diabolische Schieß-Spiele ganz klar zu Amokläufen, Kriminalität und Gewalt bei unserer dummen und unredlichen Jugend - man sollte unserer Jugend daher sofort die Schieß-Spiele mit dem Rohrstock austreiben!

    Hinzu kommen jedoch weitere große Nachteile, wenn Schieß-Spiele weiterhin erlaubt werden: Anstatt sich auf den Hosenboden zu setzen und zu lernen, versumpfen unsere verkommenen Jugendlichen vor dem Heimrechner, beginnen davon an Gehirnbrand zu leiden und werden daher früher oder später in der Gosse landen, wo sie das von meinen(!) Steuergeldern bezahlte und sowieso viel zu großzügig bemessene "Hartz-IV" beziehen werden! Schießspiele führen darüberhinaus zur Verweichlichung des Körpers und setzen daher die Wehrhaftigkeit unseres schönen deutschen Vaterlandes herab - wie sollen wir denn mit einer derart verweichlichten Jugend jemals einen Krieg gewinnen?

    Ich kann daher der Autorin dieses Artikels nur beipflichten: Die diabolischen Schieß-Spiele gehören sofort verboten, da sie (u.a. neben Alkohol, Sechs, Krach- und Gewaltmusik, Drogen und Demonstrationen) einer der Sargnägel in der Zukunft dieses unseres schönen deutschen Vaterlandes darstellen!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (Schieß-Spiel-Fachmann, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)

    P.S.: Die unter diesem Artikel befindlichen Leserbriefe unredlicher Jugendlicher, die um ihre kranke Freizeitbeschäftigung fürchten, sind nur ein weiterer Beweis dafür, wie dringend Schieß-Spiele verboten gehören! Ich finde es daher eine Schande, dass noch nicht einmal Herr Strobl von der relativ redlichen und christlichen CDU ein sofortiges Schieß-Spiel-Verbot fordert!

    P.P.S.: Sehr geehrter Herr Fritz Meyer, das von Ihnen angeführte Schieß-Spiel "Thekenschlag" ist einer der größten Amoklauf-Verursacher der neueren Geschichte! Es ist daher brandgefährlich und sollte sofort verboten werden!
  • Fritz Meyer
    am 01.08.2016
    Hier mal ein seriöser Kommentar:

    "Killerspiele"-Debatte reloaded: Gefangen in der Populismus-Sackgasse?

    Wer "Counter-Strike" und Co zur Amok-Ursache erklärt, verhindert eine sachliche Diskussion über Gewalt in Games"

    http://derstandard.at/2000041980696/Killerspiele-Debatte-reloaded-Gefangen-in-der-Populismus-Sackgasse
  • Tom
    am 01.08.2016
    Ich finde es einfach schade das man wieder die gleiche Kuh durchs Dorf treibt und einen Grund findet anstatt sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt.
    Sehr einfach und sehr platt. Da ist die Bild-Zeitung noch weitsichtiger und hinterfragt mehr ;-).
  • Willi
    am 01.08.2016
    Der Artikel holt ja mal wieder alle Klischees raus und rührt sie zu einem undifferenzierten Brei.

    Im Spiel Counter-Strike z.B. geht es nicht ums virtuelle Töten und erst recht nicht um virtuelle Vergewaltigung. Es handelt sich um ein Teamspiel, in dem das eine Team versucht, eine Bombe zu legen und das andere das verhindern will. Am Ende der Runde bekommt ein Team einen Punkt. Dann werden die Rollen gewechselt. Um zu gewinnen, sind Disziplin und Teamwork das A und O.

    Sie stellen das als virtuelle Aufgeil-Gewaltorgie für Gestörte und potentielle Massenmörder dar. Also dann müssen Sie auch Schach als widerliches Kriegsspiel darstellen und am besten verbieten.

    "Killerspiele" ist ein populistisches Gummiwort, das lediglich Angst verbreitet. Unseriös.

    Bitte informieren Sie sich doch besser, indem Sie die von Ihnen kritisierten Spiele einmal so lange selbst spielen, bis Sie sie verstanden haben.

    Nein, wir würden keine Kinderpornospiele verteidigen, weil das nicht dasselbe ist. Bitte differenzieren. Nein, wir argumentieren nicht vergleichbar mit der Waffenlobby, weil Spiele nun mal keine Waffen sind und man niemanden mit einer Counter-Strike-DVD-Hülle erschießen kann. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Blanker Populismus.
  • Markus Henkel
    am 31.07.2016
    Sehr geehrte Frau Henkel-Waidhofer,

    bis heute war ich ein grosser Freund ihrer Artikel in der Kontext WZ.
    Leider entbehrt ihr obiger Artikel jede, sonst von mir geschätzte, Objektivität und journalistische Professionalität.
    Sie werfen den Spiele Lobbyisten vor, dass ihnen eine differenzierte Replik nicht am Herzen liegt. Nach einer Diskussion auf Augenhöhe steht Ihnen aber wohl auch nicht der Sinn.
    Ich bin durchaus der Meinung, dass Videospiele einer seriösen Diskussion bedürfen. Gerade weil das Spielen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
    Aber jeden Spieler/Spielerin als Fan von 'Ballern, Töten oder Vergewaltigen in der virtuellen Welt' abzustempeln und die dass dann auch noch 'im eigenen gerne abgedunkelten Zimmer' tun, hilft dieser Diskussion sicher nicht. Damit bedienen Sie Vorurteile, die ich längst überwunden glaubte.
    Sie zitieren aus Studien, die Ihre Position bedienen, werfen der Gaming Community vor, dass sie 'seriöse Studien .. verdreht oder negiert'. Leider gehen Sie selbst nicht auf Studien ein, die einen Zusammenhang zwischen Aggressivität und Spielen nur unter ferner liefen herausfanden. (http://www.sueddeutsche.de/digital/aggressiv-durch-egoshooter-ich-mach-schaschlik-aus-dir-1.1493661)
    Sie betonen das hohe 'Suchtpotenzial' der Spiele, ohne Belege. Da auch zig andere legale Dinge in unserer Gesellschaft ein hohes Suchtpotenzial haben, unterstelle ich Ihnen hier billige Polemik.
    Seriöse Politik fusst in hohem Maße auf sachlichen Diskussionen. Sie bedauern, dass die Entscheidungsträger nichts tun. Mit einem Artikel wie diesem liefern sie ihnen keine Argumentation und helfen niemanden.
  • Spielerin
    am 27.07.2016
    "Immer weiter dürfen die Fans von Ballern, Töten oder Vergewaltigen in der virtuellen Welt damit argumentieren(..)"

    Wenn Sie eine sachliche Diskussion wollen, gerne. Dann sollten Sie allerdings aufhören, selbst zu polemisieren. Dazu gehört es, den durchschnittlichen Computerspieler nicht als Fan von (virtuellen) Vergewaltigungen darzustellen. Wenn Sie von solchen beleidigenden Unterstellungen nicht abrücken, sehe ich keine Diskussionsgrundlage.
  • Chris S
    am 27.07.2016
    Letztlich geht es doch einfach um die Frage, wie viel Service ein Staat dem geneigten Amoklauf-Interessenten bieten muss/soll.
    Das Argument "Killerspiele machen niemanden zum Amokläufer" ist ja letztlich nur eine abgewandelte Form der Argumentation, mit der sich die US-Waffenlobby gegen striktere Waffengesetze wehrt.
    Beides ist zwar nicht falsch, aber andersrum wird ein Amokläufer ohne spezielle Schnellfeuerwaffen und ohne Amok-Training (das ist Counterstrike in gewisser Weise ja) definitiv weniger Menschen töten können, als das z.B. in Orlando oder in München geschehen ist. Und überhaupt, woher kommt eigentlich dieses Selbstverständnis, dass das Nachspielen von Mord- und Amok-Szenarien in Ordnung sein soll und auch noch rechtlich geschützt, nur weil dabei unmittelbar niemand verletzt wird? Wie wäre das denn mit einem Spiel, in dem z.B. Kinderpornographie nachgespielt wird? Würden da die Spiele-Verfechter gleich argumentieren?
  • BlckSpy
    am 27.07.2016
    Siehe hierzu: http://www.zeit.de/digital/games/2016-07/killerspiele-amoklauf-muenchen-thomas-de-maiziere-debatte
  • Blender
    am 27.07.2016
    Egal was Jugendliche heutzutage so schlimmes treiben und wieviele unschuldige durch Amok sterben, die schlimmste deutsche Jugendgeneration aller Zeiten war die zwischen 1933 und 1945.
  • Andrea
    am 27.07.2016
    Killerspiel - Kampfhund - Wutbürger - alle diese Schlagworte stoßen mir in den den Medien einfach unangenehm auf. Ich habe dann immer das Gefühl, sie klingen nach einer einfachen Politikerlösung für eigentlich viel komplexere Zusammenhänge.

    Auch ich habe in meiner Teenagerzeit Horrorfilme und Metalmusik geliebt, Gewaltphantasien habe ich trotzdem nicht. Und damit denke ich, bin ich eher die Regel als die Ausnahme.

    Computerspiele können normal veranlagte Menschen nicht zu Mördern machen. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass Jugendliche, die im Umgang mit Medien allein gelassen werden, damit überfordert sein können. Übrigens genauso wie wenn sie im Umgang mit dem echten Leben allein gelassen werden.

    Diese Hetze und diese Drohungen, die, wie im Artikel zitiert durchs Netz "wabern" erlebt auch jeder, der ein Video auf Youtube einstellt oder einen Beitrag in einem Forum hinterlässt, der einem anderen irgendwie unangenehm aufstößt.

    Wie schnell ist jemand auch im echten Leben in einer Aussenseiterrolle und wie selten findet sich jemand, der dann noch für ihn einsteht. Denn heute steht der Egoismus mehr denn je an erster Stelle der Charakterentwicklung.

    Wäre es nicht besser, mehr auf die Erziehung und Entwicklung junger Menschen zu selbstbewussten aber gleichzeitig auch sozialen Wesen zu setzen, als Spiele zu verbieten?

    Das allerdings wäre weitaus schwieriger. Und für einen Innenminister nicht in ein paar Schlagzeilen gewinnbringend zu vermarkten.
  • Fritz
    am 27.07.2016
    Sie sind sich wirklich ganz sicher, Frau Henkel-Waidhofer, daß es diesmal die "Killerspiele" sind? Und nicht etwa die Rock'n'Roll-Musik, die Horrorvideos, die kurzen Röcke oder das Verbot der Prügelstrafe? Könnte man nicht auch (wieder einmal) dem gesamten männlichen Geschlecht die Schuld geben?

    Nein, werte Dame, Ihr Kommentar ist wirklich nur ein Kommentar. Eine subjektive Meinung ohne einen wissenschaftlichen Anspruch, ohne einen REALITÄTSBEZUG. Denn dieser Kommentar bringt nur eine Gesinnung, eine Überzeugung, aber nicht die REALITÄT auf den Punkt.

    Seriöse Studien sprechen eine ANDERE Sprache. Man müsste sie nur zur Kenntnis nehmen wollen. Und die Art von Zensur, die Ihnen vorschwebt, wird dann gewiss auch bald für politisch unbequeme Standpunkte Anwendung finden. Denn auch das "hetzt" - nachweisbar - die Jugend auf. (Auf Gedankenverbrechen will unsere Politik ja demnächst schon die 14jährigen überprüfen lassen, um sie als "Extremisten" "rechtzeitig" zu identifizieren.)

    Auf die WESENTLICHEN soziologischen Aspekte gehen Sie natürlich auch nicht ein. Z.B. eine Gesellschaft, die Gewalt bei jeder Gelegenheit als Lösung für Konflikte propagiert, die schon den jungen Menschen die Hoffnung und Perspektiven raubt - und die jedem Spinner eine Waffe in die Hand gibt.

    Denn gerade der Amokläufer von Winnenden - übrigens eindeutig ein Geisteskranker und nicht, wie z.B. Breivik, ein aufgehetzter Rechtextremist (übrigens kein Killerspieler) - konnte nur dank scharfer Waffen UND DEM TRAINING DAMIT soviele Menschen ermorden.

    Und Deutschland produziert diese Waffen - die nachgewiesen am meisten Menschen töten - nicht nur unter den "Top 5" weltweit, es exportiert sie auch in allerlei Diktaturen, Verzeihung, an "Verbündete". Dass unsere "besorgten" Parlamentarier - vor allem vor den Wahlen - "Familie und Werte" einfordern und dann Mordwerkzeug an die übelsten Demokratieverächter und MÖRDER liefert, interessiert Sie scheinbar ebensowenig. Es passt wohl genausowenig ins Weltbild. Und diese Parlamentarier sollen Ihnen dann auch noch helfen eine - subjektive - Zensur umzusetzen?

    Hatten wir das nicht schon? HABEN wir das nicht schon? Und die Existenz und Arbeit der BPjM - egal wie kritisch man dieser Behörde gegenüber stehen mag - wird auch ignoriert? Stellen Sie deren Leistung mit ihrem Kommentar folglich in Abrede?

    Oder ist es Ihnen nur nicht "genug"? Schnelle Urteile, schnelle Entschlüsse? Man nennt so eine Vorgehensweise übrigens Standgerichtsbarkeit. Oder umgangssprachlich "Kläger, Richter und Vollstrecker" in einem.

    Auf diesem Niveau kann man nicht überzeugen, Frau Henkel-Waidhofer. Auch wenn es - leider - immer mehr Tote geben wird. Aber die Killerspiele sind nicht schuld daran. Denn es begehen auch genug Menschen diese furchtbaren Taten, die NICHT spielen. Symptome und ihre Ursachen sollte man nicht verwechseln.

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