Er mache einen ziemlich guten Job, sagt BZ-Chefredakteur Thomas Fricker. Danach sieht es momentan nicht aus. Foto + Montage: Joachim E. Röttgers

Er mache einen ziemlich guten Job, sagt BZ-Chefredakteur Thomas Fricker. Danach sieht es momentan nicht aus. Foto: BZ; Montage: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 429
Medien

"Ich muss keine Abbitte leisten"

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 19.06.2019
Zensur und Schreibverbot bei der „Badischen Zeitung“ (BZ), dem liberalen Traditionsblatt, weil ein renommierter Autor nicht mehr gedruckt wird? Die Frage ist eher, wie lange der Chefredakteur seinen rustikalen Kurs noch durchhält. In Freiburg formiert sich der Widerstand, den auch ein Monopolist nicht steuern kann. Ein Lehrstück auf der Bühne sozialer Medien.

Im Büro des Chefredakteurs ist der Fernseher das herausragende Möbelstück. Ein großer Flachbildschirm vor dem Schreibtisch. Der Nachrichtensender n-tv läuft. An der Wand gegenüber hängt eine Titelseite der BZ mit dem dreijährigen Jungen Aylan Kurdi, der im September 2015 an einen türkischen Strand gespült wurde. Die Welt ist schnelllebig, auch in Freiburg, und Thomas Fricker weiß, dass er auf dem Quivive sein muss. Die Zeiten sind hart, auch für Redaktionsmanager.

Er mache seinen Job "ziemlich gut", sagt er und guckt, ob da einer zuckt vor so viel Selbstbewusstsein. Als Blattmacher entscheide er, was kommt, was lang wird und was kurz, und bisher sei ihm das auch gelungen. Das wird später noch wichtig werden. In seinem kurzärmligen Polohemd erscheint er eher zupackend als filigran, weniger zweifelnd als entschlossen. Fricker ist 59, Oberschwabe, Sohn eines bekennenden Sozialdemokraten (was in Waldsee mutig war), Freund der Fasnet und nicht so sehr der nachdenkliche Typ. Aber der würde heute auch nicht mehr Chefredakteur.

Derzeit, allerdings, läuft es nicht gut für ihn. Wie in Kontext berichtet wirft ihm Bernd Serger, ehemaliges Mitglied der BZ-Chefredaktion vor, Nachrichten zu unterdrücken und ihm ein Schreibverbot erteilt zu haben. Schnell liegt der Verdacht der Zensur in der Luft, und, zack, ist der Boss ein Böser. Konkret geht es um die von Serger recherchierte NS-Vorgeschichte eines Freiburger Unternehmens ("Betten-Striebel"), welche am 21. Juli 2018 zwar im Wochenend-Magazin gedruckt, aber nicht mehr online gestellt wurde, weil Fricker später "journalistische Mängel" und eine "Scharfrichter-Attitüde" des Autors erkannt hatte, welcher Meinung und Information "munter vermischt" habe. Serger habe die heutigen Inhaber der Firma, die mit der "Arisierung" nichts zu tun hatten (was der Autor vermerkt hat), zur "Erinnerungsarbeit zwingen" wollen. Mit der Folge, dass sie als "Judenhasser" und "Nazis" beschimpft worden seien, und er sich veranlasst gesehen habe, sie heim zu suchen. Sie hätten ihm sogar, berichtet Fricker bei unserem Besuch, eine Betriebsführung angedeihen lassen. Seitdem sei er Experte in Matratzen.

Von einem Bettenladen ist ein Monopolist nicht abhängig

An dieser Stelle muss noch ein Absatz mit ökonomischem Bezug eingefügt werden. Wie bekannt, sind Zeitungen heute keine Goldgruben mehr und Chefredakteure gehalten, auf die wirtschaftliche Bilanz zu achten. Da ist eine zehnseitige Beilage zum 80-jährigen Matratzenjubiläum, wie die von "Betten-Striebel", zwar kein Kassenschlager, aber auch nicht zu verachten. Nur, daraus zu schließen, er hätte aus merkantilen Erwägungen heraus das Verdikt ausgesprochen, das erscheint Fricker als "verleumderische Behauptung". Den Ausflug ins Bettenhaus habe er aus "Anstand und Fairness" unternommen, weil er gesehen habe, wie "fassungslos" die "integren Leute" gewesen seien. Und denen, die ihn jetzt als Knecht des Verlegerkapitals beleidigen wollen, schleudert er den Satz entgegen: "Wenn es uns so schlecht ginge, wären hier längst die Lichter aus". Da hat er recht. Von einem Bettenladen ist der südbadische Pressemonopolist nicht abhängig. Aber darum geht es letztendlich auch nicht.

Ähnlich aufgebracht ist Bernd Serger, der zwei Monate lang für die Geschichte geforscht hat. Er empfängt zuhause in der Freiburger Altstadt, in seinem Arbeitszimmer könnten Bücher die Decke tragen. Besonders sauer ist er, weil ihm Fricker "unaufhörlich" unterstelle, eine Kampagne gegen ihn und die BZ zu fahren. Gegen seine "Badische", über die er einst für den Verleger Christian Hodeige, einen Karibik-, Kulinarik- und Fliegenkenner, ein Buch schreiben sollte. Das weist er zurück, weil er das Blatt "nach wie vor liebt", fast 30 Jahre dafür gearbeitet hat, als Lokalchef in Lahr und Freiburg, Leiter von 20 Außenredaktionen und freier Autor.

Serger ist 70 und seit 2011 im Ruhestand. Danach hat er sich einen Namen als Experte für jüdische Geschichte gemacht und weiter für die BZ geschrieben. Bis zu jenem Juli 2018, bis zur überraschenden Mitteilung vor wenigen Wochen, dass die Chefredaktion ihn nicht mehr im Blatt sehen wolle. Überbracht wurde sie ihm von Lokalkollegen, mit denen er einen Beitrag über die Verbindungen des jüdischen Kaufhauskönig Max Emden nach Freiburg vereinbart hatte. Nachdem auch dieser Text nicht in der BZ stehen darf, veröffentlicht ihn Kontext.

Serger lässt sich nicht sagen, wie Journalismus geht

Fricker bestätigt den Vorgang, bekundet aber zugleich seine Bereitschaft, mit Serger zu sprechen – zu seinen Bedingungen. Und die lauten: Der Sergersche "Betten-Striebel" findet nach wie vor nicht statt, aber gerne mit Begründung. Und Serger kontert: "Die Frickersche Begründung kenne ich, die kann er sich sparen." Der weißhaarige Bärbeiß, nach eigener Aussage auch nicht "auf der Brennsupp dahergeschwommen", ist old school. Er lässt sich nicht sagen, wie er sein Handwerk zu machen hat. Das hat er selber gelernt und gelehrt, unter anderem bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Und als BZ-Chronist kennt er die alten Geschichten, wie Hans-Karl Filbinger in den Siebzigern die Redaktion auf Linie bringen wollte, wie die Gesellschafter in den Achtzigern den "linksorientierten" Kurs beenden wollten, wie in den Neunzigern der damalige Chefredakteur Peter Christ gestürzt wurde, wie anno 2009 Ralf Dahrendorf als Berater, Autor und Namensgeber für einen Preis auftauchte, mit dem Beiträge ausgezeichnet werden, die "in vorbildlicher Weise erklären, wie Demokratie auf lokaler Ebene funktioniert".

Will sagen: Vor diesem Hintergrund sind Frickers rustikale Hauruck-Aktionen gefährlich. Innen wie außen. Die "Badische Zeitung" ist kein Blatt wie jedes andere. Das hat mit ihrer Geschichte zu tun, dem Auftrag der französischen Militärregierung, ein national vorzeigbares Blatt zu machen, mit den ersten Journalisten der "Frankfurter Zeitung", die einen "entschieden demokratischen" Kurs fuhren, mit dem hochgeachteten Chefredakteur Ansgar Fürst und den Verlegern, die Journalistinnen und Journalisten nicht nur als Kostenträger betrachten. Wenn Fricker also öffentlich kundtut, der "manipulative" Beitrag von Serger sei aufgrund der "Gedankenlosigkeit eines Redakteurs" ins Blatt gerutscht, der im Haus als Edelfeder gilt, dann wird das Eis dünn. 

In Freiburg hat man nicht kapiert, dass Rudi Dutschke tot ist

Erinnert sei an den Fall Jörder im Jahr 1997. Der Leiter des Feuilletons wurde in der Szene als nationale Fachkraft gehandelt, der BZ-Chefredakteur Peter Christ hielt ihn für unfähig und wollte ihn rausschmeißen. Daraufhin erhob sich im Kulturbiotop Freiburg ein tausendfacher Aufschrei, bundesrepublikanische Prominenz schickte Solidaritätsadressen – und Gerhard Jörder ging zur "Zeit". Geflogen ist Christ. In dieser Zeit war man in  der Chefetage der Meinung, schrieb einst der gebürtige Freiburger Georg Löwisch in der taz, in der Stadt habe man einfach noch nicht kapiert, "dass Rudi Dutschke tot ist".  

Nun sind alle die ProfessorInnen, SchriftstellerInnen, LehrerInnen, Vauban-BewohnerInnen ja nicht verschwunden. Nach und nach melden sich die Kombattanten wieder, der linke Stadtrat, der FDP-Politiker, der Germanistikprofessor, auch intern rumort es. Vieles läuft über Facebook, nicht mehr in Leserbriefen, mit denen sie Gefahr laufen, im Nirwana zu enden. Etwa, wenn Fricker befindet, sie hätten die Kampagne gegen ihn genügend befeuert, er werde diesen "Missbrauch unseres Forums nicht dulden". Basta, geschlossen, und weg damit.

Für sich selbst sieht er das anders. In einem meinungsstarken Beitrag vom 15. Juni ("Kesseltreiben statt Diskussionskultur"), versucht es der Chefredakteur mit einer erneuten "Klarstellung", die letztlich zu einer erneuten Attacke, zum Tausch der Rollen gerät. Jetzt ist Fricker das Opfer. Aber auch das wird nicht funktionieren. Schon jetzt hat er eine Debatte an der Backe, die all die Fragen aufwirft, die sich insbesondere Pressemonopolisten gefallen lassen müssen: Von wem seid ihr abhängig? Was veröffentlicht ihr und was nicht? Ist Vielfalt nicht euer oberstes Gebot? Mit der Attitude des Gutsherrn, der bestimmt, wann Ende Gelände ist, ist dieser Kampf nicht zu gewinnen. Eher mit der Fähigkeit zur Demut, die es zulässt, eine andere Meinung potenziell für schlauer zu halten.

Anzuraten wäre dem oberschwäbischen Landsmann, einfach mal in Sergers Facebook-Seite rein zu schauen. Tief durchzuatmen, die Auskeilreflexe abzuschalten und ernstzunehmen, was die LeserInnen schreiben. Zu begreifen, dass die Zeiten, in denen die publizistische Deutungshoheit den Verlagen gehörte, definitiv vorbei sind. Doch der Chefredakteur bleibt standhaft. "Ich muss keine Abbitte zu leisten", sagt er mit fester Stimme. Die Frage ist, wie lange noch.


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8 Kommentare verfügbar

  • Andreas Lobe
    vor 3 Wochen
    Der Fall, um den es geht, mal einfach dargestellt: Da wurde ein jüdischer Geschäftsmann erst staatlich sanktioniert bestohlen und aus dem Land getrieben, dann, als er die Möglichkeit gehabt hätte, sein Eigentum zurück zu fordern, von den Dieben belogen und eingeschüchtert. Als ihm das klar wurde, war es zu spät, der neue Staat sicherte den Dieben per Gesetz die Beute, die sie dann Jahre später weiterverkaufen konnten. Die neuen Besitzer möchten dann im Jahr 2019 ein Jubiläum feiern, unterdrücken aber dabei die eigentliche Geschichte. Aus Scham? Weil nach unseren Gesetzen eigentlich kein Eigentum an Diebesgut erworben werden kann? Wie auch immer.

    Einer möchte die wahre, die eigentliche Geschichte erzählen. Er wird daran gehindert vom Chefredakteur einer Zeitung, auf die wir alle einmal stolz waren. Warum? Geld, Werbeeinnahmen, Umsatz. Der Chefredakteur würdigt die Zeitung damit auf das Niveau eines Anzeigenblättchens herunter, die Herausgeber haben offenbar nichts dagegen.

    Eine Demokratie braucht eine Reihe ganz bestimmter Voraussetzungen, wenn sie längerfristig funktionieren soll. Dabei spielt ein waches Geschichtsbewusstsein eine zentrale Rolle. Und dabei geht es nicht so sehr um gewonnene Schlachten und die Erbfolge von Fürstengeschlechtern, sondern vielmehr um die schmutzigen Ecken und finsteren Löcher der Geschichte.

    Bernd Serger ist einer, der sich genau darum kümmert. Er macht das schon sehr lange, ich weiß das, ich habe eine Zeitlang für ihn arbeiten dürfen - und das war mir eine Ehre und ein Vergnügen. Man sollte ihn unterstützen, anstatt ihm Schwierigkeiten zu bereiten. Das wäre das Mindeste.

    Mein Dank geht an die Redaktion von Kontext, weil sie genau das getan haben.
    Andreas Lobe
  • Kai Fischer
    vor 3 Wochen
    Der BZ-Chefredakteur Thomas Fricker ist überzeugt, dass seit fast einem Jahr eine böswillige Kampagne gegen ihn und seine Zeitung läuft, und aus diesem Grund blockiert die BZ nun konsequent alle Leserbriefe und Online-Kommentare, die das Thema Bernd Serger aufgreifen. Sämtliche Kommentarspalten, die irgendwie damit in Verbindung zu bringen sind, sind komplett gesperrt, das Credo der Redaktion lautet überall, die Argumente seien längst ausgetauscht und es komme nichts Neues mehr.
    Das Problem ist: Mit dem Pauschalurteil „Kampagne“ wird jeglicher individueller Debattenbeitrag, jede auch noch so sachliche Rückfrage verhindert.

    So bleibt allzu vieles ungeklärt, wie z.B. diese Ungereimheit:
    Von Beginn an gibt die BZ Herrn Serger die Verantwortung dafür, dass Leser seines Artikels die Inhaber des Bettenhauses aggressiv als Antisemiten bezeichnet hätten – doch dieser Zusammenhang ist aus dem Serger-Text überhaupt nicht herzuleiten, im Gegenteil: Serger hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die heutigen Betreiber nicht in die damaligen Geschehnisse verwickelt seien.
    Doch die BZ beharrt auf ihrer Position, es handele sich bei dem Artikel um schlechte journalistische Arbeit, deren weitere Veröffentlichung nicht zu verantworten sei.
    Dieser und manches anderer Punkt wurde in den Kommentarspalten kritisch hinterfragt, doch die BZ reagierte nur mit dem immer gleichen Vorwurf der ungerechtfertigten Kampagne gegen sie und mit Schließung der entsprechenden Spalte.
    Natürlich kann das geballte Auftreten ähnlich gelagerter Kommentare äußerlich wie eine konzertierte Aktion erscheinen. Aber wie soll sich ein einzelner Kommentator diesem Verdacht entziehen? Wie kann er der pauschalen Vorverurteilung durch den Chefredakteur entgehen?
    Ich habe als BZ-Abonnent und beteiligter Diskutant eine E-Mail an Herr Fricker geschrieben und ihn freundlich gefragt, ob er tatsächlich über verlässliche Mittel verfüge, Leserbriefe (und Kommentare) stichhaltig als Teile einer "Kampagne" zu identifizieren. Außerdem fragte ich, ob er sich nicht seinerseits in Gefahr sehe, jegliche (individuelle) Meinungsäußerung, die ihm missfalle, mit einer solchen Vorverurteilung pauschal zu unterdrücken. Wie könne er zweifelsfrei begründen, dass es sich bei der Diagnose "Kampagne" nicht um genau das handele, was er bei seinen Kritikern bemängele: "von Unterstellungen begleitete Vorwürfe"?
    Die Antwort des Chefredakteurs war denkbar knapp:
    Ja, seine Erfahrung und sein Wissen über die beteiligten Diskutanten versetzten ihn in die Lage, Kampagnen zu erkennen. Diese hier laufe ja auch schon lange genug. Und zuletzt: die unvermeidliche Anmerkung, die Argumente hätten sich ja auch erschöpft.

    Ach könnte ich jetzt doch erfahren, was der Chefredakteur unserer Tageszeitung alles über mich persönlich zu wissen meint...

    Aber es bleibt nur das Fazit:
    Eine Kommunikation mit der BZ ist in dieser Angelegenheit vollkommen unmöglich – wie schade! Allzu gerne hätte ich in und mit der Zeitung eine weiterführende, sachliche Klärung der Geschichte verfolgt. Aber nun bleibt mir (und anderen) nichts weiter übrig, als mich z.B. mit diesem Beitrag hier an Dritte zu wenden.

    So beschwört Herr Fricker letztendlich höchstselbst doch noch das herauf, was es bisher gar nicht gegeben hatte: einen Zusammenschluss der kritischen Beobachter und Kommentatoren.
    Ob er das wirklich will?
  • Theo
    am 21.06.2019
    Besten Dank für diesen Hintergrund-Artikel.

    Der Chefredakteur hat in dieser Angelegenheit, das muss man leider konstatieren, selten dümmlich gehandelt. Er hat das Thema durch seine grobschlächtige Art erst groß gemacht. "Betten-Striebel" könnte sich eigentlich bei ihm dafür bedanken, dass nun der Firmenname auf unrühmliche Weise über die Region hinaus bekannt ist. Glückwunsch.

    Früher haben Chefredakteure so etwas weitaus eleganter geregelt. Man hätte etwas Zeit verstreichen lassen, und dann hätte entweder die Anzeigenabteilung diskret eine Sonderbeilage zum Spezialpreis angeboten oder aber ein ausgesuchtes Mitglied der Chefredaktion hätte ein nettes Interview mit den Firmeninhabern gemacht. Aber die Sache so hochzublasen, mit Haudrauf-Methode, und sich dann noch lautstark öffentlich als Opfer darzustellen (auf dass das Thema nochmals hochgekocht wird) - sorry, da ist jemand offensichtlich nicht seiner Funktion gewachsen.
  • Fritz
    am 19.06.2019
    Einen etablierten Autor hinauswerfen, den Netz-Kommentatoren sagen wollen, wann Schluss sei, Selbstgerechtigkeit dem eigenen Verhalten gegenüber walten lassen...
    Das klingt alles nach einem unzeitgemäßen autoritären Stil, der mehr an den Vatikan denn an ein demokratisches Zeitungshaus erinnert. Glaube nicht, dass das letztlich sinnvoll sein wird, fast niemand lässt sich mehr in der Form veräppeln.

    Vielleicht ist dieser Streit DIE CHANCE zur Rückbesinnung auf die inhaltliche Qualität, die die BZ einst hatte, als es noch eine Bereicherung war sie zu lesen.
  • Ruby Tuesday
    am 19.06.2019
    Wenn der Landrat selber schreibt. Wer braucht da noch Journalisten? Denken wir mal nach, die Zeitungsverlage wie etwa Schwäbisch Media oder das Medienhaus Südkurier brauchen ihre Tageszeitungen um den Anschein der Seriosität aufrecht zu halten. Das Geschäft machen sie längst mit Anzeigenblättern und Werbebeilagen sowie Internetforen die eigentlich nur aus Eigenwerbung oder Public Relation, wie etwa die touristischen Blogs einschließlich Zimmervermittlung, bestehen. Nun haben wir den repräsentativen Fall am Bodensee, wo die Lindauer Zeitung (Bayern) aus dem Haus Schwäbischer Verlag eine Pressemitteilung des Landkreis Lindau, ich meine wortgleich, übernimmt. Nur ein Satz wurde im Fließtext hinzugefügt: "Wie das Landratsamt in einem Schreiben mitteilt," Das Foto zu dem Bericht ist Bestandteil der Pressemitteilung, die anschließend ein Copyright-Vermerk des Schwäbischer Verlag 2019 ziert und einen Eigentumsvorbehalt signalisiert.

    https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-lindau/lindau_artikel,-landrat-begr%C3%BC%C3%9Ft-die-neue-dbt-chefin-ute-stegmann-_arid,11064110.html

    https://www.landkreis-lindau.de/B%C3%BCrgerservice-Online-Dienste/B%C3%BCrgerservice/Aktuell/Landrat-Elmar-Stegmann-begr%C3%BC%C3%9Ft-neue-DBT-Chefin-Ute-Stegmann.php?object=tx,2562.5.1&ModID=7&FID=2846.827.1&NavID=2562.10&La=1&startkat=1.218

    Der Landrat, Stegmann (nicht verwandt mit Ute Stegmann), der sich selbst als stellvertretender Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der DBT zu erkennen gibt begrüßt natürlich nicht nur die neue DBT-Chefin, er zündet auch ein Werbefeuerwerk für die, von Gastgebern und Einheimischen abgelehnte, regionale Gästekarte und versucht gleichzeitig Druck auf die Stadt Lindau auzuüben:

    " Für die DBT wäre es ein Meilenstein, wenn die Stadt Lindau mit steigenden Übernachtungszahlen diese Gästekarte einführen würde. Dies könnte ein positives Signal für weitere Städte im Umkreis sein, sich ebenso an der EBC zu beteiligen", bestätigte Landrat Elmar Stegmann in dem Artikel. Dieser Meilenstein kostete den Steuerzahler im Jahr 2018 rund 730.000 Euro an Gesellschafterzuschüssen, wie der Buschfunk meldet. Seit 2013 einige Millionen, wie man leicht errechnen kann.

    Wie soll da noch jemand der sein journalistische Handwerk gelernt hat mithalten? Das vermögen wohl nur angelernte freie Verlagsangestellte aus fremden Berufen, die sich in meist fortgeschrittenem Alter selbst verwirklich wollen und oft als Stiefelknechte des Verlagsleitung funktionieren. Wer bekam hier wohl das Bild- und Texthonorar? Der Landrat oder die Pressestelle des Landkreises Lindau? Wie häufig kommen solche Kooperationen inzwischen vor?

    Vielleicht gelingt es der Pädagogischen Hochschule in Freiburg, im Rahmen des Projektes "Zeitung für die Schule" den Viertklässlern, das Funktionieren der Verlagshäuser nahe zu bringen, bevor sie eine falsche Berufswahl treffen, mir scheint unabhängige Redakteure und Redakteurinnen haben wenig Zukunftschancen.
    • Jue.So Jürgen Sojka
      am 19.06.2019
      @Ruby Tuesday,
      in Ihrem Kommentar ist wesentliches enthalten, dass von Ihnen erkannt wurde:
      „Stiefelknechte des…“ ==> A.)
      „Vielleicht gelingt es der Pädagogischen Hochschule in Freiburg…“ ==> B.)

      A.) Sich zum Knecht machen, ist von den in die gesellschaftlichen Gegebenheiten Hineingeborenen, ohne die etablierten Eliten in Frage zu stellen, Grundlage ihres eigenen Handelns!
      SWR1 Sonntagmorgen am 26.08.2018 "Heute geschlossene Gesellschaft | Gefährden die Eliten unsere Demokratie? https://up.picr.de/36047352lr.pdf (gestern auf SWR-Online verwendet).

      B.) Pädagogen – in unsere Klasse kam 1965 eine "Abordnung" aus unserem Kultusministerium, mitgebracht ein Angebot an uns und unsere Parallelklasse: „… Das erreicht ihr natürlich nicht mit den Lehrern die ihr habt. Ihr bekommt die ersten ausgebildeten Pädagogen.“ https://up.picr.de/34901709mw.pdf
      Tagesspiegel.de-Kommentare auf Seite 1 Der gekaufte Sieg – Seite 2 Aufbruch unter Schmerzen – Seite 3 Kretschmann: "Ich mache hier nicht den Wowereit" https://www.tagesspiegel.de/user/Jue.So_Juergen_Sojka
    • Ruby Tuesday
      am 20.06.2019
      Danke für die weiterführenden Hinweise.
    • Jue.So Jürgen Sojka
      am 21.06.2019
      @Ruby Tuesday,
      da darf sicherlich dieser Hinweis hinzugefügt werden:
      https://fs5.directupload.net/images/160406/dutxa3u7.jpg Gegen die Obrigkeit
      Die Panama-Papiere belegen, wie wichtig kritischer Journalismus ist. Leider ist er viel zu selten. Aber wer darauf verzichtet, macht sich überflüssig, sagt Markus Grill, der Chefredakteur des Recherchezentrums "Correctiv".

      Der Stuttgarter Ältestenrat hat einen Blog eingerichtet mit aktuell diesem Beitrag
      Die Zerstörung des Kernerviertels. Eine Dystophie. https://deraeltestenrat.wordpress.com/2019/06/20/die-zerstoerung-des-kernerviertels-eine-dystophie/#comment-716 mein veröffentlichter Kommentar von heute Morgen

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