Rätselmacher Ruprecht Skasa-Weiß. Foto: Joachim E. Röttgers

Rätselmacher Ruprecht Skasa-Weiß. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 352
Medien

Kein Furz in den StZN

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 27.12.2017
Üble Gerüche im Stuttgarter Pressehaus. Nach 49 Jahren ist Schluss mit dem Weihnachtsrätsel. Der Grund: Diesmal hat sich Ruprecht Skasa-Weiß mit dem Furz beschäftigt. Zu degoutant für die Chefredaktion, die den Text wegklemmte.

Das Weihnachtsrätsel in der "Stuttgarter Zeitung" ist eine Institution. Seit 49 Jahren müssen Leserinnen und Leser auf verschlungenen Pfaden ein Lösungswort finden, das sie so mühsam wie pfiffig zusammensetzen. Das können Fragen aus der Literatur, aus der Mode bis hin zum Sport sein, die der Antwort harren – und auf eine Raterunde treffen, die Jahr für Jahr darauf wartet. In diesem Jahr hat sie es vergeblich getan.

Richard Rebmann, Mathias Doepfner, Valdo Lehari

Die Taschenlampe raus

Ausgabe 338, 20.09.2017
Von Josef-Otto Freudenreich

Kretschmann, Löw, Schulz, Zetsche – aber der Star heißt Döpfner. Der Springer-Chef ist der Hohepriester der Zeitungsverleger. Er hält die besten Sonntagspredigten beim BDZV-Kongress und die Stuttgarter Blätter pflegen ihn mit Hingabe.

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In dürren Worten, am unteren Rand versteckt, teilt die StZN mit, man habe sich entschlossen, dem Weihnachtsrätsel eine "neue Form" zu geben, wünsche "viel Spaß und Erfolg", und danke Skasa-Weiß für den "unermüdlichen Einsatz". Dass sie ihn kalt abserviert hat, verschweigt sie.

Jener Skasa-Weiß, der Erfinder des Weihnachtsrätsels, ist eine Legende: Ruprecht Skasa-Weiß, 81 Jahre jung, schon Redakteur bei der StZ, als deren Kulturteil führend in der Republik war. Das war 1963, als der Sprachkünstler dort angefangen hat und mit späteren Feuilleton-Titanen wie Hellmuth Karasek, Rolf Michaelis und Gerhard Stadelmaier zusammengehockt ist. Während die zum "Spiegel", zur "Zeit" und FAZ gegangen sind, ist Skasa-Weiß bei der "Zeitung" geblieben, festangestellt bis 2001, und hat danach noch die Kolumne "Fünf Minuten Deutsch" geschrieben. Für Küchen-Titan Vincent Klink etwa galt sie als "scharfe Suppe des Buchstabeninquisitors".

Durchaus würzig war auch das diesjährige Weihnachtsrätsel gediehen. Es kreiste um ein Thema, das in der Weltliteratur seinen festen Platz hat: den Furz. Ob Cervantes, Shakespeare, Molière, selbstverständlich auch Luther, alle haben sich mit den "Phänomenen der Flatulenz" beschäftigt, schreibt Skasa-Weiß im Vorspann zu seinem Text, der fertig umbrochen auf zwei Seiten im Pressehaus ruht. Wie es aussieht, so fährt er fort, kehre die Derbheit soeben in die Gesellschaft zurück, insofern liege er "voll im Trend".

Der Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung", Joachim Dorfs, teilt diese Einschätzung offenbar nicht und beantwortete die Rätselfragen auf seine Art: er strich sie komplett. Wenige Tage vor dem Fest. Das Thema zu degoutant, gerade in den Tagen der Nächstenliebe, auch Kinder gehörten zur Leserschaft – so schallte es Skasa-Weiß entgegen, der jetzt mit dem Schluss seiner Kolumne kontert, die er seit 2003 verfasst hat. Wie soll er auch zurechtkommen mit einem Chefredakteur, dessen literarische Kenntnisse niveaumäßig mit der Wertschätzung verdienter Mitarbeiter korrespondiert, dem die Fangemeinde, die Skasa-Weiß mit bis zu 2000 Einsendungen beglückt hat, gleichgültig ist? Aus einem verzagten Arsch kommt eben, Luther folgend, kein fröhlicher Furz.

Das passt zur allgemeinen Gemütslage im Stuttgarter Pressehaus. Nach einer Umfrage des Betriebsrats vom 10. Oktober 2017 hat es Dorfs schwarz auf weiß: Seit der Fusion der beiden Redaktionen im vorigen Jahr klagen die StZN-JournalistInnen über Stress, Schlafstörungen, Depression, Burn-Out und darüber, dass sie ihre Qualitätsstandards nicht mehr halten können. Und auf die Frage, ob gute Leistungen anerkannt würden, antworteten 69 Prozent mit Nein. Der Betriebsrat musste sich darauf sagen lassen, er arbeite mit Suggestivfragen.


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