Tobón und Hernández mögen solche kleinen Verschiebungen. Zwei der weltweit weit verbreiteten Monoblock-Stapelstühle, normalerweise aus weißem Kunststoff, haben sie in Bronze nachgegossen. An einem Kaugummiautomat kann man zum Preis von zwei Euro Zwei-Euro-Münzen aus Graphit herauslassen. Die schwarzen Zahlenbalken der Bahnhofsuhr setzen sich auf den weißen Kugellampen fort, die daran anschließend vom Glasgewölbe herabhängen. Dabei zerfällt die Zeitanzeige zunehmend in ihre Bestandteile.
Die Ausstellungen im Limbo kuratiert Sophie Bergemann, die als Abschlussarbeit an der Stuttgarter Kunstakademie eine Pommesbude gebaut hat, genannt Fitty-Bar, die prompt den Akademiepreis gewann. Im selben Raum finden auch Konzerte statt: ungefähr einmal im Monat, in kleiner Besetzung und nicht sehr laut. Das Programm gestaltet Stephen Burch, Martina Schneiders Partner, selbst Musiker. Er nennt seine Musik "problem folk", hat allein in diesem Jahr schon acht Alben produziert und tourt, wenn er nicht gerade im Remstal weilt, unter dem Namen "The Great Park" durch Deutschland und darüber hinaus.
Der Rest des Programms lässt sich nicht so eindeutig einem Genre zuordnen. Die monatliche Reihe "Meet Me in the Garden" zum Beispiel. Wo sie schon mal einen Garten besaß, wollte Martina Schneider mehr dazu wissen und sich mit anderen austauschen. Sie stieß auf die "Grüne Reihe" des Berliner Sukultur Verlags: Kleine, illustrierte Büchlein für drei bis fünf Euro. "Es geht um praktische Tipps, theoretische Überlegung, betrachtende Begeisterung, wütende Analyse, peinliche Erkenntnis, betrübten Befund und das Erlebnis der Schönheit", so das Verlagsprogramm.
"Blume Deutsch – Deutsch Blume" heißt das Büchlein, das zuletzt an der Reihe war. Im Mittelpunkt steht – daher der merkwürdige Titel – die Kunst, durch die Blume zu sprechen oder Blumen sprechen zu lassen. Sie entstand am osmanischen Hof und trägt den Namen Selamik, nach dem halböffentlichen Teil des Hauses, zu dem Besucher zugelassen waren, im Gegensatz zum Harem, dem für Außenstehende unzugänglichen Bereich der Frauen und Kinder. Da Frauen mit ihren Verehrern nicht sprechen durften, schickten sie sich Blumensträuße, die codierte Botschaften transportierten.
Auch in Europa war die Selamik im 19. Jahrhundert sehr weit verbreitet. Es gab umfangreiche Nachschlagewerke, allerdings kein einheitliches System: Die einen ordneten die Pflanzen dem Alphabet zu, zumeist aber wurden sie mit bestimmten Begriffen assoziiert. Martina Schneider liest aus dem Buch und unterhält sich mit den Teilnehmenden über das Thema. Sie hat einen ganzen Stapel Kärtchen angefertigt, die auf der einen Seite die Pflanze zeigen, auf der anderen stehen die Begriffe, für die sie steht.
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