KONTEXT Extra:
Lindenhof kriegt eine Million vom Land

Das Theater Lindenhof ist ein Unikum in der baden-württembergischen Bühnenlandschaft, ein Regionaltheater in dem nicht einmal 1000 Seelen zählenden Dorf Melchingen, das mit Aufsehen erregenden Inszenierungen, etwa 2016 einem Stück mit syrischen Geflüchteten, immer wieder weit ins Land hinaus wirkt. Seit langem allerdings stehen in dem 1981 gegründeten Theater umfangreiche Umbauarbeiten an, um die Standards für Zuschauer und Schauspieler auf ein zeitgemäßes Niveau zu heben, unter anderem einen barrierefreien Zugang zu gewährleisten.

Für dieses Vorhaben gibt es nun eine Förderung von einer Million Euro vom Land. Am Freitag überreichte Peter Hauk (CDU), Minister für den ländlichen Raum, Lindenhof-Intendant Stefan Hallmayer den Zuschussbescheid. Eine stattliche Summe, Hallmayer ist dennoch "nicht überrascht" über die Höhe. "Wir hatten ja Anträge in bestimmten Höhen gestellt, das ist alles vorbesprochen worden." Schon bisher wird das Theater von den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Zollernalb, der Sitzgemeinde Burladingen und vom Land gefördert, insofern entsprächen auch der Finanzierungsmix für den Umbau dieser Konstruktion. Trotzdem ist der Intendant ungeheuer froh über die jetzt bewilligte Landesförderung, denn immerhin habe es über acht Jahre von den ersten Plänen bis jetzt gedauert, die Umbaufinanzierung sicher zu stellen. "Es hat schon viel Überzeugungsarbeit bedurft", sagt Hallmayer, und auch nach dem Wechsel vom früheren zuständigen Minister Alexander Bonde (Grüne) zu Peter Hauk nach der Landtagswahl 2016 habe man wieder neuen Anlauf nehmen müssen. "Aber wir haben gemerkt, dass von allen Fraktionen eine außergewöhnliche Wertschätzung für das Theater da war."

Nun kann sofort mit dem Bauen begonnen werden, "der Bagger ist schon da", so Hallmayer. An den auf 2,5 Millionen Euro veranschlagten Baukosten beteiligen sich auch die angrenzenden Landreise und die Gemeinde Burladingen, und mit 750 000 Euro Eigenmitteln auch die Stiftung Theater Lindenhof. "Einen Teil davon haben wir schon", sagt Hallmayer, "für einen Teil wollen wir noch Unternehmen als Partner werben." (23.7.2017)


Fahrverbote: Unterstützung aus Bayern

Es wird immer enger für Dieselfahrzeuge. Seit Monaten kämpft Winfried Hermann hinter den Kulissen gegen eine Aushöhlung des Konzepts zur Luftreinhaltung in der Landeshauptstadt und damit auch für Beschränkungen an Feinstaubtagen. Jetzt hat der grüne Landesverkehrsminister Unterstützung ausgerechnet aus Bayern bekommen. Eine „Karte des Grauens“ nennen nicht nur Umweltschützer das Gutachten zur Luftqualität in München. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), so der Vorwurf der Deutschen Umwelthilfe (DUH), hat es über drei Wochen zurückgehalten. Jetzt wurde es publik und offenbart, dass an 260 (!) Straßen im Stadtgebiet der Stickoxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten wird. Darunter sind ein Viertel aller Hauptstraßen oder 123 von 511 Kilometern. An 50 Messstellen liegen die Werte sogar über 60 Mikrogramm pro Kubikmeter. Schon Anfang 2017 - nach einer Klage der DUH - ist der Freistaat nicht nur dazu verpflichtet worden, das Gutachten zu veröffentlichen, sondern auch ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung vorzulegen.

Wie sich die Bilder gleichen: Seehofer und sein Südschienen-Partner Winfried Kretschmann (Grüne) möchten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhindern. Die Realisten hingegen, darunter vorsichtig auch Münchens SPD-OB Dieter Reiter, halten diese Maßnahme angesichts des Ausmaßes der Luftverschmutzung ohnehin für nur noch schwer abzuwenden. Und Winfried Hermann wiederholt gebetsmühlenhaft, dass Fahrverbote nicht vom Tisch sind. Die EU weiß er an seiner Seite: Am Freitag wurde bekannt, wie die zuständige EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska alle manipulierten Fahrzeuge radikal aus dem Verkehr ziehen will – nicht irgendwann, sondern schon 2018. Zugleich nimmt die Polin die nationalen Prüfbehörden ins Visier und findet klare Worte: Die hätten versagt. (21.7.2017)


Der doppelte Martin

Wo war Martin Schulz am Montagabend? Die "Stuttgarter Zeitung" behauptet, der Kanzlerkandidat sei bei ihr gewesen. Bei "StZ im Gespräch". Die "Stuttgarter Nachrichten" schreiben, Schulz sei bei ihnen gewesen. Beim "Treffpunkt Foyer". Recherchen von Kontext haben ergeben, dass der Spitzengenosse tatsächlich bei beiden war. Zur gleichen Zeit am gleichen Ort bei den gleichen Besuchern. Gesagt hat er auch das Gleiche, nur die Überschriften waren anders. Bei der StZ greift Schulz die Kanzlerin scharf an, bei den StN bläst er zur Aufholjagd, und die Chefredakteure dürfen auf den Titelblättern verschieden von vorne gucken. Fritz Kuhn wiederum, der Oberbürgermeister, klatscht in beiden Zeitungen gleich. Es ist einfach immer wieder schön zu sehen, dass eine Gazette so tut als wäre sie zwei. Das ist wichtig, wegen der Presse- und Meinungsvielfalt. (18.07.2017)


Landesregierung zu Fahrverboten: Aus Ja wird Jein

Vier Tage vor dem nächsten Termin am Stuttgarter Verwaltungsgericht in Sachen Feinstaub steigt die Nervosität. "Bei der Diskussion um den Luftreinhalteplan steht der Gesundheitsschutz der Bürger im Vordergrund und das Gebot, die Luft, die wir alle atmen, sauber zu halten", sagt Andreas Schwarz, Fraktionschef der Grünen um Landtag. Und doch muss er zusehen, wie seiner Partei die schärfste Maßnahme, die Möglichkeit, Straßen an Feinstaubtagen für den Verkehr zu sperren, aus der Hand geschlagen wird. Bereits Anfang Juli hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) darüber informiert, dass er streckenbezogene Fahrverbote für rechtlich nicht zulässig hält, wenn durch die Kombination dieser Straßen de facto eine Fahrverbotszone gebildet wird. Dementsprechend sah der Anwalt des Landes jetzt die Notwendigkeit, dem Verwaltungsgericht im Vorfeld des Verfahrens am kommenden Mittwoch mitzuteilen, dass am Instrument der Fahrverbote nicht weiter festgehalten wird.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) will im Kabinett am Dienstag dagegen durchsetzen, im Luftreinhalteplan einen solchen Rückzieher nur für den Fall festzuschreiben, dass die Nachrüstung älterer Diesel-Fahrzeuge jenes Minus an Emission bringt, das auch Fahrverbote bringen würden. "Der Luftreinhalteplan, wie er von beiden Koalitionspartnern und den betroffenen grün- und CDU-geführten Ministerien vorgesehen ist", erläutert auch Schwarz, "macht noch einmal klar: Verkehrsbeschränkungen würde es dann geben, wenn die Nachrüstung verschleppt wird oder nicht die erwartete Wirkung bringt." Und der Kirchheimer Abgeordnete, der die Fraktion seit gut einem Jahr führt, spielt den Ball zurück an Dobrindt: Jetzt sei der Bund in der Pflicht, denn der müsse "dringend alle technischen und rechtlichen Fragen zur Nachrüstung für verbindlich erklären und die Blaue Plakette einzuführen, denn sie ist das beste Mittel, um allgemeine Fahrverbote zu vermeiden". (15.7.2017)


AfD fühlt sich durch bunte Ballons angegriffen

Eine anonyme Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Rektor des örtlichen Schulverbunds sorgt seit gestern erneut für Turbulenzen in Burladingen. In einem Schreiben behauptet ein anonymer Verfasser, im Namen von zwölf weiteren Eltern zu sprechen, die sich gegen eine Luftballon-Aktion der Burladinger Schulen aussprechen. "Letztlich ging es hier um eine politische Aktion, die gegen die AfD gerichtet war", so der Text, das sei ein "klarer Missbrauch der Kinder für politische Zwecke".

Was war passiert? Am 28. Juni hatten sich mehrere Schulen, Kindergärten, das Theater Lindenhof und mehrere Privatpersonen an der Aktion "Burladingen ist bunt" beteiligt. Mit bunten Luftballons warben die Burladinger für Offenheit und Toleranz in ihrer Stadt, die derzeit gegen ihr rechtes Image kämpft (Kontext berichtete), erst recht seitdem der umstrittene Bürgermeister Harry Ebert Sympathiebekundungen für die AfD verlautbaren lässt. An der Aktion beteiligt waren alle drei Rektoren des Schulverbunds. Doch nur gegen Michael Linzner richten sich die anonymen Vorwürfe.

Für den zuständigen Schulamtsdirektor Gernot Schultheiß in Albstadt ein ungewöhnlicher Fall. Noch nie habe ihn eine anonyme Dienstaufsichtsbeschwerde erreicht, so Schultheiß gegenüber Kontext: "So habe ich ja niemanden, dem ich antworten kann." Ungewöhnlich auch, dass das Schreiben an das Kultusministerium in Stuttgart ging, an die beiden Lokalzeitungen und an das Tübinger Regierungspräsidium. Dringenden Handlungsbedarf sieht Schultheiß allerdings nicht. Kein Kind sei gefährdet, auf keinem der Ballons sei gestanden, "gegen die AfD", das ganze habe in der Pause statt gefunden und keiner habe die Kinder gezwungen, einen Ballon steigen zu lassen. Im übrigen sei Linzner seit Jahrzehnten als engagierter und erfolgreicher Lehrer bekannt, der für seine Überzeugungen stehe und kein Blatt vor den Mund nehme. "Interessant ist", schreibt der Schwarzwälder Bote, "dass Michael Linzner am Wochenende bei der Schulentlassungsfeier Kritik an Bürgermeister Harry Ebert geäußert hatte, weil dieser kurzfristig abgesagt hatte."

Die AfD-Landtagsfraktion sah sich heute zu einer Pressemitteilung herausgefordert: "Die Luftballon-Aktion, an der Michael Linzner als treibende Kraft beteiligt war, richtete sich laut anonymem Hinweis gezielt gegen die AfD". Schulamtsdirektor Gernot Schultheiß sieht auch dies gelassen: "Sicher nutzen das manche nur, um auf sich aufmerksam zu machen." Initiiert hat die Aktion übrigens nicht der Rektor, sondern die Burladinger Bürgerin Tipsy Peucker. (13.7.2017)

Dazu: Rechtsabbiegen in Burladingen, Kontext-Ausgabe 323


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Galeristin Susan (Amy Adams) fühlt sich plötzlich fremd in der Hochglanzwelt. Foto: Universal

Galeristin Susan (Amy Adams) fühlt sich plötzlich fremd in der Hochglanzwelt. Foto: Universal

Ausgabe 299
Kultur

Invasion der Worte

Von Rupert Koppold
Datum: 21.12.2016
Der Modeschöpfer Tom Ford stellt sieben Jahre nach "A Single Man" seinen zweiten Film vor. Und unser Filmkritiker fragt sich: Sprengt Ford sich selber aus seiner glamourösen Modewelt heraus oder braucht er nur ein Ventil für den Ekel, der sich in ihm anstaut?

Schwabbelndes Frauenfleisch vor rotem Grund, bedrängend nah, leinwandfüllend. Das wallt und wellt und wogt, so als wollten sich die Körpermassen gleich in den Kinosaal ergießen. Wie alt gewordene und aus dem Leim gegangene Cheerleader sehen diese Fähnchen schwenkenden Tänzerinnen aus. Nackt, fett und in Zeitlupe werden sie zur Ansicht freigegeben wie ein Vergänglichkeit signalisierendes Gegenbild zu einem Hollywood, das in seinem Glamour erstarrt ist. Aber in dieser verpanzerten Welt des schönen Scheins können solche Bilder nicht mehr schockieren, zumal sie nun als Kunst deklariert werden und somit sterilisiert und entschärft sind. Nein, hier werden keine Grenzen übertreten, es bleibt quasi alles im Rahmen. 

Cool und ungerührt steht bei dieser Vernissage in L.A. eine gutaussehende – und gekleidete – Clique um jene Leinwände und Podeste herum, auf denen die dicken Frauen ausgestellt sind. Sektgenippe, Small-Talk-Schnipsel. Freimütig werden Beziehungsratschläge ("Einen schwulen Ehemann zu haben, ist gar nicht so übel") erteilt oder Kosmetiktipps ("Die Muschi mit Wachsspray...") gegeben.

Nur die Galeristin Susan (Amy Adams), eine Frau um die vierzig, wirkt ein wenig desolat, so als spüre sie die Entfernung zum richtigen Leben. Sie fährt zurück in ihre moderne Villa, steht allein in einem fast leeren Raum, schaut durch eine riesige Fensterfront auf die Lichter der Stadt. "Genieß doch unsere Welt", wurde ihr bei der Ausstellung gesagt, "sie ist weniger schmerzhaft als die Realität!"

Der Modeschöpfer Tom Ford, lange Jahre Designer für Gucci und danach Chef seiner eigenen Luxusmarke, hat 2009 den Film "A Single Man" gedreht, in dem Colin Firth als Universitätsprofessor nach dem Tod seines Freundes beschließt, sich das Leben zu nehmen. Eine elegante Studie zu Schmerz und Melancholie, und wenn Kritiker an ihr doch etwas auszusetzen hatten, dann war es gerade diese Ästhetisierung, banal gesagt also: dass das Leiden am Leben sich immer perfekt gestylt präsentiert. Später hat Tom Ford gesagt, er schätze schöne Dinge, wisse aber, dass sie im Grunde nicht wichtig wären. Und auch dies: "Es gibt Momente, in denen mich diese Hochglanzwelt einfach nur anekelt."

Raus aus der Schalheit der Schönheit

Fords neuer Film "Nocturnal Animals" sieht nun tatsächlich so aus wie eine Selbsttherapie. Raus aus der Schalheit der Schönheit, weg vom kalten Glanz der Oberflächen, mit Verve gegen die Vereisung der Gefühle. Denn Susans Welt wird nun bedroht von einer Paketbombe, deren Sprengstoff aus Buchstaben besteht. Ihr Ex-Mann Edward, ein erfolgloser Schriftsteller, den sie vor fast zwanzig Jahren verließ, hat ihr ein Manuskript geschickt. Es heißt "Nocturnal Animals", es ist ihr gewidmet, und als sie es auspackt, schneidet sie sich sofort am scharfkantigen Papier. Blut! Und es wird nicht bei diesem einen Tropfen bleiben. Als Susan zu lesen beginnt, findet sie sich nämlich versetzt in eine düster-gewalttätige Geschichte, die der Regisseur als Neo-Noir-Thriller inszeniert und sozusagen mitten in ihrer Villa explodieren lässt.

Ein Mann mittleren Alters fährt mit Frau und Tochter durch die texanische Nacht. Er heißt Tony (Jake Gyllenhaal), aber die Leserin Susan stellt sich ihn sofort vor wie den Autor. Nein, sie hat diese Szenen, in denen Tony nun von einem mit drei Prolls besetzten Wagen abgedrängt wird, nicht mit Edward erlebt, aber sie spürt, dass Tony eine Art Alter Ego ihres Ex-Mannes ist und in irgendeiner Weise mit ihr zu tun hat. In ihrem jetzigen Leben ist ihr der smarte Business-Ehemann (Armie Hammer) fremd geworden, er muss auch gleich wieder weg, interessiert sich sowieso nicht für ihre Galerie und wohl auch nicht mehr für sie. In ihrem fiebrig verschlungenen Manuskript aber tobt das Leben, wenn auch auf fiese Weise. "Ihr haltet euch für was Besseres!", konstatiert Ray (Aaron Taylor-Johnson), der sadistische Anführer des White-Trash-Trios, dem Tony nichts entgegenzusetzen hat. Unterwerfungsgesten stacheln diesen lächelnden Kerl nur weiter an.

Sehen rot: Tony (Jake Gyllenhaal, rechts) und der wortkarge Sheriff (Michael Shannon). Foto: Universal
Sehen rot: Tony (Jake Gyllenhaal, rechts) und der wortkarge Sheriff (Michael Shannon). Foto: Universal

Ihr Edward sei ein schwacher Mann, sagt Susans hochtoupierte und perlenbehangene Oberklassen-Mutter (Laura Linney) in einem dritten Erzählstrang, der auf das Scheitern der jungen Eheleute zurückblickt. Tatsächlich reicht die Liebe allein für Susan nicht aus. Und bevor sie Edward verlässt, tut sie ihm noch Schlimmeres an. Tony muss inzwischen - wir befinden uns wieder im Roman - ohnmächtig zusehen, wie seine Frau und seine Tochter in die Wüste verschleppt werden. Oder hätte er doch, auch wenn er keine Chance hatte, aufbegehren und sein Versteck verlassen sollen? Dieses zwischen Hinterwäldler-Horror, Highway-Killer-Thriller und Sam-Peckinpah-Machtspielen ("Wer Gewalt sät") changierende Genre-Stück entwickelt nicht nur für die Leserin Susan, sondern auch für den Zuschauer eine beängstigende Intensität.

Tonys Geschichte ist manchmal visuell mit Susans Villa verkoppelt, etwa durch ein rotes Sofa. Bloß dass dieses im einen Erzählstrang mit Susan und im anderen mit Leichen belegt ist. Der Thrillerteil von "Nocturnal Animals" schreit nun geradezu nach Rache. Und der wortkarg-kantige Sheriff (Michael Shannon), dessen aggressiver Blick Steine zum Schmelzen bringen könnte, wird Tony beim Rotsehen helfen. Fiktion, hat wiederum Edward seiner jungen Susan gesagt, speise sich immer aus eigener Erfahrung, und sie sei auch dazu da, Dinge am Leben zu erhalten. Beim Lesen wird es Susan jetzt zunehmend unbehaglich zumute, aber sie ist längst überwältigt von dieser Invasion der Worte, ist gefangen in einer Story, aus der sie nicht herauskommt. 

Eine Rachestory, wie gesagt. Und das Motiv schwappt auch hinein in Susans Welt, findet sich in Kunstexponaten wie einem durchpfeilten Tier oder einem mit "Revenge" beschrifteten Bild. So dass es also nicht nur um die Frage geht, was weiter mit Tony passiert, sondern auch um die, was mit seinem Erfinder Edward geschehen ist. Kann es sein, dass da ein sensibler Mann von seiner Verhärtung erzählt? Davon, dass er eine Lektion gelernt hat und nun bereit ist, seiner Leserin eine solche zu erteilen? Und wie wird es mit Tom Ford weitergehen? Sprengt er sich selber aus seiner glamourösen Modewelt heraus oder braucht er nur mal alle sieben Jahre ein Ventil für den Ekel, der sich in ihm anstaut?

 

Info:

Tom Fords "Nocturnal Animals" kommt am Donnerstag, 22. Dezember in die deutschen Kinos. Welches Kino in Ihrer Nähe den Film zeigt, finden Sie hier.

 

 


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