Ausgabe 434
Kolumne

Merkels Schwestern

Von Peter Grohmann
Datum: 24.07.2019

Es ist immer heikel, Donald Trump zu besuchen. Merkel weiß das. Neulich war die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad im Weißen Haus. Der weiße Mann zeigte sich verblüfft und wollte wissen, für was um Himmels Willen die Dame diesen Preis bekommen hat. Er hat es nicht genau verstanden, aber immerhin nachgehakt. Als Murad berichtete, dass ihre Mutter und ihre sechs Brüder umgebracht wurden, fragte der Präsident verblüfft: Wo sind sie denn jetzt? "Sie liegen in einem Massengrab."

Viele Menschen machen schon aus purer Vorsicht einen großen Bogen um das Weiße Haus, selbst wenn sie dringend mal aufs Klo müssen. Kapitänin Megan Rapinoe (nein, nicht Sea-Watch, Fußball der Frauen) hatte noch im Abseits der Weltmeisterschaft einen Hausbesuch bei Trump ausgeschlossen. Der Mann als solcher geht allen ans Mieder.

Ilhan Omar, Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib und Ayanna Pressley sind keine Künstlerinnen und auch nicht von hier – das würde selbst die AfD sofort bemerken. Donald will, dass die Kongressfrauen in ihre Heimatländer zurückgehen und dort kräftig aufräumen. Richtig daran ist: Es gibt viele "total kaputte und kriminalitätsverseuchte Orte" (Trump) in den USA. Da ist viel zu tun. Und: Ich habe hier im Lande nur von zwei Frauen gehört, die sich öffentlich und eindeutig von dem Rassisten da drüben distanziert und sich mit Ilhan, Alexandria, Rashida und Ayanna solidarisiert haben: Angela Merkel und meine Omi Glimbzsch in Zittau. Danke.

Klare Worte braucht das Land. Ob sie gehört werden, ist die eine, ob sie verstanden werden, eine andere Frage. Im Osten brennen uns die Wälder unterm Arsch weg – aber das juckt keinen groß. Es wird weiter brennen, auch anderswo. Laut Weltbank könnten in absehbarer Zeit 130 Millionen Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen – oder bleiben und ertrinken. Geschönt, sagen die Vereinten Nationen, es könnt' eine Milliarde sein.

Die Leute, die uns in diese Lage gebracht haben, sind wir. Deshalb sind ja so viele so sauer auf Greta. Vielleicht, dass die Jungen von den Klimabewegungen einen Zahn zulegen? Mit uns? Aber die werden doch nicht die Flughäfen blockieren wollen? Doch, Frau Glimbzsch. Und die neue, innovative Internationale Automobilausstellung im September?

Der Statistiker Adrian Raftery (USA, Uni Washington) will herausgefunden haben, wie wahrscheinlich es ist, dass wir es hinkriegen, die globale Erwärmung unter zwei Grad zu halten. Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei fünf Prozent.


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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