Ausgabe 432
Kolumne

Zu Kreuze griechen

Von Peter Grohmann
Datum: 10.07.2019

Das Schöne an Wahlen ist: Sie lassen sich beliebig oft wiederholen, ohne dass groß was geändert werden muss. Oder anders gesagt: In Brüssel zu Kreuze griechen, das wird auch Kyriakos Mitsotakis schnell lernen. Er ist schon unterwegs. Wir haben gesehen: Linke als Retter des Abendlandes machen sich meistens ganz schlecht.

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Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh, sie verkaufen ihre Bettchen und sie schlafen auf Stroh. Das heißt, sie ziehen auf die Alm, weil's unten im Tal zu stinkert ist, es södert und scheuert an allen Ecken und Enden. Deutschland schwört Rache – Einmarsch in Wien, wie 1938. Aber diesmal mit der Bahn, pünktlich.

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In Frankfurt und drumherum fallen 18 000 Banker*innen ins soziale Netz. Also schnell nochmal Urlaub in Italien machen? Der Flug Frankfurt-Rom ist momentan für 25 Euro zu haben. Warum nicht bei der Gelegenheit Abbitte leisten für die Sünden der Bank und eine Messe im Vatikan besuchen? Der Heilige Vater feiert ab und an Messen für alle Ertrinkenden. Und dann flugs zurück in die Mainmetropole – direkt zur Abseitsagentur.

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Wir nehmen 40, hat Seehofer gesagt. Den Rest schicken wir regierungsamtlich nach Libyen, freigegeben zur Vergewaltigung. Abgesehen davon: Am liebsten wären uns natürlich Ärzte oder Altenpflegerinnen. Ja, das bewegt die Menschen in unserem Lande: diese schrecklichen Schicksale, Lampedusa, Sea-Watch, Kurdi, Rackete.

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Gute Nachricht: Es ist noch nicht sicher, dass ein Krieg ausbricht! Also keine Panik auf der Titanic. Freilich: "Der Iran sollte besser vorsichtig sein", orakelte Donald Trump gerade. In der Islamischen Republik gibt es keine Kopfschmerztabletten mehr, überhaupt kaum Medikamente. Es sei denn, man hat viel Geld. Da hilft nicht mal mehr beten.

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Konstanz, Wiesbaden, Bonn, Düsseldorf, Erlangen, Saarbrücken, Kiel – und ab heute Köln. Nix Stuttgart. Klimawandel in Deutschland: 46 Grad sind drin, so der Stadtklimaforscher Lutz Katzschner. Menschen, Tiere, Pflanzen – alle werden sich anpassen müssen auf Teufel komm raus. Und wir haben ja das Gleisvorfeld.


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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1 Kommentar verfügbar

  • Jue.So Jürgen Sojka
    vor 1 Woche
    @Peter Grohmann,
    da animiert das _Wortspiel_ „Zu Kreuze griechen“ doch direkt zum Kommentieren, zumal ihr Lächeln im Video sich nicht eindeutig zuordnen lässt: Gute Mine zu bösem Spiel?

    Nun ist durchaus sinnvoll aus der Vergangenheit den Bogen zur Gegenwart in Verbindung zu bringen – nicht bis 1901, als die Orthographische Konferenz den Beschluss fasste, das "t" zu streichen.
    Allerdings ins Jahr 1961 zu meiner Einschulung; das Klassenzimmer mit dem "Kruzifix" bestückt, an für alle Kinder sichtbarer Stelle aufgehängt – Die Christen-Kinder sollten sich gewahr werden, wie mit Christen umgegangen wird, die sich nicht unterordnen wollen!
    Nun haben wir Christen-Kinder (röm.-kath.) gefordert, das Kruzifix aus dem Klassenraum zu entfernen. Der Kompromissvorschlag durch ein Kreuz (ohne Körper) zu ersetzen, wurde von uns Kinder ebenfalls abgelehnt; auch von den nicht röm.-kath. Getauften.
    In der Folgezeit blieb dann lediglich das Kruzifix im Lehrerzimmer in der Hohensteinschule übrig!!!

    Und heutzutage?
    30. April 2018 Kruzifix! Zwischenruf eines Bayern https://www.feinschwarz.net/kruzifix-zwischenruf-eines-bayern/
    Ministerpräsident Markus Söder macht das Kreuz zur Pflicht.

    Das letzte Buch des jüngst verstorbenen Soziologen Zygmunt Bauman trägt den Titel „Retrotopia“. Immer häufiger, so schreibt Bauman, könne man gegenwärtig beobachten, wie anstelle von Visionen einer besseren Zukunft Rückkehrbestrebungen in eine verloren geglaubte, vermeintlich bessere Vergangenheit propagiert würden. …

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