Ausgabe 401
Kolumne

Ausnahmezustand

Von Peter Grohmann
Datum: 05.12.2018

Die Franzosen sollten wissen: Dass Zivilisten angegriffen und verletzt und Wohnhäuser angezündet werden, dass Autos in Flammen aufgehen, dass Läden geplündert und Barrikaden gebaut werden, dass Chaos und Gewalt über die Menschen kommen, das ist nur im Krieg erlaubt. Doch an dieser Stelle muss zunächst einmal bissle Salz in die Suppe, damit's schmeckt, denn "damit das kapitalistische System fortbestehen kann, müssen Kriege geführt werden, wie es die großen Imperien immer getan haben". Also noch mehr Krieg?

Meine Omi Glimbzsch, eine Atheistin in Zittau, die nie auf ihren Weihnachtsbaum und die polnische Soße verzichten würde, macht mich bei dieser Gelegenheit auf die tröstlichen Worte ihres Gegenspielers in Rom aufmerksam:

"Damit das kapitalistische System fortbestehen kann, müssen Kriege geführt werden, wie es die großen Imperien immer getan haben. Wir sind aufgerufen, uns der Gewalt und Ungerechtigkeiten in vielen Teilen der Welt bewusst zu werden. Wir dürfen nicht gleichgültig und tatenlos zuschauen. Jeder von uns muss sich einbringen, damit wir eine wirklich gerechte und solidarische Gesellschaft schaffen können. Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten. Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch erscheint. Der Rhythmus des Konsums, die Verschwendung, die Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten so überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann. Schlimmer noch, der Mensch selbst wird sogar als Konsumgut angesehen, das man benutzen und dann wegwerfen kann. Das Wirtschaftssystem dieser Welt ist nicht gut. Der Mensch muss im Zentrum des wirtschaftlichen Systems stehen. Wenn die Politik wirklich den Menschen dienen soll, darf sie nie Sklave der Wirtschaft und der Finanzwelt sein. Das Geld muss uns dienen, es darf nicht regieren."

Das kommt gerade recht zum zweiten Advent und zum 31. Parteitag der CDU in Hamburg. Die Zitate des fröhlichen Franziskus sind mal älter, mal jünger, wie der Heilige Vater selbst, doch keineswegs weit hergeholt, ganz im Gegenteil. Die Botschaft bietet vielerlei Handlungsoptionen.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter. Alle "Wettern"-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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1 Kommentar verfügbar

  • Peter Meisel
    am 05.12.2018
    Wenn die Politik wirklich dem Menschen dienen soll, darf sie nie Sklave der Wirtschaft und der Finanzwelt sein. Das Geld muss uns dienen, es ist ein Versprechen einmal reale Güter dafür zu erhalten, es darf uns nicht regieren."
    Verehrter Peter Grohmann, die Franzosen haben es begriffen! Die Menschenrechte und die Republik (öffentliche Aufsicht) bereits 1789 für uns erfunden (nach den Römern).
    Wir leben tatsächlich in einem Ausnahme Zustand, haben dies nur noch nicht wahr haben wollen?
    Nach Griechenland will Schäuble mit Herrn Friedrich Merz auch Deutschland retten?
    "Schäubles Positionsbezug ist überraschend und auch wieder nicht: „
    Er zeigt die Zukunft Deutschlands und Europas, geführt von schwarzen Nullen!
    Mit der „marktkonformen Demokratie“ hat Wolfgang Schäuble die „Rettung Griechenlands“ mit Gewinn für Deutschland betrieben. Denn es ist gelungen den Zusammenbruch der Deutschen Bank hinaus zu schieben! (s. Ackermanns Geburtstag im Deutschen Kanzleramt mit Frau Merkel, Friede Springer (BILD) und Liz Mohn (Bertelsmann)!
    Inzwischen hat sich die Bankenkrise vertieft und Friedrich Merz mit der Firma BLACKROCK soll jetzt die EURO Zone retten?
    (Dieser Platz ist absichtlich zum Selbstdenken freigelassen)
    Zum Glück gibt es seit Altersher die Schweiz, deren Berge haben seit 1929 das Image, aus aufgehäuftem Geld zu bestehen?

    Zur Erinnerung „Europa“ hat weder eine Verfassung noch wurde der Vertrag von Lissabon ratifiziert. Er nennt sich „aktion europa“ (kleingeschrieben d.h. also work in process!) 2019 finden Europa Wahlen statt. Ich folge dem Schweizer Vorbild: Regiere dich selbst! Wer folgt mir beim Selbstdenken: Guten Morgen Abendland?

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