Ausgabe 337
Kolumne

Schwarz-Rot ist die Haselnuss

Von Peter Grohmann
Datum: 13.09.2017

Schwarzrot ist die Haselnuss / Schwarzrot bin auch ich, ja ich /
Schwarzrot muss mein Mädel sein / gerade so wie ich ...

singt der Führungsstab der Streitkräfte in der Lüneburger Heide. Und am Rande des Truppenübungsplatzes singt Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg, gut getarnt, im Schießstand leise mit – und wie immer richtig falsch: Holdrio, duwiduwidi, holdria. Da wäre eine Reisewarnung fällig.

Dennoch: Ruhe bewahren! Denn die Wahl ist gelaufen, sagen die Auguren, und die wissen es seit den Römischen Verträgen. Die Frau mit der Raute wurde diesmal medial so gepuscht wie selten zuvor, 70 / 30 im Innenverhältnis zu ihrem Herausforderer. Im Prinzip brauchte man gar keine Wahlen mehr, gäbe es nicht die Wahlkampfkostenrückerstattung. Helfen würde aus dem Dilemma nur eine 10-Pozent-Hürde.

Neulich erzählte ein prominenter Wahlstratege was vom Pferd. Hierzulande etwa könne ein Generalinspektör der Bundeswehr in einem beliebigen Intercity von A nach B reisen, ohne Personenschutz, ganz wie meine Omi Glimbzsch aus Zittau. Ein schwarzer Mann hingegen, erwiderte ich ihm, nur mit Personenschutz. So ist das eben mit den Reisewarnungen. Der Türke, da hat Erdoğan ausnahmsweise Recht, ist heute weitaus schlechter gelitten als damals, als Recep Tayyip noch im Knast war. Seine Schuld. Ach, übrigens: Noch nie haben so viele Türkinnen und Türken in Deutschland Asyl beantragt. Gerne, sagen wir da. Denn das erinnert an die Jahre 1933-1945, als hunderte und hunderte Deutsche in der Türkei Asyl erhielten. Wie du mir, so ich dir.

Mal ganz abgesehen vom Asyl und dem unsicheren Alter (gemeint ist Ihre Alterssicherung) sind die beliebtesten Themen, die in diesen Tagen gemieden werden wie Peter Hartz von der SPD, der Waffenhandel, der Klimawandel, der Strukturwandel, der Lustwandel wie überhaupt der Lebenswandel. Keiner will dem anderen an die Wäsche. Man muss den Wählenden aber auch mal ehrlich sagen: Mit einer großen Koalition geht die Welt ebenso schnell unter wie mit Rot-Rot-Grün – weil der Weltuntergang entgegen landläufiger Meinung nicht von den Wahlen in Deutschland abhängt. Das ist erfreulich – denn nach den Wahlen ist auch noch ein Tag. Zum Beispiel für Themen dunkler Staat, Sozialstaat, Parteienstaat oder Bürger im Staat, vom Staatstheater um die Flüchtlinge ganz zu schweigen.


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1 Kommentar verfügbar

  • Peter Meisel
    am 13.09.2017
    Danke Peter Grohmann. Der Phil der Sophia hat es aktualisiert.
    Warum der Grieche Aristoteles die Demokratie als die beste Staatsform beschrieben hatte dürfen wir heute und hat das Deutsche Volk schon längst erfahren! Wann lernt es daraus?
    "Ruhe bewahren! Denn die Wahl ist gelaufen, sagen die Auguren, und die wissen es seit den Römischen Verträgen. Dunkler Staat, Sozialstaat, Parteienstaat oder Bürger im Staat?"
    Demokratie ist die beste Staatsform für das Volk: „Denn in den Demokratien, wo es nach dem Gesetze zugeht, ist kein Aufkommen für die Demagogen, weil daselbst die Besten aus den Bürgern die Stimmführer sind.“ (Aristoteles Politik, 4. Buch. 4. Kapitel 1292a7)

    In der Bundesrepublik (lat. res publica öffentliche Sache) regiert der Souverän sich selbst, dann hat er die Regierung, die er selbst gewählt hat und die er verdient!
    Das ist nicht neu für den deutschen (Bildungs-) Bürger. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 haben die Deutschen Dichter und Denker den Adolf Hitler gewählt.
    Bei DiEM25 habe ich diesen Kreislauf als unendlichen Aufstieg und Fall der Deutschen Wähler gefunden. Ein Kreislauf der deutschen Wähler über eine Treppe, mit dem Aufstieg bis zum Höhepunkt der Unvernunft "Wir sind Exportweltmeister" (Angela Merkel) bis "Europa spart sich kaputt" (Joseph Stiglitz)" und dem Absturz.

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