Ausgabe 330
Kolumne

Reisewarnungen

Von Peter Grohmann
Datum: 26.07.2017

Letzte Woche verglich der Hassprediger Peter Altmaier die Rote Flora mit einer Hassprediger-Moschee. Dort wird nach hundsgemeiner Lesart dafür geworben, Andersgläubigen den Kopf abzuschneiden, mindestens. Wir sehen: ein halbwegs passender Vergleich im Wahljahr. Und da hilft nur eins: Die rote Flora und ihre grüne Fauna schließen – Befehl aus Berlin.

Altmaier weiß ganz genau, dass nach Strich und Faden verurteilt gehöre, wer mit seinen Aktionen Verletzungen oder gar den Tod anderer in Kauf nehme. Damit traf Altmaister voll ins Schwarze, denn er kann nur die Bundesregierung und die Abschiebungen halber Kinder ins ungesunde Afghanistan gemeint haben.

Oder vielleicht doch die Mischpoke, die beim G20 Gehwegplatten von Hausdächern geworfen hatte? Die Platten waren bei der polizeilichen Präsentation der Waffen in den Nach-Hamburg-Tagen nicht zu sehen, weil nicht auffindbar: spurlos verschwunden. Übrigens wär's nicht das erste Mal in der Geschichte, dass sich Linke und Rechte, verdeckte Ermittler und Zivilpolizisten, Kriminelle, Hooligans und Partygänger zeitgleich vermummen, um Krieg zu spielen. Alles schließen, alles verbieten. Dann ist Schluss!

Auch Indonesien stimmt dem harten Weg zu: Kurzer Prozess, notfalls alle erschießen, die mit Drogen dealen, sagt der indonesische Saubermann und Präsident Joko Widodo seiner Polizei. Die überlegt, ob sie den Befehl verweigert, könnte dann aber selbst erschossen werden.

Bei unseren polnischen Nachbarn beschimpft der Chef der rechtspopulistischen Regierungspartei Jarosław Kaczyński übers Mikrofon des Parlaments seine politischen Wiedertäufer als Verräterfressen und Kanaillen. Ts, ts, ts, einfach kein Stil! Das Warschauer Parlament hat soeben parlamentarisch und mehrheitlich die Demokratie niedergestimmt: Ab jetzt – soweit alles glatt läuft – entscheidet das Parlament indirekt auch über Richterposten.

Bei uns ist das zwar ähnlich, aber wir sind da natürlich ganz anders gestrickt als der Pole. Bei der sauberen Trennung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative sind aber auch hiesige Regeln angreifbar: Über die Vorsitzenden der Bundesgerichte entscheiden zum Beispiel Bundesministerien, und die Verfassungsrichter werden nach Artikel 94 Absatz 1 Satz 2 des deutschen Grundgesetzes "je zur Hälfte vom Bundestag und vom Bundesrat gewählt."

Gewaltenteilung hin oder her: Ich bin wie meine Omi Glimbzsch in Zittau gegen jede Gewalt.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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1 Kommentar verfügbar

  • Rolf Steiner
    am 26.07.2017
    Sehr, sehr gut, Herr Grohmann! "Altmaier weiß ganz genau, dass nach Strich und Faden verurteilt gehöre, wer mit seinen Aktionen Verletzungen oder gar den Tod anderer in Kauf nehme. Damit traf Altmaister (sic!) voll ins Schwarze, denn er kann nur die Bundesregierung und die Abschiebungen halber Kinder ins ungesunde Afghanistan gemeint haben. " - Dazu passt der durch und durch verlogene "Gnadenakt" in Duisburg. Eine in Deutschland geborene und aufgewachsene Jugendliche wude von der Polizei aus dem Schulunterricht gezerrt und mit ihren Eltern, abgelehnten Asylbewerbern, die seit 20 Jahren in Deutschland leben, abgeschoben. Dieser brisante Fall erregte bundesweit Aufsehen, Petitionen- Die Proteste führten schließlich dazu, dass die Jugendliche, Bivsi R. wieder nach Deutschland zurückkehren darf, genauso wie ihre Eltern. Warum hat Bivsi R., warum haben so viele andere Kinder von Arbeitsmigranten, Geflüchteten und Asylbewerbern nicht automatisch ein Anrecht auf die deutsche Staatsangehörigkeit? Das würde deutschen Bürgermeistern oder Polizisten Krokodilstränen wie im aktuellen Fall ersparen. Sie müssten, sonst ganz bedauernswerte Opfer der Gesetzeslage, keine Schulkinder mehr aus dem Unterricht zerren und in Flugzeuge ans andere Ende der Welt zwingen, weil es ihre Pflicht ist. Und die Pflichterfüllung, die ist doch das Wichtigste! Da spielt Menschlichkeit oder gar Mitgefühl für die massenhaft verunsicherten Afghanen, Somalier. Eritreer. Iraker usw. usw. usw. bei Politikern noch bei Exekutiv-Organen keine Rolle. War ja auch schon in der Zeit vor 1945 so an der Tagesordnung.

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