Ausgabe 292
Kolumne

Ach Gott, Luther!

Von Peter Grohmann
Datum: 02.11.2016

Wo Gott eine Kapelle baut, da baut der Teufel eine Kirche daneben, wusste der heute gefeierte Reformator schon vor 500 Jahren aus eigener Anschauung. Nicht überall, aber da doch würde auch Margot dem Martin zustimmen. Bei weit brisanteren Themen als dem Kirchenbau (mit weniger Bänkerln) wären sich zwei andere Zeitgenossen einig: Martin Luther und Schlitzohr Günther Oettinger. Die würden heute, wenn sie könnten, auch nicht mehr so viel Mist quatschen wie gestern. Das Echo macht's!

Der alte Digitalkommissar und designierte Haushaltschef der EU hat ja im richtigen Leben gar nichts gegen Rotchinesen, die bringen Geld ins deutsche Land, trinken zu Hause Südmilch und fahren drhoim den Mercedesstern. Auch wenn die sich – echte Fieslinge! – "alle die Haare von links nach rechts, mit schwarzer Schuhcreme" kämmen, im blauen Einreiher durch Deutschland bewegen und uns ausverkaufen (Oettinger) – der Chinese verliert von Haus aus ebenso schnell sein Gesicht wie Günter die Fasson. Luther und Oettinger – beide hätten was gegen die Homo-Ehe, halten die zentralisierten Gewalten für wichtiger als gleichberechtigte Frauen und Gewaltenteilung und stehen konfessionell gesehen eher aufseiten der Unternehmer als aufseiten der Hartz-IV-Empfänger.

Schon Lenin fragte damals gern ihm nahestehende Bolschewiki: Was tun? Meine Omi Glimbzsch in Zittau meinte jüngst, es müsse halt dringend wieder mal eine Revolution her, auch wenn wir bisher nie eine ganz richtige hatten. Und gewaltfrei gilt nicht, sagte sie. Dann wenigstens eine Reformation? Etwa R2G, also die vom Verfassungsschutz her abgesicherte Übernahme der Macht per Misstrauensvotum im Deutschen Bundestag: Martin Schulz als Kanzler, Wagenknecht für Gerechtigkeit, Cem Özdemir fürs Innere – und Angela Merkel wird Bundespräsidentin. Dann wären wir raus aus dem Schneider. Rein rechnerisch gäbe es für diese Demokratie-Variante eine parlamentarische Mehrheit – und Namen sind Schall und Rauch, wie der Chinese weiß.

Nimmt man die Wahlprogramme von 2013 von SPD und Grünen ernst, dürfte es kein Problem sein, dies alles mit einem Bündnis von Rot-Rot-Grün zu vereinbaren. Aber was, wenn man sie nicht ernst nimmt? Was, wenn man die neuen Populisten wie Oettinger nicht ernst nimmt? Der sagte irgendwann mal: "Wenn die komische Petry meine Frau wäre, würde ich mich heute Nacht noch erschießen." Gott bewahre! Frauke Petry will ihn nicht! Jetzt fehlt bloß noch, dass er das (deutsche) Asylrecht weiter verschärfen will. Will er. Das Bargeld stirbt aus, die Oettingers nie.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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