Ausgabe 279
Kolumne

Bravo Franziskus

Von Peter Grohmann
Datum: 03.08.2016

Neulich war's. Da sprechte unmittelbar nach den großartigen Ansprechen der Bundeskanzlerin Angela Merkel und des bayerischen Innenministers Herrmann der kommentierende Redakteur von "Politiker-Sprech". In kurzen, ja treffenden Passagen wurden anschließend die seligmachenden Forderungen der beiden Protagonisten ad absurdum geführt. Anders gesagt: Alles, was da gesprecht und gefordert wurde, gäb's schon zur Genüge – selbst der Einsatz der Bundeswehr sei früher oder später wahrscheinlich. Und was es nicht gibt, nu, nebbich, kann man nur machen, wenn man die Verfassung außer Kraft setzt. Das will momentan noch niemand so richtig.

Der Terror ist in Deutschland angekommen. Das ist Quatsch mit Soße, würde meine Omi Glimbzsch in Zittau sagen. Sie würde sich ans Münchner Oktoberfest erinnern, an die Rote-Armee-Fraktion, an die Wehrsportgruppe Hoffmann, an die Anschläge der ostanatolischen Mafia namens NSU, an zahlreiche andere und unaufgeklärte Verbrechen und an die rund 400 untergetauchten und von der Bundesanwaltschaft dringend gesuchten Rechtsradikalen. Vielleicht würde sie sich sogar daran erinnern, dass wir Kulturvolk hordend und mordend durch die Welt gezogen sind, mit langen Metzgermessern, Kinder und Frauen zuerst, wie bei Boko Haram und Co. Was nicht niet- und nagelfest war, haben wir mit nach Hause genommen, ins Land der Dichter und Denker, oder gesprengt oder abgebrannt oder vergiftet wie das liebe Vieh und die Brunnen.

Heute schießen die Opfer mit unseren Waffen zurück, sie sind weltweit billig zu haben, und wir sagen ihnen: Gewalt löst keine Probleme.

Oder um den etwas gehaltvolleren Papst-Sprech zu zitieren:

"Wir sind aufgerufen, uns der Gewalt und der Ungerechtigkeiten in vielen Teilen der Welt bewusst zu werden. Wir dürfen nicht gleichgültig und tatenlos zuschauen. Wir müssen aufstehen. Jeder von uns muss sich einbringen, damit wir eine wirklich gerechte und solidarische Gesellschaft schaffen können."

Sein Wort in Gottes Ohr.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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2 Kommentare verfügbar

  • Schwabe
    am 05.08.2016
    "Heute schießen die Opfer mit unseren Waffen zurück, sie sind weltweit billig zu haben, und wir sagen ihnen: Gewalt löst keine Probleme."
    Mindestens ebenso heuchlerisch ist die Aussage von Exporteuren und deren Lobbyisten "Wir sagen ja nicht das die exportierten Waffen benutzt werden müssen".

    Im übrigen ist deutsche bzw. die kapitalistisch neoliberale Wirtschafts- und Außenpolitik mindestens so tödlich und brutal wie der Waffenexport.

    Sowohl Wirtschaftskriege als auch militärische Kriege töten. Wirtschaftskriege töten insbesondere seelisch und psychisch. Zum Wirtschaftskrieg zähle ich auch Freihandelsabkommen, die deutschen Exportüberschüsse, u.U. Sanktionen usw.).
    Ebenso tödlich die Außenpolitische Beteiligung an (völkerrechtswidrigen) Kriegen, Drohnenmorden (Ramstein), etc..

    Alles zu verantworten von der sogenannten Politik der "Mitte". Und dahinter stecken Politiker in verantwortlichen Positionen und mehrheitlich deren Parteimitglieder.
  • Rolf Schmid
    am 04.08.2016
    Wieder ein Genuss, wie Peter Grohmann da aktuelles Politsprech - ich vermeide die passendere Bezeichnung "Dummsprech" bewusst -persiflierend kommentiert hat. Aber unsere Politiker haben ja grossmehrheitlich sonst "nichts zu sagen", also lasst sie ebenso quatschen schreiben wie unsere Massenmedien!

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