KONTEXT:Wochenzeitung
KONTEXT:Wochenzeitung

Ku-Klux-Klan

Ku-Klux-Klan
|

Datum:

Zwar befinden sich momentan keine verhaltensgestörten Personen mehr auf den Gassen, auch von Dschihadisten, Salafisten oder ISIS-Kämpfern ist in der realen Umwelt wenig zu sehen – vom NSU ganz zu schweigen. Aber die arbeiten ja eh im Untergrund. Doch wie sagte meine Omi Glimbzsch in Zittau so treffend? Vorsicht ist die Mutter der Kalaschnikow! Insoweit ist es regelrecht zuvorkommend, wenn die Polizei in Stuttgart beispielgebend den Leuten im Haus Werastraße 10 den Hinweis gibt, dass "dieses Objekt gefährdet" sei. Also ab in den Luftschutzkeller? Mit den sechs Kindern? Und Essen mitnehmen? Die Polizei: "Näheres weiß man nicht." Mensch, man ist auf gar nichts mehr vorbereitet!

Klar: Das wachsame Auge der verdeckt im Untergrund oder offen arbeitenden Dienste reicht in diesen Tagen von der Werastraße bis weit nach Nashville hinüber. Nashville ist dort, wo ebenfalls offen oder verdeckt arbeitende Dienste tätig sind, um die Welt zu retten: Der Ku-Klux-Klan ist fest davon überzeugt, dass Protestanten von Geburt an anderen Gruppen überlegen sind und Schwarze, Kommunisten, Juden, Katholiken und Homos in Gottes schöner Welt nichts verloren haben. Das leuchtet – in postdemokratischen Varianten – auch vielen in der gesitteten Mitte der Gesellschaft ein. Momentan wird das angebrannte Mittelfeld noch nicht selbst tätig, verfolgt aber hier und da nicht ohne Sympathie die geistigen Vorreiter der Rechtsradikalen. Mangels ausreichender Ausbildung in Geschichte oder Staatsbürgerkunde machte in den letzten Jahren auch der eine oder andere Polizist rüber nach Nashville – natürlich nicht in Uniform –, um sich kundig zu machen in Sachen Terror, Antisemitismus und Türkenhass.

Mag sein, dass dann bei der Rückkehr hier oder da ein KKK-Freundeskreis gegründet wurde, rein prophylaktisch. Aber – muss man das ernst nehmen, Herr Stickelberger? Zugegeben, da gibt es Schnittmengen mit der Terrorgruppe NSU und vielleicht auch solche mit dem Verfassungsschutz. Manche der bereits im Jahr 2012 untergetauchten 266 Nazis seien tickende Zeitbomben, orakelte man im politischen Berlin. Und? Ist bisher was passiert? Ich meine: was Schlimmes? Na sehnse! Die meisten rechts Abgetauchten waren eh nur "Kleinkriminelle" – vielleicht da mal ein Spruch an der Synagoge, dort mal einen Asylbewerber heimgeschickt. Aber richtig mal die Sau rauslassen, das kann man nur, wenn man dabei ist in Syrien. Und da sind bekanntlich einige unterwegs, und auch das ist doch wieder eine so Schnittmenge ...


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT!
KONTEXT unterstützen!

Verbreiten Sie unseren Artikel
Artikel drucken


0 Kommentare verfügbar

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare anzeigen  

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Letzte Kommentare:






Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!