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Fingerjucken

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Klar, dass es nun manche in den Fingern juckt, dass sie am liebsten blankziehen würden, losballern, wenn sie könnten, was sie dürften, wie sie wollten. Stellen wir uns bloß mal vor, was für eine Entbehrung für viele: jahrzehntelang nur kalter Krieg und anschließend warmer Frieden. Wie stolz waren die Europäer allesamt, als sie zum Endes jedes Jahrzehnts mit tränenerstickter Stimme verkünden konnten: Kein Krieg in Europa seit 1945! Griechenland zählte bekanntlich damals, 1948, nicht zu Europa, und Jugoslawien erst, seit es verkuppelt und kaputtgemacht wurde. Und Bürgerkriege oder Volksaufstände werden ja nicht mitgerechnet, nicht in echt, also Ungarn, CSSR, Polen oder so ...

Zugegeben, dabei waren wir immer wieder mal, aber nie so richtig vollberechtigt. Wegen der Skrupel. Skrupel sind ganz schlecht für einen Krieg. Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan – je nun! Aber die Welt darf niemals vergessen. Auch nicht, dass faktisch 500 Meter Luftlinie von meinem Rechner entfernt Stuttgart-Vaihingen und Stuttgart-Möhringen liegen und dass ohne die Vaihinger und Möhringer weltweit faktisch kriegsmäßig gar nichts läuft!

Auf den Fildern, wo sonst Krauts wachsen würden, koordinieren zwei Stützpunkte die US- und NATO-Kriegslogistik. EUCOM kümmert sich um NATO-Einsätze oder andere Kriege. Von Stuttgart aus wurden unter anderem der erste Irakkrieg, der Jugoslawienkrieg und auch der Nachschub für den zweiten Irakkrieg im Jahr 2003 koordiniert. Das ist nicht alles. Seit 2008 residiert hier auch auch AFRICOM (in Möhringen). Alles was bei den Schwarzen in Sachen Krieg so läuft oder zum Laufen gebracht werden muss und mit strategischen Stützpunkten, Gas, Öl oder anderen Rohstoffen zu tun hat, läuft hier querfeldein über den Artikel 26.1 des Grundgesetzes. Kriegsstützpunkte also – aber mehr können wir im Moment noch nicht für euch tun.

Der Stuttgarter an sich hört so was verständlicherweise gar nicht gern, ja, er hört regelrecht weg, sollte zufälligerweise in der Stadt die Rede darauf kommen. Da ist er wie alle andere Landsleute auch: wegducken.

Frau von der Laien weiss natürlich nicht, was wir hier alles in petto haben. Kein Drohnenangriff niemals nirgends, der nicht über Stuttgart gelaufen ist oder läuft. Logisch – wir könnten mehr tun. Beispielsweise erst einmal NATO-Truppen an den russischen Grenzen aufmarschieren lassen, sagt unser Flintenweib. Nur so, zum Spaß. Nu guggemal, Iwan, würde meine Omi Glimbzsch in Zittau sagen und die Vorräte in ihrem Luftschutzbunker erneuern.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Gründer des Bürgerprojekts Die Anstifter. 


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2 Kommentare verfügbar

  • PeterPan
    am 28.03.2014
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    Sehr gut das zu thematisieren ! - Danke !
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