Ausgabe 155
Kolumne

Nehmt das, ihr Ökos!

Datum: 19.03.2014
Die Menschen der Zukunft werden stolz auf uns sein. Darauf, dass wir unseren Weg bis zu Ende gegangen sind. Dass wir nie gehört haben auf die Karussellbremser, die Mahner, die Schwarzseher, die sagten: Ihr müsst Euer Leben ändern. Wir haben das Recht auf den eigenen Untergang immer verteidigt. Nehmt das, ihr Ökos.

Baden-Württemberg, 2014: Um uns herum tobt ein "Kulturkampf". So nennen das CDU und Grüne, nur wer angefangen hat, darüber streiten sie. Die Grünen wollen, dass wir öfter mal zu Fuß gehen statt mit dem Auto zu fahren. Dass wir weniger Fleisch essen, weil es in Massen ungesund ist und die Produktion nebenbei den Planeten ruiniert. Dass sexuelle Vielfalt im Schulunterricht thematisiert wird. Die CDU will ihre Ruhe. Was gibt es schöneres, als ein Leberkäsweckle bei 250 km/h auf der Autobahn zu verschlingen? Und wenn man "sexuelle Vielfalt" nicht zu laut sagt, dann ist es fast, als gäbe es sie gar nicht.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Peter Hauk, meint, die Welt, wie die Grünen sie sich wünschen, sei garantiert kein besserer Ort. Verständlich. Man stelle sich das nur mal vor: Überall blasse, ausgemergelte Veganer, denen vor lauter Nährstoffmangel die Zähne ausfallen. Die Widerstandskämpfer der Jungen Union müssen in Stuttgarter U-Bahnschächten auf Rattenjagd gehen, um ihre wohlgerundete Leiber in Form zu halten. Scharen von Schwulen und Lesben ziehen währenddessen ausgelassen tanzend - zu Fuß! - durch die Straßen. Wenn sie auf sexuell Andersorientierte treffen, bilden sie fingerzeigend Trauben und rufen im Chor: "He-tero-sau! He-tero-sau!"

Weil eine solche Welt verhindert werden muss, redet Hauk Klartext. Was die Grünen da betreiben sei "Gesinnungsterrorismus". Sicher, der Begriff ist ein bisschen untertrieben. Womöglich hätte er gern einen drastischeren benutzt, aber bei Nazivergleichen fangen die Deutschen allzu schnell an zu hyperventilieren. Der gelernte Förster stellt fest, dass die Grünen "fast eiferisch" versuchten, alle Bereiche der Politik "mit ihren Vorstellungen zu durchdringen". Das gehört sich natürlich nicht für eine demokratisch gewählte Partei, dass sie ihre Grundsätze in die Gesellschaft trägt. Das wäre ja fast so, als würde sich die Christlich Demokratische Union am Prinzip christlicher Nächstenliebe orientieren. Grüne, die ihr Parteiprogramm wörtlich nehmen, statt es rein symbolisch zu verstehen, sind im Grunde genommen Fundamentalisten. Und vom Fundamentalismus zum Terrorismus, das weiß die CDU, ist es nur ein Schweinshaxensprung.

Gott sei Dank schaltete sich auch noch der emeritierte Politikprofessor Oscar Gabriel ein, der gerne mit der CDU zusammen arbeitet. Er mahnte ausgerechnet mit Rosa Luxemburg: "Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden." Nun ist es zwar nicht so, dass die Grünen gleich alle Abweichler strafverfolgen wollen. Beim Veggie-Day etwa soll ja lediglich an einem Tag in der Woche kein Fleisch in Kantinen angeboten werden. Aber wenn man vom jahrzehntelangen Schnitzel-mit-Pommes-Verzehr schon ganz aufgequollen ist, dann wird der Gang zum Metzger auf der anderen Straßenseite schnell zur sportlichen Zumutung. Wer zahlt, wenn da jemand vor der Fleischtheke überanstrengt zusammenbricht? Sicher nicht die Grünen.

Wir sollten den Meinungsguerilleros von der CDU dankbar sein. Die Freiheit der Deutschen wird nicht nur am Hindukusch verteidigt. Und die Grünen sollten sich lieber eine Scheibe abschneiden, von deren Umgang mit Andersdenkenden. Hätten sie etwas gelernt aus fast sechzig Jahren CDU in Baden-Württemberg, dann hätten sie Tatsachen geschaffen, anstatt die Menschen mit unverbindlichen Empfehlungen zu terrorisieren. Alte funktionstüchtige Kantinen einfach abreißen, neue vegane Kantinen unter der Erde bauen, wer dagegen demonstriert wird mit dem Wasserwerfer kritisch gewürdigt. Überhaupt: Wenn man "Andersdenkende" nicht zu laut sagt, dann ist es fast, als gäbe es keine.

Martin Theis hat gehört, vegane Ernährung sei unnatürlich. Darauf hebt er sein Glas, bevor er ins Auto steigt, ins Büro fährt und die nächsten acht Stunden sitzend verbringt.


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3 Kommentare verfügbar

  • dämlich
    am 26.03.2014
    herrlich schön lesbarer Artikel!
    Vielen Dank, Herr Theis!
  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 20.03.2014
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ein vortrefflicher Artikel - Herr Theis hat völlig recht, wenn er die Bevormundungs-Bündnisgrünen kritisiert und die redliche CDU für ihre Kritik an diesen Öko-Sozen lobt! Schließlich ist die CDU eine redliche und christliche Partei, die weiß, was gut für unser Land ist!

    Die von Herrn Theis angeführten Kritikpunkte an den unredlichen "Grünen" (Kritik an sechsueller Vielfalt, Auto- und Fleischverzicht) kann ich selbstverständlich zu 100% nachvollziehen:
    * Sechsuelle Vielfalt sollte verboten werden - als einzig akzeptable Form der Sechsualität sollte die Asechsualität erlaubt werden! Diese widernatürliche, unhygienische und extrem ekelerregende sogenannte "Sechs"-Sache da führt bekanntlich zu AIDS und Syphilis und verursacht außerdem den gefährlichen Gehirnbrand (siehe auch http://omec.us/ddg/gehirnbrand.html) - dennoch gibt es in unserer Gesellschaft einige homo- und heterosechsuelle Perverse, die diesen unnatürlichen Akt - das Zusammenbringen der unhygienischen Ausscheidungsorgane; entschuldigen Sie, wenn ich diesen brechreizverursachenden Dreck hier anschauungshalber so genau beschreibe, um Sie vor dieser Pfui-Sache zu warnen - praktizieren!
    * Die Kritik am Auto ist ebenfalls nicht nachvollziehbar, solange sich der Auto-Käufer an strenge ökologische Prinzipien hält, wie z.B. ich! Ökologisch ist es, sich ein Fahrzeug eines lokalen Anbieters zuzulegen, so dass sich hier in Stuttgart die Automobile der Firmen Porsche und Daimler anbieten. Ich beschloss dann aufgrund meiner sozialen Einstellung, die Klein-Firma Porsche gegenüber dem Weltkonzern Daimler zu bevorzugen und habe mir daher einen schnieken Porsche zugelegt und damit die Umwelt extrem entlastet, da dieser ein lokales Produkt aus Zuffenhausen ist! Ich trage daher mit einem solchen Auto z.B. im Vergleich zu einem im fernen Korea gefertigten Hyundai i10 aktiv zum Umweltschutz bei - dass die Grünen das nicht akzeptieren, zeigt für mich nur, dass das Thema "Umwelt" bei dieser Partei rein aus Bevormundungs-Gründen eine Bedeutung hat!
    * Fleischprodukte sollten täglich auf dem Speiseplan stehen - Fleisch ist schließlich ein Stück Lebenskraft und trägt erheblich zur Wehrhaftigkeit unserer deutschen Bevölkerung bei, so dass wir unser schönes deutsches Vaterland erfolgreich gegen böse Kommunisten oder Terroristen (und dem Ivan traue ich auch noch immer nicht über den Weg!) verteidigen können, wozu Körnerfresser bekanntlich nicht in der Lage sind!

    Aus diesen Gründen konnten die Bevormundungs-Bündnisgrünen lediglich mit 2 von 8 Redlichkeitspunkten aus meinem Parteientest hervorgehen, während die redliche und christliche Union stolze 8 Punkte erhielt!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
  • FernDerHeimat
    am 19.03.2014
    Ach, "unsere" "Volksparteien". "Unsere" Schwarzen, die sich in allerlei Farben (dünn lackiert) manifestieren - wollen - und dann doch nur dieselbe Politik machen, sobald sie (wieder) an der Macht sind.

    Und die Wähler? Nun, im Falle der Grünen sind sie mitsamt ihrer Partei alt und reaktionär* geworden. Was bei (klein-)bürgerlichen Kreisen ja eigentlich "nur" konsequent ist.

    Und die CDU? Die war immer für die, die schon reaktionär auf die Welt gekommen sind. Und die sich für "Gewinner" halten. Jaja, man merkt bei denen schnell - mehr Glauben als Wissen. Darum darf sich diese Partei ja auch noch "christlich" nennen, weil's da auch nur um Selbstbetrug im Sinne von "Glauben kommt VOR Wissen" geht.

    Von der dritten Schwarzpartei, der SPD, muss man 2014 schon gar nicht mehr reden. Die hat alle ihre Wähler und Prinzipien spätestens seit Schröder (Hartz IV) verraten und wird (hoffentlich) auch nicht mehr durch "amerikanische Zustände" - mit zwei grossen Parteien als "Alternative" - gerettet werden. Ruhe sanft, verlogene alte Tante!



    * Wobei, was ist heutzutage eigentlich "reaktionär"? Wenn man an der Spitze der Pyramide auf modernste Technologie, Methoden und Gesetze setzt, um seine Bürger/Wähler/Angestellten um Lohn, Steuergelder und ihre Rechte zu betrügen?

    Und andererseits, am anderen Ende der Nahrungskette (die ja nur noch aus diesen zwei Positionen oben - unten besteht) meint, man würde durch maximalen Konformismus und Nachplappern der Propaganda schon irgendwie davon profitieren?

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