Ausgabe 124
Kolumne

Russki Snowden

Von Peter Grohmann
Datum: 14.08.2013

Angenommen, Snowden wäre ein Russe und hieße nicht Eduard Schneemann, sondern schlicht Jewgenij Snegowitsch. Nur mal angenommen, dieser Ex-Sowjetbürger Snegowitsch wäre über Kuba in die USA abgehauen und hätte dort um politisches Asyl gebeten, wegen dem Mist, der bei ihm zu Hause so läuft, und weil er die Freiheit liebt. Dann hätte der Barack Obama dieses kommunistische Schlitzohr sofort in die Arme geschlossen, russisch geküsst und in seine Familie aufgenommen! Er hätte dem Russenspion einen Therapieplatz bei Gerald Hüther vermittelt und ihm lebenslänglich Asyl gewährt – ob's dem Iwan gefällt oder nicht. Und der Putin wäre soooo klein samt Schapka gewesen und hätte sich vor Wut in den Arsch gebissen, und seine Frau auch.

Und dann hätte der Iwan ausgepackt: Der KGB hört alles ab, was nicht niet- und nagelfest ist. Jajaja, würd er dem Sicherheitsberater im Weißen Haus sagen, ich weiß ja, der KGB heißt heute Federalnaja sluschba besopasnosti Rossijskoj Federazii, kurz FSB, aber bis ihr das entschlüsselt habt, hat der Russe in Wladiwostok alle Daten auf seiner Erika-Reiseschreibmaschine abgetippt – und dann seht ihr alt aus. Und der russische Spion würde verraten, ob die Exgenossen den Kaviar gekühlt servieren und wann die nächste Prohibition geplant ist. Dann gnade uns Gott. Und dann würde er diese dumme Sache mit Frank Walter Steinmeier aufklären, Schily bloßstellen, Clinton, Rezzo, Mappus, und behaupten, dass meine Omi Glimbzsch in Zittau nicht abgehört worden ist. Das wäre mir peinlich, aber wo jemand recht hat, hat er recht. Es gab ja zu der Zeit noch gar keine Telefonie in der DDR.

Der frühere NSA-Chef Michael Hayden bestätigte inzwischen im Fernsehsender CNN, dass der US-Geheimdienst weniger am E-Mail-Verkehr von Ute Vogt interessiert sei (schon auch!) als zunächst angenommen. Denn erstens sei es nicht geheim, dass Ute am 5. Mai 2006, 16:02 h gesagt hat: "Der Ausverkauf kommunaler Wohnungsbestände muss gestoppt werden." Doch habe sie zu der Zeit niemals wissen können, dass ihre Landespartei sechs Jahre später ganz massiv am Verkauf genossenschaftlicher Wohnungen mitwirken würde und das bis heute auch gut findet, außer auf den neuen Wahlplakaten.

Peter Grohmann.

Bis zur Wahl, so der Geheimdienst, gelte für die gesamte Partei der theoretische Kernsatz aus dem Parteiprogramm: Wohnen muss bezahlbar bleiben, egal, was es kostet. Ein Busfahrer aus der Wolframstraße erzählte unterdessen in der Sendung "Plusminus", seit dem Verkauf der Wohnungen an eine gewisse Patrizia könne er seine Miete nicht mehr bezahlen, aber er würde selbstverständlich weiterhin SPD wählen. Obdachlos hin oder her.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Gründer der Bürgerinitiative Die Anstifter.


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