Die neue Welt schaut auf ihn, den gedrungenen Mann aus Weil der Stadt, der im teuren Smoking in New York unbedingt eine gute Figur machen möchte. Markus Frohnmaier, AfD-Abgeordneter im Bundestag, strahlt über das ganze Gesicht, als er am 13. Dezember 2025 die Bühne des noblen "Young Republicans Club" betreten darf. Als Ehrengast nimmt der Landesvorsitzende der AfD in Baden-Württemberg den "Allen W. Dulles Award" der Trump-Jugend in Empfang. In seiner Dankesrede heroisiert Frohnmaier den früheren US-Diplomaten und späteren CIA-Direktor Allen W. Dulles als "großen Antikommunisten", der es verstanden habe, "einen totalitären Feind zu besiegen". Tatsächlich aber wird der Namensgeber des Preises unter anderem für Regierungsumstürze in Iran und Guatemala, tödliche Menschenversuche mit Drogen bei der CIA sowie die Ermordung Patrice Lumumbas, Vorkämpfer der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung und erster Premierminister des Kongo, verantwortlich gemacht. Dass ausgerechnet Hardliner Frohnmaier aus der etwa 20-köpfigen AfD-Reisegruppe aus EU-Parlament, Bundestag und Landesparlamenten die Auszeichnung erhielt, könnte an dessen Drang zu Höherem liegen. Frohnmaier, Wahlkreis Böblingen, kandidiert im März als Spitzenkandidat der AfD für das Amt des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg. Ein Landtagsmandat in Stuttgart interessiert den außenpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion nicht.
Markus Frohnmaier habe mutige Arbeit in dem "besonders unterdrückenden und feindlichen politischen Umfeld Deutschlands geleistet", zitiert die "Tagesschau" aus der Begründung zur Preisverleihung. Vor Trumps erneuter Machtübernahme war Frohnmaier eher als einer der "Kreml-Knechte", so wurde er von der CSU bezeichnet, wahrgenommen worden. Bei den Jung-Republikanern spielt Frohnmaier seine Rolle als deutscher Trump-Verbündeter mit Verve. Im prunkvollen Saal voller Gleichgesinnter legt er los: “Heute stehen wir vor einem neuen Totalitarismus.” Frohnmaier schwadroniert auf Englisch: "In meinem Heimatland Deutschland hat das herrschende Establishment den Verstand verloren. Sie haben mein Heimatland Deutschland, dieses große Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Krieger, der ehrenhaften Männer und Frauen, in ein Land der Staatsanwälte und Zensoren verwandelt." Dann ergänzt der vermeintlich politisch Verfolgte, was die Gastgeber allzu gerne hören: "Sie wollen meine Partei verbieten, genauso wie sie versucht haben, Präsident Trump vom Wahlzettel auszuschließen."
Meinungsfreiheit für Hass, Hetze, Holocaustleugnung?
"Das ist ein ganz gängiges, altes rechtes Narrativ, dass man politischen Gegnern – liberalen Institutionen, Parteien – einfach vorwirft, Freiheit und Meinungsfreiheit einzuschränken", erklärte Rechtsextremismus-Forscher Felix Schilk von der Universität Tübingen gegenüber dem MDR. "Ironisch wird's dann", sagt Schilk, "wenn man gleichzeitig eine Nähe zu Russland hat, wo Meinungsfreiheit natürlich überhaupt nicht existiert." Allerdings verachten zunehmend mehr Menschen in der westlichen Welt liberale Demokratien als schwächlich und den Polikrisen dieser Zeit nicht gewachsen. Jeder fünfte Deutsche zeigt sich offen für eine Diktatur, heißt es warnend in der Leipziger Autoritarismus-Studie von 2024. Die extrem rechte Trump-Regierung in den USA hat ein Interesse daran, antidemokratische Kräfte weltweit zu stärken, eine Art internationale MAGA-Bewegung voranzutreiben. Der vorgebliche US-Kampf für die Meinungsfreiheit kann als imperialistisches Mittel zum Zweck gesehen werden.
Im Oktober 2025 sorgten Veröffentlichungen über interne Chats von "Young Republikans" für Aufsehen. Führende Nachwuchsfunktionäre der US-amerikanischen MAGA-Bewegung witzelten über Gaskammern, Sklaverei oder Vergewaltigung. Ein junger Spitzenpolitiker schwärmte gar: "Großartig. Ich liebe Hitler." Nicht verwunderlich also, wenn Frohnmaier bei deren Gala einen zunächst unauffälligen, doch folgenschweren Satz ausspricht: "Die Tage, sich für unser Erbe zu entschuldigen, sind vorbei. Lasst uns unsere Kultur zurückerobern." Den "Schuldkult" will die AfD brechen, eine ihrer zentralen Forderungen. Der Subtext der Rechtsextremen: Von dieser einseitigen Erinnerungskultur an die Shoa müsse sich das Land lösen. Franziska Schreiber schreibt in ihrem Buch "Inside AfD: Der Bericht einer Aussteigerin", auch die Frage einer mögliche "Heimkehr" der ehemaligen deutschen "Ostgebiete" sei noch nicht erledigt. AfD-ler:innen handeln laut Schreiber nach der Devise: "So etwas schreibt man nicht ins Parteiprogramm, das tut man, wenn man an der Macht ist." Bereits im Oktober 2015 verkündete Frohnmaier als Bundesvorsitzender der damaligen AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" in Erfurt: "Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet."




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