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Neues aus der Villa

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Mit jedem Monat, der ins Land geht, verfällt die Villa Hajek am Stuttgarter Hasenberg mehr. Doch jetzt, nach fast einem Jahr, rührt sich das Regierungspräsidium. Und die Stadt droht schon mal dem Besitzer.

Das Elend ist weithin sichtbar in der Kesselstadt Stuttgart, man muss nur irgendwo im Süden, Westen oder Norden den Kesselrand erklimmen und zur Mitte schaun: Hoch überm Hasenberg thront die Villa Hajek, stadtbildprägend. Nicht wegen der Architektur! Sondern weil der Bildhauer, Maler und Großplastiker Otto Herbert Hajek (1927–2005), der die Villa 1967 erwarb, das Haus vom Keller bis zum Dachfirst, innen wie außen, mit Farbe bemalte. Aus Jux und Tollerei, sagen die einen. Große Kunst nennen es andere, darunter der Denkmalschutz.

Der nahm sich im Jahr 2008 der seit dem Tod des Künstlers leer stehenden Villa an, erklärte das Gebäude zusammen mit den davor entlang der Hasenbergsteige aufgestellten Großplastiken Hajeks zum Kulturdenkmal und legte in einem "denkmalpflegerischen Bindungsplan" fest, was alles zu erhalten war: verdammt viel, vom 40 Jahre alten Teppichboden bis zur Einbauküche aus den Sechzigerjahren. Eben alles, woran Hajek Hand angelegt hatte.

Das machte die Liegenschaft – 27 Ar Grundstück in bester Stuttgarter Wohnlage – beinah unverkäuflich. Jedenfalls brauchte es Jahre und diverse Preisnachlässe, bis die Erbengemeinschaft (Hajek hinterließ Frau und fünf Kinder) endlich einen Abnehmer fand: den Möbel-Fabrikanten Markus Benz. Der kündigte Großes an: Aus der Künstler- solle eine Denkwerkstatt werden, ein offenes Haus, behutsam renoviert, alles "ganz im Sinne Hajeks".

Dass es anders kam und warum, diese Geschichte hat Kontext im vergangenen Herbst recherchiert und exklusiv veröffentlicht. Seit Sommer 2013 sind die Fronten jedenfalls verhärtet, auf der Baustelle herrscht Stillstand, und das bedeutet in dem Fall Rückschritt: Das von Benz eigenmächtig ausgebeinte Gebäude rottet vor sich hin, die ohnehin schlechte Bausubstanz der 1926 gebauten Villa trotzt dem mittlerweile dritten Winter, aber die Sorgen mehren sich, ob das Kulturdenkmal überhaupt noch zu retten ist, wenn nicht bald etwas passiert.

Am Zug ist die im Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelte Obere Denkmalschutzbehörde. Dort, also bei der Urheberin all der strittigen Erhaltungsvorschriften, liegt seit Mai 2015 der Widerspruch des Eigentümers gegen eine vom Landesamt für Denkmalschutz erlassene Verfügung. Der zufolge hatte Markus Benz den Rückbau beziehungsweise die Wiederherstellung all dessen zu gewährleisten, was er 2013 ohne Genehmigung und Baufreigabe "entkernt" hatte. Das freilich ist Illusion, denn was rausgerissen und entsorgt ist, kann – original – nicht wiederhergestellt werden.

Und während sich die Behörde einerseits empört zeigt über das Verhalten des Eigentümers, trägt sie anderer- und ihrerseits zum weiteren Verfall bei – durch Nichtbearbeitung des Vorgangs. Denn es liegt nicht an der Kompliziertheit des Verfahrens, dass über den Widerspruch seit einem Dreivierteljahr nicht entschieden ist, sondern an Überlastung und Personalknappheit der zuständigen Abteilung. Immerhin, jetzt tut sich was: "Noch im ersten Quartal 2016" solle entschieden werden, teilte das Regierungspräsidium auf Kontext-Anfrage mit.

Dann kommt Schwung wohl auch in ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, das die Stadt Stuttgart "wegen verschiedener Maßnahmen" gegen Markus Benz einleiten will. Derzeit wird im Rathaus bei der Unteren Dennkmalschutzbehörde jedenfalls an der "Anhörung zur Einleitung" eines solchen Verfahrens gearbeitet. Was umständlich klingt, kann unter Umständen teuer werden: Auf bis zu 250 000 Euro können sich Bußgelder bei Ordnungswidrigkeiten im Denkmalschutzbereich belaufen.


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4 Kommentare verfügbar

  • Rolf Steiner
    am 25.02.2016
    Antworten
    Unverschämtheit ist ein noch viel zu schwaches Wort zu dem, was sich dieser Herr Markus Benz geleistet hat. Glaubt dieser denn, dass er ein Kultur-Denkmal wie die Villa von Hajek einfach mir nix dir nix ent"schlacken" kann. Hajek war ein weit über Stuttgart hinaus bekannter Künstler, der es nicht…
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