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Hilfe gegen Nägelkauen

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Viermal werden wir noch wach, dann ist Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Ob die Wählerinnen und Wähler in dem ostdeutschen Bundesland am Sonntag, dem 6. September der AfD so viele Stimmen geben, dass die Rechtsextremisten die absolute Mehrheit an Sitzen bekommen, steht noch in den Sternen. Wer sich am Wahlabend nicht alleine vor dem Bildschirm die Nägel wundkauen will, dem bietet das Linke Zentrum Lilo Hermann in Stuttgart-Heslach ein Refugium: Das Aktionsbündnis "Stuttgart gegen Rechts" lädt am Sonntag um 17.30 Uhr dorthin, zu einem "offenen Raum zum Austausch und zur Diskussion".

Abgekaute Nägel gibt es nicht nur bei Linken, sondern auch in Unionskreisen. Anders ist nicht zu erklären, dass Baden-Württembergs Landtagspräsident Thomas Strobl jetzt mit dem Äußersten droht: Sollte die CDU mit der AfD kooperieren, dann werde er seine Partei verlassen, sagte Strobl gegenüber dem SWR. Das kann niemand wollen.

Jakob Springfeld dürfte so eine Aussage nerven. Wenn das Angebot von Merz & Co. nur darin bestünde zu behaupten, gegen die AfD zu sein, dürfe man sich über deren Aufstieg nicht wundern, zitiert ihn Josef-Otto Freudenreich. Erfolgversprechender sei, mit den Menschen über ihre Zukunftsängste zu sprechen und den "sozialen Kahlschlag" zu stoppen. Kurz vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt ist der 24-jährige linke Aktivist aus Zwickau durch Baden-Württemberg getourt, um aus seinen Büchern zu lesen und hat damit die Säle gefüllt. und Freudenreich hat ihn drei Tage lang begleitet, mit ihm Maultaschen gegessen und einen jungen Menschen kennengelernt, der Demokrat:innen aller Couleur anspricht. "Ich habe selten einen Menschen erlebt", sagt Freudenreich, "der so überzeugend anschlussfähig ist".

Auch wenn sich der Erfolg der AfD nicht allein durch die wirtschaftliche Situation erklären lässt – siehe Baden-Württemberg –, ein begünstigender Faktor dürfte der von Springfeld kritisierte soziale Kahlschlag schon sein. Womit wir mal wieder beim Kapitalismus wären. Und bei Karl Marx. Obwohl schon 1883 gestorben, muss der gebürtige Trierer regelmäßig für alles mögliche herhalten. Zum Beispiel verantwortlich zu sein für die Idee, den Sozialismus mithilfe autoritärer Diktaturen zu verwirklichen. Ging im Ostblock nicht gut aus, wie wir wissen. Und regelmäßig fragen allerlei Medien, ob Marx nicht doch recht hatte – ob im Zusammenhang mit der Finanzkrise, Erderhitzung, Konkurrenz durch KI. Kontext-Redakteur Minh Schredle fragte dazu einmal bei jemandem nach, der das "Kapital" vermutlich unterm Nachtkissen hat: Peter Schadt. Der Stuttgarter Sozialwissenschaftler sagt, wenig erstaunlich: Muss man differenzieren, im Großen und Ganzen aber: Ja, natürlich.

Wie würde Marx wohl auf die deutschen Gewerkschaften schauen? Große Streiks und Barrikaden sind ja nicht mehr so sehr deren Pläsier, stattdessen sehen sie die Einhegung des Klassenkampfs zugunsten des Konzepts der Sozialpartnerschaft als eine ihrer großen Errungenschaften. Was halt auch beinhaltet, die Faust lieber in der Tasche respektive zum Händedruck mit den Arbeitgebern bereitzuhalten. Bei Mercedes in Untertürkheim haben einige Gewerkschafter:innen aber offenbar die Schnauze voll davon und wollen "den Generalangriff der Bosse und ihrer Regierung stoppen" – Kontext-Redakteurin Gesa von Leesen hat sich dort umgehört.

Wozu die Orientierung allein an ökonomischen Interessen führen kann, wissen auch Bahnreisende. Das Unheil begann, als die Deutsche Bahn 1994 privatisiert wurde: Von da an sollte sie sich dank Wettbewerb alleine tragen, ein brutaler Sparkurs mit verheerenden Folgen begann. Sozusagen einen Blick ins Auge des Sturms, ins Fahrplanbüro Karlsruhe, hat Kontext-Autorin Johanna Henkel-Waidhofer unternommen – und auch auf manch andere himmelschreiende Absurdität des deutschen Bahnsystems

Immerhin: Mit dem Ende des Sommers weicht auch einer der vier Hauptfeinde der DB. Dumm nur, dass danach die drei anderen kommen: Herbst, Winter, Frühjahr.

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