KONTEXT:Wochenzeitung
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Läddagschwätz

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Jaja, soso, jetzedle, sen se au do, Herr Kretschmann, jaja, jetz grüß Gottle, Herr Özdemir … Wenn nun manche nicht im Südwesten heimische Leserinnen und Leser stutzen: Das war Schwäbisch, würde es bei der "Sendung mit der Maus" heißen. Und nicht exakt in diesem Wortlaut, aber doch in bemerkenswert volkstümelnd-schwäbischer Bräsigkeit konnte man die Grünen Cem Özdemir und Winfried Kretschmann vergangenen Montagabend beim Neuen Montagskreis im Stuttgarter Theaterhaus erleben. Der eine will Ministerpräsident werden, der andere ist es noch, und so wie Markus Söder seit Längerem das Wurstverschlingen fetischisiert, so scheint sich Cem Özdemir im Landtagswahlkampf zur Brezel machen zu wollen. Den Teig – pardon: Doig – kann er jedenfalls schon im Brezelschwung legen. Na dann isch ja dr Kiddl gflickt, sagen wir.

Das schwäbische Diminutiv "-le" lässt sich an das Wort "Sondervermögen" nicht anhängen, eine Verniedlichung wäre angesichts der Summen, um die es geht, auch kaum angemessen. "Sondervermögen" ist jedenfalls zum Unwort des Jahres 2025 gewählt worden. Der Begriff verdecke, so die Jury, was eigentlich gemeint sei: die Aufnahme von Schulden. Wegen seiner "manipulativen Wirkung" würden "demokratische Debatten über die Notwendigkeit der Schuldenaufnahme unterminiert".

Sondervermögen für Kontext: Danke!!!

Ein Sondervermögen ganz anderer Art haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, uns beschert. Seit Beginn unserer Spendenkampagne im Herbst haben Sie uns 60.000 Euro gespendet! Dafür ein riesengroßes herzliches Dankeschön! Ohne Sie könnten wir einpacken.

Nicht unbedingt für Sondervermögen, aber für sonderbare Finanzkonstruktionen stand der frühere baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Lothar Späth. So sonderbar, dass sie auch noch heute, 35 Jahre nach dessen Rücktritt, den Landeshaushalt belasten. Es ist also nur partiell angebracht, wenn die Landes-CDU im aktuellen Landtagswahlkampf Späth als Modernisierungsvorbild preist, schreibt Kontext-Autorin Johanna Henkel-Waidhofer.

Was von Späth bleibt, ist neben den finanziellen Altlasten sein Spitzname "Cleverle", und da sind wir wieder beim Schwäbischen und bei Özdemir im Theaterhaus. Denn im Rahmen seiner Volkstümlichkeitsoffensive übersetzte der "anatolische Schwabe" (Selbstbezeichnung) auch Friedrich Merz' obsessives Mehr-und-länger-arbeiten-Mantra ins Schwäbische: "Des Hemd schwitzt net von alloi".

Nicole Razavi hat vermutlich wenig Probleme mit verschwitzten Hemden oder Blusen, denn viel zu schaffen scheint die CDU-Politikerin nicht in dem eigens für sie 2021 gegründeten Wohnungsbau-Ministerium. Wie jämmerlich die Bilanz der Ministerin nach fast fünf Jahren ist, zeigt Kontext-Redakteur Minh Schredle anhand einiger haarsträubender Beispiele.

Diskussion über Fritz-Bauer-Gedenken

Ein gebürtiger Schwabe, der viel Bleibendes geschaffen hat, ist Fritz Bauer. Der frühere hessische Generalstaatsanwalt hat nicht nur zahlreiche Nazi-Verbrecher vor Gericht gebracht, sondern sich auch gegen die juristische Verfolgung Homosexueller engagiert. Eine Initiative aus der queeren Community hat daher im Juli 2025 eine Petition gestartet, den in Stuttgart geborenen Bauer posthum zum Ehrenbürger der Landeshauptstadt zu machen. Die Stadt hält dies bei Gestorbenen für rechtlich nicht möglich, doch Kontext zeigte im vergangenen Jahr auf, dass die Rechtslage hier bei Weitem nicht so eindeutig ist, wie behauptet. Mittlerweile scheint ein wenig Bewegung in die Sache gekommen zu sein: Die Stadt hat die Möglichkeit einer neuen Ehrungsform für Verstorbene ins Spiel gebracht. Vielleicht gibt es am kommenden Samstag, 17. Januar dazu etwas Neues zu erfahren: Die Initiator:innen der Petition laden um 18 Uhr ins Zentrum Weissenburg (Weißenburgstraße 28A, 70180 Stuttgart) zu einem Fritz-Bauer-Abend ein. Erst wird der Spielfilm "Die Akte General" über Bauers Ermittlungen gezeigt, ab 20 Uhr diskutieren Elke Banabak (Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber), Andreas Keller (Zeichen der Erinnerung), Axel Nothardt, (Verbindungslehrer am Wagenburg-Gymnasium) und Ralf Bogen (AG Queere Erinnerungskultur) darüber, wie Fritz Bauer als demokratisches Vorbild in der Stadt sichtbarer gemacht werden könnte.

Baugenehmigung für Pfaffensteigtunnel

In den vergangenen Tagen war von Verspätungen, ausgefallenen Zügen und sonstigem Verdruss über die Bahn zu lesen. Doch jetzt wird bald alles gut! Denn der Pfaffensteigtunnel, der irgendwann Bahnreisende auf der Gäubahn erst an den Flughafen- und dann an den Stuttgart-21-Tiefbahnhof bringen soll, ist planfestgestellt! Zweimal elf Kilometer Tunnel, die auf jeden Fall zweierlei sein werden: sackteuer und extrem CO2-intensiv. Und er scheint auch, neben vielen anderen Kritikpunkten, genau wie die übrigen Stuttgart-21-Tunnel alles andere als ambitioniert bei den Brandschutzkriterien, wie das Faktencheck-Portal Wikireal moniert. Ab Februar will die Bahn bauen, die Unterzeichnung des Finanzierungsvertrags steht noch aus.

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