KONTEXT:Wochenzeitung
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Kritik unerwünscht

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Manchmal steckt hinter einer Recherche viel mehr als das, was in die Zeitung eingeht. In Ausgabe 681 haben wir beispielsweise eine Geschichte über Romani Rose veröffentlicht. Er ist Geschäftsführer des Dokumentationszentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und seit den 1980ern Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Rose ist bekanntester Kopf und vermutlich die lauteste Stimme der Minderheit, er setzt sich seit Jahrzehnten gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland ein.

Allerdings gibt es im eigenen Haus massive Kritik an seinem Führungsstil, wie unser Autor Mario Damolin herausgefunden hat. Ihm wurde eine Umfrage des Betriebsrats unter Beschäftigten im Dokumentationszentrum zugespielt, in der Chef Rose schlecht wegkommt. Eine ehemalige Beschäftigte des Doku-Zentrums bestätigte die Vorwürfe, "wie der Zentralratsvorsitzende Mitarbeiter:innen bedrohe, niederschreie und in Wutausbrüchen fertigmache – und das seit Jahrzehnten", schreibt unser Autor. 

Wenige Tage nach der Veröffentlichung bekamen wir Post. Von "Mia", einer Stelle, bei der antiziganistische Vorfälle gemeldet werden können. Der Artikel, so heißt es in dem Schreiben, das eine ganze DIN-A4-Seite füllt, sei "schockierend antiziganistisch durchsetzt", der Artikel würde allein dem Ruf von Rose schaden wollen, dem Zentralrat und dem Doku-Zentrum "die Legitimität absprechen", sei "eine Vorlage für diejenigen, die antiziganistische Hetze verbreiten" und würde "die wichtige Arbeit der Sinti und Roma Selbstorganisationen" erschweren.

Wir haben den Geschäftsführer der Meldestelle – aus der Taufe gehoben vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma unter Romani Rose – um ein Interview zur Sache gebeten, was der aber ablehnte. 

Wenige Tage später trudelte dann der Schriftsatz eines Anwalts bei uns ein, der das Dokumentationszentrum und Romani Rose vertritt und uns im Grunde die Berichterstattung über die Kritik am Chef untersagen möchte sowie eine Unterlassungserklärung von uns fordert. Auch die ehemalige Mitarbeiterin, die unser Autor zur Sache befragte, hat Post des Anwalts bekommen. Natürlich haben wir keine Unterlassungserklärung abgegeben und haben auch nicht vor, in diesen Streit einzusteigen.

S-21-Mehrkostenklage abgewiesen – vorerst

Einen juristischen Dämpfer gab es am gestrigen Dienstag für die Deutsche Bahn: Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat deren Klage gegen ihre Projektpartner bei Stuttgart 21 abgewiesen, sich an den immensen Mehrkosten des Projekts – momentan rund sieben Milliarden Euro – zu beteiligen. Im 2009 geschlossenen Finanzierungsvertrag war nur eine Verteilung bis zu Gesamtkosten von rund 4,5 Milliarden Euro geregelt, mittlerweile werden fast 11,5 Milliarden veranschlagt. In jenem Vertrag sollten im Falle von Mehrkosten "Gespräche" zwischen den Projektpartnern aufgenommen werden, und die Bahn interpretierte diese überaus vage gehaltene "Sprechklausel" so, dass sie eine Bereitschaft zur Verhandlung über eine Mehrkostenaufteilung impliziere.

Dem wollte das Verwaltungsgericht jedoch nicht folgen: Die Auffassung der Bahn lasse sich "nicht auf die Sprechklausel stützen", sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Kern bei der Urteilsbegründung. Allein deren Wortlaut lege nicht nahe, "dass die Vertragspartner damit eine Vereinbarung mit Vertragsanpassungsabsicht vereinbart haben oder vereinbaren wollten". Zu Raunen im Saal führte, dass das Gericht keine Berufung zulässt – was endgültig klingt, aber nicht unbedingt ist. Denn die Bahn kann (und wird nach Ansicht aller Beteiligten) einen Antrag gegen die Nichtzulassung stellen, über den dann der Verwaltungsgerichtshof Mannheim entscheidet, vor dem es in nächsthöherer Instanz weitergehen kann. Ein ausführlicher Bericht über das Urteil folgt in der nächsten Kontext-Ausgabe.

Die Kinder aus Korntal

In Ausgabe 168, im Juni 2014, berichtete Kontext über den Missbrauch an Heimkindern der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal bei Stuttgart. Später wurden die Zwischenschritte einer schleppenden Aufarbeitung beleuchtet, zu den Vorgängen hat unsere Redaktion ein Dossier angelegt. Inzwischen haben mehr als 150 der ehemaligen Heimkinder ihr Schweigen gebrochen. Viele von ihnen kommen in Julia Charakters 2023 veröffentlichtem Dokumentarfilm "Die Kinder aus Korntal" zu Wort. Am kommenden Freitag um 21 Uhr ist der Film in der Kinemathek Karlsruhe zu sehen. Neben Regisseurin Charakter und Kameramann Jonas Eckert werden auch Missbrauchsbetroffene vor Ort sein und ihre Geschichte erzählen.

 

 

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3 Kommentare verfügbar

  • Nico
    am 08.05.2024
    Antworten
    Wer Aufträge ver- und austeilt, der zahlt. War scho emmer so.

    DB Bahn.
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