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Pofalla würde es wieder tun

Pofalla würde es wieder tun
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Wenn Stuttgart 21 teurer wird, scheint das nicht mehr viele Menschen hinter dem Ofen hervorzulocken. "War ja absehbar", lässt sich grob ein großer Teil der Reaktionen auf den Kontext-Artikel aus der vergangenen Ausgabe zusammenfassen. Schätzungen in Richtung zehn Milliarden Euro gibt es schon seit Jahren, das Neue ist "nur", dass Kontext anhand interner Unterlagen belegen kann, dass bereits innerhalb der S-21-Projektgesellschaft mit solchen Zahlen kalkuliert wird – und die Fertigstellung 2025 als fraglich gilt. Immerhin, der Nürtinger Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel nahm den Kontext-Artikel zum Anlass, eine "mündliche Frage" an die Bundesregierung zu stellen – eine Antwort steht noch aus.

Fast wie eine trotzige Erwiderung wirkte es da, dass Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am vergangenen Donnerstag gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" erklärte (Artikel kostenpflichtig), dass er ohne Wenn und Aber zu S 21 stehe, dass die offiziellen 8,2 Milliarden Euro reichten, und dass alles bis Ende 2025 fertig sein werde. Anders als Bahn-Chef Richard Lutz, der S 21 aus heutiger Sicht nicht noch einmal beginnen würde, wie er vor einigen Jahren bekannte, würde Pofalla es wieder tun: "Ein ganz klares und heutiges Ja", gab er der StZ zu Protokoll. Gegenüber Kontext wollte sich Pofalla auf Anfrage nicht zu Mehrkosten äußern, auch das Bundesverkehrsministerium nicht, dessen Wegschauen bei S 21 zuletzt der Bundesrechnungshof beklagte. Interessante Statements zu den enthüllten Mehrkosten-Szenarien kamen auch so zusammen – mit einigen sehr konstruktiven Vorschlägen.

Damit wir dranbleiben können an Themen wie Stuttgart 21, damit wir Hintergründe recherchieren können zu Klimakatastrophe, Wohnen, soziale Ungleichheit oder nach den Rechten schauen können, sind wir als Non-Profit-Verein auf Spenden angewiesen. Seit wir vergangene Woche daran erinnert haben, sind bereits einige Spenden eingegangen. Wir sagen: danke! Aber es ist noch Luft nach oben. Da kommt die Unterstützung von Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung zur rechten Zeit. "Ich schätze Kontext, weil wir im Kampf gegen Rechtsextremismus Medien brauchen, die ganz genau hinschauen, unabhängig berichten und sich nicht einschüchtern lassen", schreibt die Stiftungsvorsitzende. Auch Anetta Kahane engagiert sich seit Jahren gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus. Wir freuen uns, dass sie zu den Kontext-UnterstützerInnen gehört.

Fast zehn Jahre hat Kontext inzwischen auf dem Buckel. Wir gehören damit zu den Pionieren in Sachen Non-Profit-Journalismus. Doch wir sind nicht die einzigen, die auf Pfaden jenseits der Verlegerpresse unterwegs sind – die sich nicht scheut, ihren LeserInnen AfD-Werbebeilagen zuzumuten. Mit Correctiv, Netzwerk Recherche oder Hostwriter haben sich andere qualitativ überzeugende Projekte etabliert, die gemeinwohlorientiert arbeiten. Mit ihnen und mit Organisationen wie etwa der Augstein Stiftung hat sich Kontext zusammen getan im Forum Gemeinnütziger Journalismus. Denn Non-Profit-Journalismus muss gefördert werden. Warum werden die großen Verlage unterstützt mit 220 Millionen Euro vom Altmaier-Ministerium, und die kleinen und gemeinnützigen Medien gehen leer aus? Warum ist Non-Profit-Journalismus nicht längst gemeinnützig? Darüber haben wir in der aktuellen Ausgabe mit der medienpolitischen Sprecherin der Grünen im Bundestag, mit Margit Stumpp aus Königsbronn, gesprochen. "Es kann nicht sein, dass für die Kleinen nur Krümel und für die gemeinnützigen nichts abfällt", sagt sie im Gespräch mit Susanne Stiefel. Dem können wir nur zustimmen. Deshalb haben wir den Offenen Brief an das Wirtschaftsministerium in Berlin mit unterschrieben, gemeinsam mit dem Forum Gemeinnütziger Journalismus.


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