KONTEXT:Wochenzeitung
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Bunt

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Am vergangenen Sonntag standen sie schon wieder da, die sogenannten Bildungsplangegner, die dauernd gegen das Thema sexuelle Vielfalt an Baden-Württembergs Schulen aufmarschieren. Rekordverdächtige 5000 davon zogen dieses Mal durch Stuttgart. Mit Plakaten in Bübchenblau und Mädchenrosa, dem ein oder anderen Deutschlandfähnchen und zwischendrin so sinnhaften Spruchplakaten wie "Selbstbefriedigung im Kindi? Bitte nicht!" Die einheitlich zweifarbige Schlusskundgebung wurde letztlich von der Stuttgarter Oper torpediert.

Über vier ihrer dicken Säulenpaare am Eingang hatten die Kulturarbeiter ein siebenfarbiges Regenbogen-Banner gespannt – blau, rosa, grün, gelb, violett, orange, lila. "Vielfalt" stand drauf, riesig. Die einfältigen Anti-Vielfalts-Demonstranten sahen darunter arg armselig aus.

Vielfalt, das ist Mehrfarbigkeit, Allerlei, Üppigkeit und Potpourri, ein Gemisch, das all den Reichtum an unterschiedlichen Menschen, Tieren, Landschaften beinhaltet, die breite Skala an Wahrheiten und Standpunkten, die die Welt widerspiegeln und die uns Journalisten den Stoff für gute und wichtige Geschichten liefern.

Über die Firma IBM, einst der Fels in der Brandung der Arbeitgeberschaft im Kreis Böblingen, die sich in den vergangenen Jahren selbst fragmentiert hat. Über die Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus, die erst jetzt bemerkt, wie wichtig es über die Jahre gewesen wäre, auch die ungarischen Städte mit aufzunehmen. Über die Stadt Stuttgart, die die Gelder für Kultur zuerst zusammenstreicht und dann den kläglichen Rest denen zusteckt, die dem OB gefallen. Oder über den neuen Stuttgarter Tiefbahnhof, dessen Planer nun plötzlich die Fluchtwege aus dem Plan gestrichen zu haben scheinen. Alles zu lesen in dieser Ausgabe.

Wir von Kontext bemühen uns jede Woche, es der Oper gleichzutun. Wir bemühen uns um Vielfalt. An Bildern, Themen, Meinungen und Geschichten. Das hat kürzlich auch "Deutschland renommierteste Heimatzeitung" (Eigenlob) gemerkt, als sie das Kontext-Buch "Der König weint" rezensiert und zur Pflichtlektüre erhoben hat: "Ein Buch, in dem keine Schlachten geschlagen und keine Helden gewürdigt werden, sondern an Beispielen aus dem Deutschen Südwesten jener gedacht wird, die meist vergessen bleiben", schreibt die "Schwäbischen Heimat", das Zentralorgan des Schwäbischen Heimatbundes. Da freuen wir uns.

Das Gegenteil von Vielfalt ist übrigens Einfallslosigkeit, Monotonie und Eintönigkeit. Ein Deutschland, wie es sich zum Beispiel Pastor Jakob Tscharntke von der Evangelischen Freikirche Riedlingen wünscht: ohne Fremde, ohne Muslime vor allem, dafür voller Christen. Wie schrecklich langweilig und grau.

Das Kontext-Buch "Der König weint" können Sie gerne bei uns bestellen. Hier Näheres zum Buch.


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7 Kommentare verfügbar

  • Tana Szpilman
    am 18.10.2015
    Antworten
    @Matze
    Ich schließe mich der Ketzerei hier mal mit einem Zitat von Carlo Schmid an:
    "Man muss auch den Mut zur Intoleranz gegenüber denen aufbringt, die die Demokratie gebrauchen wollen,
    um sie umzubringen."
    Die Ironie ist jetzt zwar, dass die andere Seite (die Anhänger der "Demo für Alle") das…
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