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Fritz Kuhn und der Inder

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Fast zehn Millionen Zuschauer sahen am Sonntagabend den SWR-"Tatort" "Der Inder". Die Story: ein Immobilienskandal im Umfeld von Stuttgart 21. Ein großes Medienereignis also, mit durchaus S-21-kritischen Untertönen. Aber eben ein fiktionaler Fernsehfilm, ein Politthriller aus der Gattung Krimi. Woche für Woche werden Dutzende davon in fast allen TV-Programmen gezeigt. "Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung", heißt es, wenn solches Augenfutter angekündigt wird.

Was mag wohl den Stuttgarter OB Fritz Kuhn bewogen haben, am Montagmorgen mit einer Pressemeldung auf den Tatort zu reagieren? Da heißt es: "... der Film hinterlässt bei vielen Zuschauern den Eindruck, dass finanzstarke und korrupte Investoren in Stuttgart den Immobilienmarkt bestimmen. Das stimmt so nicht." Wenig später eine weitere Richtigstellung: "Der Bürger und der Gemeinderat entscheiden, wie und was dort künftig gebaut werden kann. Das wird keine Wiese für Heuschrecken."

Da fällt uns aber ein Stein vom Herzen!

Aber hoppla: in dem "Tatort" kommt Kommunales gar nicht vor, sondern ausschließlich Landespolitik. Ein ehemaliger Staatssekretär wird erschossen, ein abgewählter Landesvater sondert Hintersinniges ab, eine etwas karrieregeile Abgeordnete der neuen Regierungspartei sorgt für etwas Schmäh-Proporz. Weit und breit kein OB, kein Bau-B, kein Stadtrat. So drängt sich ein ganz klein wenig der Verdacht auf, dass sich der OB im Windschatten des populären "Tatorts" selbst ins Spiel bringen wollte, wenn schon er und seinesgleichen im Fernsehspiel gar nicht auftauchen.

Soll sich jetzt auch die schwedische Regierung beschweren, wenn Hunderte aus dem ohnehin überschaubaren Schwedenvolk meist brutal in den zahllosen Schwedenkrimis des deutschen Fernsehens hingemeuchelt werden? 

"Man darf die Fiktion des Krimis nicht mit der Wirklichkeit verwechseln." Heißt es in der Einlassung des OB. Richtig. Daran hätte sich zunächst Fritz Kuhn selbst halten sollen.

***

In eigener Sache/Druckfehler

In der gedruckten Ausgabe der Kontext:Wochenzeitung war am Samstag ein Fehler zu lesen. Bernd Riexinger und die Mannheimerin Gökay Akbulut sind die SpitzenkandidatInnen der Linken zur Landtagswahl. Hannes Rockenbauch ist es nicht – obwohl es in der Bildunterschrift der gedruckten Kontext-Ausgabe am Samstag so stand. Wir hatten das zwar korrigiert, aber durch eine Verkettung sehr unglücklicher Umstände hat es diese Aktualisierung nicht mehr in die Druckerei geschafft. Wir bitten um Entschuldigung und empfehlen das Interview nochmal zur Lektüre online und den Vorbericht dazu.


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9 Kommentare verfügbar

  • Schwabe
    am 28.06.2015
    Antworten
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