Ausgabe 280
Schaubühne

1000 Wohnungen

Von Dietrich Heißenbüttel
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 10.08.2016
In der Weimarer Republik war die Not groß. Und es wurde viel dagegen getan. Ab 1925 baute die Stadt Stuttgart jährlich 1000 Wohnungen – und förderte ebenso viele auf genossenschaftlichem Weg. 100 Jahre später schafft ein grüner OB gerade mal 278 Sozialwohnungen.

Fritz Kuhn kommentierte die Entscheidung, die zwei Weißenhof-Häuser des Meisters ins Weltkulturerbe aufzunehmen, so: "Le Corbusiers Impuls, günstige Wohnungen mit innovativen Grundrissen und neuen Materialien zu bauen, ist noch immer wegweisend und muss daher Ansporn für unsere Architekten und Stadtplaner sein." In Bezug auf Grundrisse und Materialien hat Kuhn sicher recht. Aber der Impuls, günstige Wohnungen zu bauen, kam nicht von Le Corbusier. Er kam von den enormen Problemen des Wohnungsmarkts und den massiven staatlichen Eingriffen, um diese zu bewältigen. Im Ersten Weltkrieg war der Wohnungsbau zum Stillstand gekommen. Danach war das Angebot knapp und das verfügbare Einkommen der Arbeitnehmer gering.

Die Probleme unterschieden sich kaum von heute. "Wo [...] eine Stadt vorausschauende Bodenpolitik betrieben hat, d. h. recht viel Land erworben oder im Besitz gehalten hat, anstatt damit Bodengeschäfte zu treiben, wird die Vorstadtsiedlung auf städtischem Boden als Randsiedlung entstehen können", schreibt Paul Schmitthenner, damals seit zwei Jahren Architekturprofessor in Stuttgart, 1920 in der Daimler-Werkzeitung. Zu dieser Zeit fehlen in Stuttgart 6000 Wohnungen. Die Alternative sah Schmitthenner darin, "den Ring zu durchbrechen", das heißt etwas weiter weg, wo es noch billiges Bauland gab, satellitenartige Gartenstädte zu errichten. Ernst May, der Architekt des "Neuen Frankfurt", griff das Konzept auf: Daraus entstanden später die Trabantenstädte mit all ihren Problemen. Der Grund für Zersiedelung und Flächenverbrauch liegt hier: dass bezahlbarer Grund und Boden in der Stadt nicht zu finden war.

Die Weimarer Republik reagierte mit Wohnraumbewirtschaftung und Mieterschutz, einer rigiden Begrenzung der Miethöhen und einer massiven Wohnungsbauförderung. Bereits 1920 investierte der Staat zwei Milliarden Reichsmark. Gedeckt wurden die Ausgaben zunächst durch eine fünfprozentige Abgabe auf die Mieten, dann ab 1924 durch die Hauszinssteuer, die von Haus- und Grundbesitzern erhoben wurde, weil sie von der Inflation nicht betroffen waren. Diese Abgabe verschaffte den Kommunen eine Grundlage, zu handeln. 1925 beschloss der Stuttgarter Gemeinderat, auf städtische Kosten jährlich 1000 Wohnungen zu bauen. 5650 städtische Wohnungen wurden es bis 1930, das entspricht einem Anteil an den Neubauten von 30 Prozent. Daneben förderte die Stadt auch Genossenschaften und private Bauherren, die mithilfe von Baudarlehen nochmal 5824 Wohnungen errichteten.

Mangel macht modern

Die moderne Architektur steht also nicht am Ausgangspunkt dieser Entwicklung, sie ist umgekehrt von ihr geprägt: Alles schmückende Beiwerk galt als suspekt, schlicht und einfach sollte die Wohnung sein. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wenig Raum der Mensch mindestens benötigt. Am Weißenhof wurden viele neue Verfahren erprobt. Günstiger Wohnraum entstand jedoch anderswo, entweder in städtischer Regie oder von Genossenschaften.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg gründeten sich mehrere Wohnbaugenossenschaften, darunter die Baugenossenschaft Zuffenhausen: "von beherzten Männern", wie es auf der Homepage der Genossenschaft heißt, "um die nach dem Ersten Weltkrieg entstandene Wohnungsnot zu lindern". Dieser schöne Block an der Stammheimer Straße war ihr erstes Objekt. Nun will die Genossenschaft ihren Stammsitz abreißen – die gut erhaltenen Altbauten werfen nicht genug ab.

Die Gasarbeitersiedlung im Stuttgarter Osten entstand ab 1921 größtenteils in Eigenarbeit der späteren Bewohner, die sogar die Bausteine selbst herstellten. Nach Fertigstellung gingen die 87 Häuser in ihren Besitz über. Manchen heutigen Eigentümern waren die schlichten Häuschen aber offenbar zu unauffällig: Mit kräftigen Farben halfen sie nach.

Die Weißenhofsiedlung entstand 1927 innerhalb von nur 21 Wochen im Rahmen der Werkbund-Ausstellung "Die Wohnung". Ziel war, neue Bauweisen zu erproben. Der Künstlerische Leiter, Ludwig Mies van der Rohe, konstruierte seinen viergeschossigen Wohnblock – das einzige Mietshaus der Siedlung mit vorwiegend Zweizimmerwohnungen – als Stahlskelett mit verschiebbaren Wänden. Preisgünstig waren die Wohnungen nicht.

Aber direkt neben der Weißenhofsiedlung – vorn das Haus von Hans Scharoun – baute zur selben Zeit der Bau- und Heimstättenverein sein erstes Objekt, Aushängeschild bis heute: den Friedrich-Ebert-Hof mit dem Schönblickturm, dem ersten Wohnhochhaus Stuttgarts. Im ehemaligen Höhenrestaurant Schönblick residierte früher die IG Metall Baden-Württemberg.

Der Reichskanzler lässt grüßen: 1924 hatte sich die sozialdemokratisch orientierte Genossenschaft gegründet, die bis heute die Wohnungen besitzt und vermietet. Vor einigen Jahren gab es Streit, weil der Verein, der den Friedrich-Ebert-Hof regelmäßig instandhält, einen Wohnblock an der Wagenburgstraße im Stuttgarter Osten abreißen wollte. Seit der Verein eine neue Leiterin hat, haben sich die Wogen geglättet.

Der Architekt Karl Beer orientierte sich an den Wohnhöfen des "roten Wien". Die bei einer Renovierung 1997 wiederhergestellten roten Fensterbänder lassen trotz Sprossen und Fensterläden auf Sympathien für das "Neue Bauen" schließen. Aber die Weißenhofsiedlung war Beer zu elitär. Er hat noch weitere Wohnsiedlungen erbaut, auch das Gewerkschaftshaus, das allerdings kurz vor seiner Einweihung von den Nationalsozialisten okkupiert wurde. Beer kam in "Schutzhaft" und emigrierte 1935 in die Schweiz.

Ebenfalls zur selben Zeit wie die Weißenhofsiedlung baute die Stadt Stuttgart am Rand des Villa-Berg-Parks die Siedlung Raitelsberg. Auch hier gehen traditionelle Elemente wie Walmdach und Fensterläden mit neuen Formen wie den horizontal durchlaufenden Bändern und den an die Gebäudeecke gesetzten Fenstern, Hand in Hand.

Raitelsberg bestand ursprünglich aus 804 Wohnungen. Heute sind einige der nicht sehr großen Dreizimmerwohnungen zu größeren Einheiten verbunden. Im Zentrum der Siedlung, geplant von einer Architektengemeinschaft unter der Leitung von Alfred Daiber, steht als Blickpunkt ein siebengeschossiges Wohnhochhaus mit getrepptem Flachdach.

Völlig zu Unrecht bei manchen als "Türkengetto" verschrien, bietet die Siedlung auf dreieckigem Grundriss, mit versetzt angeordneten Häuserzeilen und grünen Hinterhöfen, nicht weit von der Stadtmitte und direkt neben dem Park eine hohe Lebensqualität. Es gibt einen Laden, eine Grundschule, einen Aktivspielplatz sowie neuerdings ein Familien- und Begegnungszentrum der Jugendhausgesellschaft.

Ein erster Abschnitt der Siedlung Wallmer in Untertürkheim mit damals 108 Wohneinheiten war bereits 1926 fertiggestellt. Dann übernahm 1929 Richard Döcker, der Bauleiter der Weißenhofsiedlung, als Ortsvorsitzender des Bunds Deutscher Architekten (BDA). Es entstanden nochmals 316 Wohnungen in konsequent moderner Zeilenbauweise – allerdings auch hier mit Fensterläden. Bauherrin war die Stadt Stuttgart.

So bunt hatte Döcker keineswegs geplant: Bei ihm war die Siedlung einheitlich weiß. Ein pfiffiges Detail der jüngsten Sanierung sind die in die ursprünglichen schmalen Balkone eingeschobenen farbenprächtigen "Schubladenbalkone", welche deren Fläche fast verdoppeln. Die Siedlung, traditionell eher soziales Randgebiet, hat dadurch stark gewonnen.

Die Kochenhofsiedlung am Killesberg entstand 1933 unter der Leitung von Paul Schmitthenner als Gegenmodell zum Weißenhof. Schmitthenner – hier die zwei erhaltenen seiner ursprünglich drei Häuser – hatte bereits 1927 angefangen zu planen, dann wurden die Fördermittel gestrichen. In der Weltwirtschaftskrise kam die Idee einer Holz-Mustersiedlung auf, die vom Deutschen Werkbund unter der Leitung von Richard Döcker erbaut werden sollte. Nach der Machtergreifung der Nazis übernahm Schmitthenner.

Ursprünglich hatte sich die Forstdirektion bereit erklärt, unverkäufliches Holz kostenlos abzugeben, um damit preiswerte Wohnungen zu erstellen. Dann sollte die "notleidende Holz- und Forstwirtschaft" gestützt werden. Am Ende förderte die Stadt die Siedlung nur noch durch die vergünstigte Abgabe von Grundstücken an private Besitzer. Unter vorgeschriebener einheitlicher Dachneigung planten 24 Stuttgarter Architekten ziemlich ähnliche Häuser.

Lediglich Paul Bonatz, der den prominentesten Bauplatz erhielt, baute ein Mietshaus mit Bäckereianbau, aus dem später ein Restaurant wurde, das früher Holzwurm hieß. Täuscht der Eindruck, dass Bonatz mit horizontalen Fensterbändern ohne Klappläden demonstrativ an das Neue Bauen anknüpft?

 

Info:

2014 sind in Stuttgart 1940 neue Wohnungen entstanden, darunter etliche Luxus-Appartements, aber keine einzige Sozialwohnung. 2015 waren es immerhin 278 Sozialwohnungen, und von 2016 an sollen es jährlich rund 300 werden. Mehr als 4000 Haushalte, die dringend bezahlbare Wohnungen suchen, stehen in der Notfallkartei des Wohnungsamts. Über 1500 Personen sind in Hotels, Pensionen und Notunterkünften untergebracht – Flüchtlinge nicht mitgerechnet. OB Kuhns Bündnis für Wohnen hat sich nun auf 1800 Neubauwohnungen im Jahr geeinigt, davon 600 gefördert; Mietwohnungen für Bezieher mittlerer Einkommen und Eigentumsförderung inklusive. In seltener Einmütigkeit halten Immobilienwirtschaft, Haus- und Grundbesitzer und Mieterverein diese Zahl für viel zu niedrig. Nötig wären ihren Schätzungen zufolge zwischen 3500 und 8000 Wohnungen im Jahr. Zum Vergleich: 1925 hatte Stuttgart noch 340 000 Einwohner, heute sind es mehr als 600 000. Große Teile des heutigen Stadtgebiets, darunter die Fildervororte von Vaihingen bis Sillenbuch und die Nordregion von Weilimdorf bis Münster, gehörten damals noch nicht dazu. Dennoch entstanden zwischen 1925 und 1930 auf Stuttgarter Gemarkung jährlich rund 3000 Neubauwohnungen, davon rund 1000 auf Kosten der Stadt und nochmal so viele mit städtischer Förderung.


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7 Kommentare verfügbar

  • Schwabe
    am 16.08.2016
    Die SWSG möchte aktuell an verschiedenen Orten in Stuttgart mehrere Hundert Wohnungen für Geringverdiener abreisen (z.B. die Stadtbildprägende Keltersiedlung in Zuffenhausen oder im Hallschlag). Die wesentlichen tragende Teile (Substanz) der Gebäude sind intakt. Leider kommt die SWSG m.E. in weiten Teilen seit Jahren ihrer Eigentümerpflicht zur "ordentlichen Instandhaltung" oft nicht mehr nach. Viele der jetzigen Mieter werden sich weder die Miete einer neuen Wohnung leisten können, noch auf Dauer die Miete einer von der SWSG zugewiesenen Ersatzwohnung.

    Wer interessiert sich eigentlich in unserer Gesellschaft noch für diese Menschen? Mal abgesehen von den http://www.mieterinitiativen-stuttgart.de/ .Die SWSG m.E. nicht.

    Hier ein Auszug aus der Internetseite (Website) der SWSG:

    "Regeln für faires Wirtschaften
    Der Geschäftspartnerkodex regelt die faire Zusammenarbeit.

    Neben der selbstverständlichen Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen befasst sich die SWSG schon seit Jahren mit Fragen der Geschäfts- und Unternehmensethik.

    Zahlreiche Arbeitsanweisungen und Kompetenzregelungen sowie Richtlinien sind im Laufe der Jahre entstanden und bestimmen das geschäftliche Handeln der SWSG mit ihren zahlreichen Geschäftspartnern sowie die Betriebsabläufe im Unternehmen.

    Für Firmen, mit denen die SWSG zusammenarbeitet, hat das Unternehmen einen Geschäftspartnerkodex erstellt. Dieses Regelwerk hilft, Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen, die möglicherweise der Unternehmensethik widersprechen können.

    Fragen hierzu beantworten gerne unsere Compliance-Beauftragten Faith Brandt und Nicole Ressel."

    Vielleicht sollten sich (insbesondere) die Vorsitzenden der Geschäftsführung der SWSG (Herr Samir Sidgi und Herr Helmuth Caesar) gemeinsam mit den Vorsitzenden des Aufsichtsrates (Michael Föll und Peter Pätzold) einmal Gedanken darüber machen ob die heutigen "rechtlichen Rahmenbedingungen" mit dem Wort "Ethik" überhaupt noch vereinbar sind - anstatt sich dahinter zu verstecken.
  • CharlotteRath
    am 16.08.2016
    Aus dem Geschäftsbericht der SWSG, der Tochtergesellschaft der Stadt Stuttgart, die offiziell für den städtischen Wohnungsbau zuständig ist, für das Jahr 2015:
    - Im Jahr 2015 wie im Jahr 2014 wurden 5,5 Mio. Euro Gewinn gemacht (nach Steuern), was bei einer gewinnorientierten GmbH nicht weiter verwundern mag.
    - Allerdings wurde auch die ungebundene Gewinnrücklage um rund 12 Mio Euro auf mittlerweile 174 Mio Euro erhöht (wofür?).
    - Im Jahr 2015 wurden 29 Mio. Euro Erlöse durch den Verkauf von Grundstücken erzielt (im Vorjahr "nur" knapp 12 Mio.). Weitere Grundstücke im Wert von 7 Mio Euro sollen verkauft werden.
    - Die Bautätigkeit von Neuanlagen ist , gemessen an deren Wert, von 2014 auf 2015 um 30 % gesunken.

    Offensichtlich heizt die Stadt Stuttgart die Preise nicht nur an (Verkäufe), sondern verdient selbst auch prächtig an dem Wohnungsmangel und wird reich dabei:
    Denn trotz der Grundstücksverkaufe ist das Vermögen der SWSG an Grundstücken und Wohnbauten in nur einem Jahr (von 2014 auf 2015) um fast 12 % gewachsen.

    Die Daten sind zu finden im Stuttgarter Amtsblatt, Nr. 32/33, Seiten 22 und 23.
  • Schwabe
    am 15.08.2016
    Wutanfall wegen Wuchermieten
    Immer mehr Mieter werden ausgequetscht. Einfach nur, weil es geht. Ich wünsche allen, die da mitmachen, Mundgeruch und Blähungen.
    Wenn ich mich mit Immobilien beschäftige, bekomme ich Wutanfälle. Das liegt daran, dass ich derzeit eine Mietwohnung in Berlin suche. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass man mich ausquetschen möchte. Einfach so, weil es geht. Der Immobilienmarkt in Großstädten ist nur noch für Investoren da, die sich eine goldene Penisverlängerung verdienen wollen. Im Namen des freien Marktes.
    Merkt irgendjemand, was sich da für ein Frust aufbaut? 35 Millionen Deutsche wohnen zur Miete und müssen sich das zynische Gequatsche von Boommärkten, besten Investitionschancen und renditestarken Objekten in bester Wohnlage anhören, während sie einen immer größeren Teil ihres stagnierenden Einkommens für eine schlichte Wohnung hinblättern müssen.
    Mir bleibt nichts weiter, als die verbale Mistgabel zu schwingen. Momentan ist das menschliche Grundbedürfnis nach einem netten Zuhause eine riesige Umverteilungsmaschine von unten nach oben. Wer Kohle hat, freut sich an seiner Traummarge. Dass man dazu Geringverdienern immer mehr Geld aus der Tasche ziehen muss, ist egal – der Markt gibt es her und der kennt keine Moral, nur Mechanismen.
    Falls Sie das lesen und sich gerade überlegen, in Berlin eine Wohnung zu kaufen, als Geldanlage, sichere Renditen dank steigender Mieten: Für Sie schmeißt jemand die alten Bewohner raus. Für Ihre Rendite werden Menschen an den Stadtrand gedrängt. Und hören Sie auf, von Niedrigzinsen zu reden.
    Quelle: taz
  • Schwabe
    am 11.08.2016
    @D.Hartmann
    Ihren Kommentar kann ich nur unterstützen.

    Jedoch das in dem Ausmaß nicht notwendige (und da stimme ich Ihnen zu) "Terrorismus - Geschrei" verfehlt m.E. seine politisch gewollte Wirkung nicht - Angstmache und Verunsicherung der Bevölkerung zur (leichteren) Durchsetzung außen- und innenpolitischer Ziele (die heute mehrheitlich unsozialer und kriegerischer Natur sind).
    Denn ohne die mehrheitliche (oft still vermutete) Zustimmung einer Bevölkerung ist eine Regierung handlungsunfähig. Und um das bei unpopulären Maßnahmen zu verhindern ist "Angstmache" in der Geschichte schon immer das geeignetste Mittel gewesen.
  • Kornelia
    am 10.08.2016
    Seit SPDSchröder und FischerGrün mir das tolle, herzerwärmende, lebenswichtige "sozial" kaputt geredet und geplant haben.....
    Es geht nicht um soziale (Odachlosen)Heime! ,
    sondern um Lebensräume für alle!
    Da es keine besitzlosen Landschaften mehr gibt muss die Solidargemeinschaft "Staat und Verwaltokratie" mit Augenmaß Lebensraum Mensch, Natur und Umwelt und auch Wirtschaftsbedarf dieser und zukünftiger Generationen verwalten, verteilen, zur Verfügung stellen, ermöglichen!

    1.muss dringend wieder was den Geldfluss betrifft oben ein Deckel und unten ein Boden rein!
    2.sowieso muss der Geldfluss der Oberschichten reformiert werden! (Es gibt mittlerweile soviele superhochbezahlte Jobs deren gesellschaftl. Relevanz äusserst fragwürdig sind!)
    3. Die direkten und indirekten Förderungen von 3./4./5. Wohnungen müssen überprüft werden! (Immer wieder und offensichtlich immer mehr wird Sozialhilfe für Reiche ausgegeben!)
    (wieviel Geld haben Königs für ihre zig Paläste selber bezahlt?)

    1,2 und 3 heizen den Wohnungsmarkt und die Flächenversiegelung massiv an! Wenn jetzt noch sogenannte Wohnungsbauforderungen kommen, dann ist das nicht selten die Alibi-Veranstaltung um noch mehr zu versiegeln, Lebensräume zu zerstören und/oder menschen-art-gerechte Haltung zu unterlaufen, Klassengesellschaften zu fördern! Im dichtbesiedelsten Kontinent ein gesellschaftl.Horror!

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.immobiliendialog-im-rathaus-neues-baurecht-fuer-ibm-gelaende.35149ced-c390-49e8-a2d8-74dd6dc0b2f8.html
    "Die Gerch-Gruppe will das ehemalige IBM-Firmengelände in Vaihingen nach einem von der Bundesregierung geplanten neuen Baurecht für urbane Gebiete entwickeln, das Wohnen und Gewerbe
    ohne größere Schutzmaßnahmen nebeneinander
    ermöglicht."

    Also Gated Communities für die Oberschicht und Gewerbegebiet und Feinstaubstickoxid-Wohnen für die Armen!?

    http://m.haz.de/Sonntag/Top-Thema/Wohnen-in-der-geschlossenen-Gesellschaft-Gated-Communities-im-Trend

    Bopp sagt es deutlich:
    "Fördergelder an die Stellen bringen, wo der größte Bedarf besteht, nämlich in den Ballungszentren. Wie können wir dort den geförderten Wohnungsbau stärken? Nur mit verdichteten Wohnformen kann man einigermaßen günstig Wohnungen errichten. Die Kommunen müssen dabei unterstützt werden, um qualitativ hochwertige Quartiere speziell entlang der Entwicklungsachsen zu schaffen, dort wo wir den ÖPNV haben. ()
    Tatsächlich haben wir hier in Stuttgart gute Luft ..."
    http://www.swp.de/ulm/nachrichten/stuttgart/Interview-mit-Regionalpraesident-Thomas-Bopp;art1223182,3957579

    Fakt ist, es entstehen gerade zur Zeit massiv in Stuttgart -und überall- an allen Ecken Wohnungen ... der gehobenen Preisklasse!
    Da beißt sich die Katze in den Schwanz!
  • D. Hartmann
    am 10.08.2016
    Nicht nur beim Thema "neuer Hauptbahnhof / S2x" lohnt der Blick nach Wien. Auch beim "sozialen Wohnungsbau" könnte man, wenn man denn wollte, von Wien ("Gemeindebau") lernen.

    Aber man wurschtelt sich ja lieber durch und überlässt es der nächsten Generation, die Probleme zu bewältigen. Dann aber wird deren Lösung noch teurer sein als heute. Von "Nachhaltigkeit" in unserem Handeln keine Spur!

    Derzeit schäumt man lieber das Thema "Terrorismus" auf, obwohl dessen tatsächliche Relevanz sowohl für die Gesellschaft wie den Einzelnen gegen Null geht. Es ist weit wahrscheinlicher als Fußgänger/in oder Radfahrer/in im Stadtverkehr von einem/einer fahruntüchtigen Senioren/Seniorin über den Haufen gefahren zu werden, als auch nur in die Nähe eines Terroranschlags zu geraten.

    Aber an das Thema "Sicherheit im Straßenverkehr" traut sich die Politik gar nicht und die Medien nur halbherzig ran. Dabei ließen sich hier Lebensrisiken tatsächlich durch Gesetzgebung und verstärkte Kontrollen deutlich verringern. Beim Thema "Terrorismus" handelt es sich bei fast allen mit Geschrei angekündigten Maßnahmen nur um Placebos (wirkungslose Arznei für's "dumme Volk").
  • Frank-Michael Lange
    am 10.08.2016
    Kompliment, Herr Heißenbüttel! Ein sehr gelungener Artikel zu einem hochbrisanten, leider völlig zu Unrecht vergessenem brisanten Thema. Man kann sich schon fragen, warum beim Thema (preiswertes) Wohnen so wenig soziales Engagement zu beobachten ist. Ich habe mich oft gefragt, warum es in der Weimarer Republik bspw. Einfamilienhäuser für Arbeitslose gegeben hat und diese heute nicht mal mehr für „Besserverdienende“ erschwinglich sind, obwohl das Recht auf Wohnen verbrieft ist.
    Ich hatte mal die Idee einer Studie eines Einkommensvergleiches zwischen den damaligen Einkommen und denen heute (Realeinkommen) und wollte dann die realen Kosten bspw. für ein Einfamilienhaus ebenfalls vergleichend aufzeigen. Ohne den Ausgang vorweg zu nehmen wäre ja anzunehmen, dass bei steigenden Einkommen und durch den technisch-innovativen Fortschritt beim Bauen die Realisierung von bezahlbarem Wohnen einfacher geworden wäre. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, dann wären die extrem hohen Bodenpreise schuld an der Nichtrealisierung bezahlbarer Wohnungen und Einfamilienhäuser. Hier wären dann , wie durch Ernst May in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Frankfurt praktiziert, Enteignungen der einzig gangbare Weg. Leider sind Enteignungen nicht en vogue und werfen sofort die Systemfrage auf. Die Systemfrage wiederum ist erst Recht nicht en vogue, bei den Grünen schon mal gar nicht und so bleibt vorläufig vielleicht nur die Renaissance bürgerschaftlichen oder genossenschaftlichen Engagements: Häuslesbauer im Stammland der Wohnhausträume, vereinigt Euch!

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