So einfach ist es aber nicht, denn die Abstimmung hat eine unrühmliche Geschichte: 2019 stimmten die Esslinger:innen schon einmal über den Standort ab. Angetrieben worden war die Unterschriftensammlung damals maßgeblich von der SPD, vor allem von Stadtrat Wolfgang Drexler. Am Ende stimmte die Mehrheit für den Verbleib im Pfleghof, nur eine Minderheit für einen Neubau. Doch dann wurde das Geld knapp beziehungsweise die Kosten für die Sanierung des Pfleghofs und seines Nebengebäudes explodierten, und 2022 entschied der Gemeinderat, den Bürgerentscheid aufzuheben – was nach drei Jahren erlaubt ist. Die Entscheidung schlug hohe Wellen. Dann passierte erstmal nichts, bis Anfang 2024 das alteingesessene Modehaus Kögel dicht machte. Das Gebäude liegt auch in der Altstadt, wurde mehrfach erweitert und umgebaut und ist etwa zehn Minuten Fußweg von der Bücherei entfernt.
Schon der Kaufhof in der Innenstadt steht seit Langem leer, noch ein leeres Haus wollte (und will) Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) nicht haben und schlug vor, die Bücherei in das Kögel-Gebäude zu verlagern. In den alten Pfleghof könnte vielleicht ein Museum, die Rede war von einem "Kulturquartier". Heftig wurde darüber diskutiert, und im Sommer nach der Kommunalwahl stimmte der Gemeinderat mit hauchdünner Mehrheit von Grünen, SPD, Freien Wählern und der Stimme von Klopfer für den Kauf des Kögels und den Büchereiumzug. Den in gleicher Sitzung eingebrachten Antrag von der Linken und einigen kleinen Listen, der Gemeinderat möge dazu einen Bürgerentscheid beschließen, lehnte das Gremium ab. Dieses Verständnis von Demokratie ärgerte viele Esslinger:innen extrem, und sie sammelten Unterschriften für einen Bürgerentscheid. Mit Erfolg. Am 8. März wird abgestimmt.
Mehr Platz versus viel Geld
Ob Kögel oder Pfleghof – beide Lösungen sollen laut Stadtverwaltung etwa 20 Millionen Euro kosten. Bliebe die Bücherei im bisherigen Gebäude, dem denkmalgeschützten Pfleghof, müsste dort grundlegend saniert werden. Die Alternative Kögel bräuchte ebenfalls massive Umbauten. Vorteile hier: mehr Fläche (4.500 statt 4.000 Quadratmeter), größere Barrierefreiheit, 130 statt 50 Arbeitsplätze, bessere Sichtbarkeit der Bücherei und laut Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) ein positives Signal für die Innenstadt.
Für den Pfleghof spricht laut der Initiative "Esslingen entscheidet selbst" vor allem, dass die Bürgerschaft sich schon einmal dafür entschieden hat. Und die Aktiven argumentieren mit den Finanzen: Mitte Dezember hatte der Gemeinderat mit großer Mehrheit den Doppelhaushalt 26/27 beschlossen, wonach bis 2030 rund 200 Stellen in der Stadtverwaltung gestrichen werden sollen. Dann kam die Hiobsbotschaft: Die Gewerbesteuereinnahmen brechen weg, 2026 fehlen voraussichtlich 36 Millionen Euro. Es muss also neu diskutiert werden. Sparen könne die Stadt, so OB Klopfer in einem Interview mit der "Eßlinger Zeitung", indem die Württembergische Landesbühne weniger Stücke inszeniert, die Galerie Merkel seltener offen hat, die S-Bahn seltener fährt und Kita-Betreuungszeiten noch weiter eingeschränkt werden.
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Auf einer eigenen Internetseite schreibt die Stadt Esslingen zum Kaufpreis für das Kögel-Areal: "mittlerer einstelliger Millionenbereich." (der genaue KP bliebe geheim, so die Stadt). Also sagen wir rund fünf bis sechs Millionen Euro. Ist ja geradezu ein Schnäppchen. Zwei riesige Gebäude, "beste…
Kommentare anzeigenEmilia Landowski
vor 7 Stunden