Bleibt zuhause: Dildo aus dem Sex-Koffer. Foto: Joachim E. Röttgers

Bleibt zuhause: Dildo aus dem Sex-Koffer. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 300
Politik

Wo bleibt der Sex-Koffer?

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 28.12.2016
Die so heiß diskutierten Bildungspläne sind in Kraft. Die CDU hat ihre vollmundigen Roll-back-Versprechungen aus dem Landtagswahlkampf kleinlaut eingepackt. Und die reaktionäre Demo-für-alle-Karawane ist weitergezogen.

Leider gibt es dennoch keinen Grund zur Entwarnung. Das liegt an der "Alternative für Deutschland". Für sie geht der Kampf weiter, gegen den vermeintlichen Gender-Wahn und den frei erfundenen, aber viel bemühten Sex-Koffer mit einschlägigen Utensilien für die Kleinen.

"Liebe Claudia", schreibt Christina Baum, die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende und Abgeordnete aus dem Main-Tauber-Kreis, enttäuscht an die aus der Fraktion ausgeschiedene Kollegin Martin. "Wer soll denn nun den GrünInnen klarmachen, dass ihr Ansatz zur Kinderbetreuung und generell zur Familie falsch ist?" Mitte November hatte Baum die "Magdeburger Erklärung" unterschrieben, mit der sich die AfD "zum Recht jedes Kindes" bekennt, "vor Frühsexualisierung geschützt zu werden".

Vor JournalistInnen berichtete sie in Sachsen-Anhalt von der e-mail eines Vaters, dessen Tochter sich über die Verletzung von Schamgrenzen im Schulunterricht beschwert habe. Details musste sie auf Nachfragen schuldig bleiben. Auch ihr Mitunterzeichner, der AfD-Ultra André Poggenburg, konnte keine belastbaren Belege für Gender-Wahn und Frühsexualisierung nennen. Man wolle, hieß es lediglich, präventiv tätig sein.

Zum Beispiel in Hessen, wo die beste Kontakte zur AfD pflegenden Demo-für-alle-Initiatoren ebenfalls gegen neue Lehrpläne zu Felde ziehen. "Der neue Lehrplan ist eine Anweisung an die Schulen, alle Schulkinder ab sechs Jahren fächerübergreifend entsprechend der Gender-Ideologie zu indoktrinieren", heißt es in einer Stellungnahme. Wie in Stuttgart wird auch in Wiesbaden postfaktisch gehetzt: gegen "ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt".

Die schwarz-grüne Koalition, geführt von Volker Bouffier (CDU), hat die Veränderungen übrigens ohne Diskussion in Kraft gesetzt. "Wir sind eben nicht in Baden-Württemberg", stellte die "Frankfurter Rundschau" zufrieden fest. In Baden-Württemberg wärmt die AfD-Fraktion die Themen Gender-Wahn und Bildungsplan immer wieder auf, wenn es um Schulen und Unterricht geht. Erst kürzlich, als sie noch keine Dissidentin war, wetterte die "liebe Claudia" gegen Bildungsexperimente an den Schülern des Landes. Und Baum erklärte auf einer Veranstaltung mit einem anderen AfD-Ultra, dem Erfurter Fraktionschef Björn Höcke, die etablierten "Einheitsparteien" vor sich hertreiben "und ihnen unsere Agenda aufzwingen" zu wollen.

Dass hat sich in puncto Bildungsplan überholt. Die reformierten Unterrichtsgrundlagen sind seit 1. August 2016 in Kraft – und die Rückmeldungen positiv. "Wir werden die Umsetzung der Bildungspläne auch aufgrund des Anspruches der hohen Qualität eng begleiten und bei der Umsetzung auftretende fachlich erforderliche Korrekturen vornehmen", heißt es in der Koalitionsvereinbarung von Grünen und CDU. Von den Fantasieprodukten Gender-Wahn und Sex-Koffer weit und breit nichts zu sehen.



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