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Aufgegriffen: Turmgründung

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Wie es um die Standsicherheit des Bahnhofsturms bestellt ist, wenn das Grundwasser für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 abgesenkt wird – das wollte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) von Bahnvorstand Volker Kefer wissen. Inzwischen ist nach Kontext-Informationen eine Antwort eingetroffen, die viel erklärt, aber die Gretchenfrage nicht löst.

Noch steht er groß und mächtig mitten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt: der Stuttgarter Bahnhofsturm. Ob das Wahrzeichen auch die nächsten Jahre stabil wie eine Eins in den Himmel ragt, darüber ist ein heftiger Disput entbrannt zwischen Wolfgang Dietrich, dem Sprecher des S-21-Projektbüros, und Gegnern des milliardenschweren Bahnhofsneubaus. Auslöser sind unterschiedliche Ansichten und Vermutungen zur Gründung des Turms. Während Dietrich behauptet, das 10 300 Tonnen schwere Bauwerk ruhe auf Eisenbetonpfählen, vermuten Letztere, dass es Eichenpfähle sind.

Beide Seiten legten in jüngster Vergangenheit "Beweise" in Form von Baudokumenten und Buchpublikationen vor. Kontext konnte einen ehemaligen Bahnmitarbeiter aufspüren, der eine Eichengründung bezeugte. Tatsache ist, dass die Bahn für den Bau des unterirdischen Bahnhofstrogs das Grundwasser im Baufeld massiv absenken muss. Nicht ausgeschlossen ist im Fall der Eichengründung, dass die Holzpfähle bei Kontakt mit Sauerstoff zu faulen beginnen und damit der Turm auf Dauer instabil wird und einsturzgefährdet ist. Gewissheit bringen könnte eine relativ kleine Sondierungsbohrung, die die Bahn aber bislang verweigert.

Wegen der widersprüchlichen Aussagen hatte der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn den zuständigen Bahnvorstand Volker Kefer in einem persönlichen Brief mit Datum vom 19. August 2013 um Klärung der strittigen Gründungsfrage gebeten. Eine Antwort ist nach Kontext-Informationen inzwischen eingetroffen. Nicht vom für Infrastruktur zuständigen Manager Kefer, sondern vom neu ernannten Chef der neuen S-21-Projektgesellschaft, Manfred Leger. In dem persönlich an Kuhn adressierten und im Auftrag von Volker Kefer verfassten Schreiben schildert der Ingenieur verschiedene Maßnahmen, die zur Sicherung des Bahnhofsturms vor und während der Bauarbeiten geplant sind respektive bereits durchgeführt wurden. Beschrieben sind Mess- und Überwachungsverfahren, genannt werden auch die ausführenden Firmen. Die Ausführungen im zweiseitigen Brief decken sich offenbar größtenteils mit öffentlichen Statements, die seitens der Bahn auch während der jüngsten Anhörung zur Planfeststellungsänderung einer erhöhten Grundwasserentnahme gemacht wurden. Demnach drohe der Turm während des Tiefbahnhofbaus lediglich um einen Zentimeter abzusacken. Die Gretchenfrage, auf was der Turm tatsächlich gründet, beantwortet Leger allerdings nicht. Auch von einer klärenden Sondierungsbohrung ist keine Rede. Nach seinem Antritt als Chef der S-21-Projektgesellschaft hatte Leger in einem Zeitungsinterview versichert, beim Bahnprojekt "nichts zu verschweigen".

Nach Kontext-Informationen will sich Oberbürgermeister Kuhn mit den jüngsten schriftlichen Auskünften von Bahnvertreter Leger nicht zufrieden geben. Er drängt nun auf ein persönliches Gespräch mit dem Chef der bahneigenen S-21-Gesellschaft. Es wäre das erste direkte Aufeinandertreffen von OB und Projektchef. Ein Termin dafür ist jedoch noch nicht gefunden. 

So lange wollen Kuhns Parteikollegen im Stuttgarter Gemeinderat nicht warten.
Die Grünen-Fraktion beantragte jetzt, einen "wissenschaftlichen Nachweis über die Turmgründung auf städtische Kosten durchführen" zu lassen. Als Begründung verweist Fraktionschef Peter Pätzold unter anderem auf unabhängige Experten, die auf eine Klärung der Gründungsfrage drängten. So halte etwa Professor Palph Watzel vom Landesamt für Geologie im Fall einer Holzgründung die Prüfung weiterer technischer Sicherungs- und Umschließungsmöglichkeiten des Bauareals für erforderlich. Finanzieren ließe sich die Sondierungsbohrung aus Sicht der Grünen aus städtischen Mitteln für die Öffentlichkeitsarbeit zu Stuttgart 21.


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4 Kommentare verfügbar

  • Dorothea Geiges
    am 25.09.2013
    Antworten
    1) Wäre die Bahn ehrlich, hätte sie nichts zu verschweigen, dann würde sie die Probebohrung machen oder hätte sie längst gemacht (hat sie vielleicht? und es kamen Eichenpfähle zum Vorschein???).

    2) Eichenpfähle und Eisenpfähle sehen in der alten deutschen Schrift vielleicht ähnlich aus, aber auch…
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