Journalisten und Fotografen auf der Jagd. Foto: Martin Storz

Ausgabe 213
Medien

Die "Lügenpresse" lässt grüßen

Von Stephan Hebel
Datum: 29.04.2015
Der 3. Mai ist der "Welttag der Pressefreiheit". Ein guter Tag, um darüber nachzudenken, wie diese Freiheit genutzt wird. Die Bandbreite reicht von seriösem Journalismus bis zur "Lügenpresse", kommentiert unser Autor.

Der Blogger Stefan Niggemeier hat es fünf Tage nach dem Absturz von Germanwings-Flug 4U 9525 auf den Punkt gebracht: "Man konnte in den vergangenen Tagen den Eindruck gewinnen", schrieb er, "dass die real existierende ,Newswelt' jeden Skrupel, jedes Maß, jeden Halt – kurz: den Verstand verloren hat."

In der Tat lieferte diese Katastrophe ein weiteres Beispiel für erschreckende Entwicklungen in der deutschen Medienbranche, die sich schon seit Längerem massiven Vorwürfen ausgesetzt sieht. Seit das Netz den Leserinnen und Lesern, den Nutzerinnen und Nutzern die Kanäle für Kritik in Echtzeit bietet, scheint der etablierte Journalismus in weiten Teilen der Öffentlichkeit unter massivem Vertrauensverlust zu leiden. Die "Lügenpresse" lässt grüßen. Und leider liefert der Journalismus den Kritikern mehr Stoff, als ihm guttut.

In diesen Tagen begehen die Vereinten Nationen den "Welttag der Pressefreiheit". Im entsprechenden Aufruf heißt es: "Die Botschaft des 3. Mai lautet, dass jeder Journalist überall auf der Welt das Recht haben muss, frei und ohne Angst berichten zu können. Eine Beschränkung der Pressefreiheit ist immer auch eine Beschränkung der Demokratie."

In Deutschland allerdings reden wir nicht über die Verfolgung von Journalisten. Wir reden, wenn es um Pressefreiheit geht, über deren wirkliche oder angebliche Bedrohung von innen: durch Kampagnen-Journalismus, politische und ökonomische Abhängigkeiten oder den Einfluss mächtiger Interessengruppen auf die Berichterstattung.

Mit leichter Hand ist die Kritik nicht abzuwehren

Vieles von dem, was die Kritiker uns Journalisten entgegenhalten, ist zutreffend und sollte nicht so leicht abgetan werden, wie manche Kolleginnen und Kollegen das versuchen. Zugleich aber gilt es, den professionellen Journalismus und seine Bedeutung für das Funktionieren der demokratischen Öffentlichkeit gegen diejenigen zu verteidigen, die ihn pauschal abqualifizieren und für überflüssig halten.

Zurück zum Beispiel Germanwings. Neben dem voyeuristischen Zoomen auf Trauernde (zum Beispiel in Haltern) war es vor allem die volle Namensnennung des Kopiloten durch viele Medien, die im Internet auf Erstaunen und Empörung stieß. Immerhin sahen die Kritisierten sich genötigt, zu reagieren. So versuchte die Online-Ausgabe der "FAZ" zu begründen, warum sie schon wenige Tage nach dem Ereignis den Nachnamen des Verdächtigen nannte. "Die Opfer und die Öffentlichkeit haben ein Recht darauf zu erfahren, wer das Unglück ausgelöst hat", schrieb der Internet-Verantwortliche des Blattes, Mathias Müller von Blumencron. "Die Lösung ist nach gegenwärtigem Stand nur in der Person des Kopiloten zu finden. Wir müssen uns mit ihm beschäftigen, wir müssen ihn ansehen, wir dürfen ihn sehen."

Wer wundert sich über die anschwellende Medienkritik, wenn sich der Online-Macher einer wichtigen Zeitung derart unverhohlen von allen Qualitätsstandards verabschiedet? Weder scheint ihn die im deutschen Pressekodex verankerte Regel zu interessieren, dass Vermutungen "als solche kenntlich zu machen" sind – und eine Vermutung bleibt die Schuld des Mannes so lange, bis die Justiz darüber befunden hat. Noch scheint er einen Gedanken darauf zu verwenden, was die Namensnennung für die Angehörigen des Kopiloten bedeuten muss. Und schließlich begibt sich der "FAZ"-Macher direkt auf Boulevardniveau, wenn er so tut, als sei die Beurteilung der Katastrophe davon abhängig, dass wir das Gesicht des mutmaßlichen Täters sehen.

Auch seriöse Medien folgen dem Vorbild des Boulevards

Was allerdings manche Kritiker, die gern pauschal "Lügenpresse" skandieren, gerne übersehen: Es waren und sind nicht "die Medien". Viele blieben dabei, den Namen nicht zu nennen (darunter auch die gedruckte "FAZ"). Und die Kritik fand ihren Niederschlag sehr wohl auch in den Medien selbst. Wenn das kleine Selbstzitat erlaubt ist: "Die Abwägung, wo die Informationspflicht endet, wo Sensationsgier und medialer Voyeurismus beginnen, ist nicht immer einfach", hieß es im Leitartikel der "Frankfurter Rundschau". "Das birgt die Gefahr von Fehlern, schlimm genug. Schlimmer aber ist das, was jetzt auch geschieht: Bis hinein in angeblich seriöse Medien, so scheint es, findet die Abwägung entweder gar nicht mehr statt, oder – noch schlimmer – sie endet mit der bewussten Entscheidung, dem schmutzigen Vorbild des Boulevards zu folgen. [...] Es grenzt an Zynismus, so etwas mit ,Aufklärung' zu begründen."

Aber genügt das, um die etablierten Medien nun so pauschal zu verteidigen, wie andere sie kritisieren? Nein. Germanwings war ja nicht der einzige Grund zur Unzufriedenheit. So gab es seit Beginn der Ukraine-Krise mehr als genug undifferenziertes Kriegsgeschrei und ein vielfaches Russland-Bashing, das über die berechtigte Kritik an der schleichenden Annexion der Krim und dem autokratischen Herrschaftssystem in Russland weit hinausging – der reißerische "Spiegel"-Titel "Stoppt Putin jetzt!" war nur ein Beispiel von vielen.

Ja, da geht vieles an den Regeln eines seriösen Journalismus vorbei. Wer das mit Recht beklagt, sollte sich allerdings seinerseits seriöser Argumente bedienen. Platte Pauschalurteile helfen so wenig wie fröhliche Verschwörungstheorien. Wer glaubt, auf den Journalismus – die professionelle Recherche, die Einordnung und Orientierung durch Analysen und Kommentare – verzichten zu können, hat die Rolle der Medien als Mittlerinstanz einer demokratischen Öffentlichkeit nicht verstanden.

Die Mangelerscheinungen der Medienwelt bestehen keineswegs einfach darin, dass das Gros der Journalistinnen und Journalisten käuflich oder zumindest in herrschenden Kreisen zu vernetzt wäre, um noch unabhängig denken zu können oder zu wollen. Sie bestehen auch nicht darin, dass "meist jüngere, wenig etablierte Journalisten" am Werk sind, "denen keine andere Wahl bleibt, als dieses schmutzige Geschäft mit zu betreiben", wie Albrecht Müller sagt, der Herausgeber des medienkritischen Online-Portals "Nachdenkseiten".

An beidem – übermäßige Nähe zur Macht und Anpassungsdruck durch prekäre Aussichten im Beruf – ist natürlich etwas dran. Allerdings greift solche Kritik aus zwei Gründen zu kurz.

Zum einen entlässt sie uns Medienleute – ganz entgegen ihrer Intention – zu leicht aus der Verantwortung. Wir leben trotz aller Zwänge nicht in einer Diktatur. Wir haben immer noch mehr Freiräume für kritischen und unabhängigen Journalismus, als wir gelegentlich in vorauseilendem Gehorsam glauben. Es ist unsere Verantwortung, die Grenzen dieser Freiheit immer wieder zu testen.

Zum anderen kommt häufig gerade die strukturelle Dimension zu kurz. Denn Herdentrieb und Anpassungsdruck haben ja Ursachen: Sie hängen allemal mit der privatwirtschaftlichen Organisation der meisten Medien zusammen. Jürgen Habermas hat schon vor Jahren treffend beschrieben, dass diese Organisationsform auch mit Interessen verbunden ist: "Im Maße ihrer Kommerzialisierung und der ökonomischen, technologischen wie organisatorischen Konzentration", so der Sozialphilosoph schon 1962, "sind sie ... zu gesellschaftlicher Macht geronnen, sodass gerade der Verbleib in privater Hand die kritischen Funktionen der Publizistik vielfach bedrohte".

Es wäre sinnvoll, über Genossenschaften nachzudenken

Es ist schon erstaunlich, wie viele Journalistinnen und Journalisten sich offensichtlich gern in Abhängigkeit von Werbeetats und betriebswirtschaftlichen Kalkülen befinden, während sie jeden Gedanken an andere, womöglich öffentlich-rechtliche, genossenschaftliche oder anderweitig kollektive Organisationsformen weit von sich weisen (die öffentlich-rechtlichen gern unter Hinweis auf Funk und Fernsehen, als ließe sich das nicht demokratischer machen als bei ARD und ZDF).

Sich darüber Gedanken zu machen, also über die Rettung des Qualitätsjournalismus durch neuartige Garantien für seine Unabhängigkeit – das wäre sowohl für die Medien als auch für ihre Kritiker ein fruchtbares Feld. Stattdessen verschanzen sich die einen hinter den bröckelnden Mauern der klassischen Medienhochburgen, während die anderen zu glauben scheinen, dass es mit täglicher Selbstbestätigung eigener Ansichten in den Blogs, Foren und angeblich so sozialen Netzwerken getan sei.

Auch dazu hat Jürgen Habermas Entscheidendes gesagt. Zwar begrüßte er (2014 im Interview mit der "FR") die neuen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation ("Aus Lesern werden Autoren"). Allerdings, fügte er hinzu, bildeten die Kommunikationsgemeinschaften Gleichgesinnter oder Gleichinteressierter "im Meer der digitalen Geräusche weit verstreute Archipele", und: "Den in sich abgeschlossenen Kommunikationsräumen fehlt das Inklusive, die alles einbeziehende Kraft einer Öffentlichkeit. Für diese Konzentration braucht man die Auswahl und kenntnisreiche Kommentierung von einschlägigen Themen, Beiträgen und Informationen. Die nach wie vor nötigen Kompetenzen des guten alten Journalismus sollten im Meer der digitalen Geräusche nicht untergehen."

Was uns das lehrt? Wir Medienleute sollten uns viel öfter des "guten alten Journalismus" erinnern. Dann könnten wir vielleicht selbst die "Lügenpresse"-Schreier überzeugen, dass eine Demokratie ihn braucht.

 

Info:

Stephan Hebel, langjähriger Redakteur der "Frankfurter Rundschau", arbeitet als freier Autor unter anderem für die FR, die Wochenzeitung "Der Freitag" und das Deutschlandradio. Er ist Mitglied der Jury zum "Unwort des Jahres", die für das Jahr 2014 den Begriff "Lügenpresse" rügte. "Deutschland im Tiefschlaf – Wie wir unsere Zukunft verspielen" heißt Hebels neuestes Buch zur Politik der großen Koalition und zur Lage gesellschaftlicher Protestbewegungen. Es ist im Westend Verlag, Frankfurt am Main, erschienen. Nähere Informationen finden Sie hier.

Über das Thema "'Lügenpresse' – Unwort oder gelungene Beschreibung?" diskutiert Stephan Hebel am Donnerstag, 7. Mai, in Köln mit dem Autor und Medienkritiker Walter van Rossum. Das Streitgespräch beginnt um 19.30 Uhr im Kölner DGB-Haus am Hans-Böckler-Platz. Mehr unter diesem Link.


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13 Kommentare verfügbar

  • Andromeda
    am 08.05.2015
    Vielen Dank Herr Schwabe für den Link zu den Nachdenkseiten , Kündigungsschreiben und Begründungstext eines langjährigen Abonnenten aufgrund Rußlandhetze in allen Ressorts der Süddeutschen und Briefwechsel mit Chefredakteur Cornelius.
    Kurze Anmerkungen. Kontext hat ja schon berichtet über den Eigentümerwechsel und Übernahme durch die Südwestdeutsche Medienholding .
    Cornelius (SZ) wird unter anderen Chefredakteuren bei Welt, Zeit (Joffe,Sommer) und FAZ (Busse) von dem ehemaligen Faz Redakteur Udo Ulfkotte in seinem Buch "Gekaufte Journalisten" , zu denen er sich auch zählte und dies bezeugt , aber ausgestiegen ist , als US-Propagandist / Mitglied "transatlantischer ThinkTanks" beschrieben(Finanzierung CIA usw., Mitglieder sind scharenweise Politiker aller "großen" Parteien ,auch Özdemir und Roth).
    Wer Ulfkotte nicht kennt , - na ja , aus einem Saulus ist ein bißchen ein Paulus geworden , das nehme ich ihm ab- . Er hat den 1. Artikel in der Presse überhaupt zu der Giftgasanlage Rabta, deutsche Firma (aus BaWü) in Lybien geschrieben. In seinem Buch schreibt er sinngemäß , daß der amerikanische Geheimdienst BND (!) ihm den Artikel fertig übergeben habe , er habe ein paar geringfügige Änderungen vorgenommen und dann wurde es sofort in der FAZ gedruckt. Er habe sich selber nach 3 Tagen gewundert , denn weltweit wäre es dann DAS Thema überhaupt geworden.
    www.youtube.com/watch?v=ULgFaWDasyI
    www. youtube.com/watch?v=bm_hWenGJKg
    www.youtube.com/watch?v=UwE5LO5CphY
    Zu Rußlandberichterstattung Gabriele-Krone-Schmalz
    www.youtube.com/watch?v=eOL75NhOwbl
    Willy Wimmer ehemaliger CDU-Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter Kohl zur Ukraine-Berichterstattung u.a. auch zu Echelon/GCHQ , Ukraine , Türkei ab 17:00 ;27:00 ; 27:45 "OSZE innerePraxis , falls von Amerikanern geführt , wird nur geschrieben , was USA nützt", OSZE als Spione zur Zielaufklärung ; auch Rotes Kreuz und Vereinte Nationen von USA gekapert , kann nachgewiesen werden ; 35:00 ; 48:00,1:00:00 !, 1:06:00 ,1:09:00 Leitmedien an Kandare für Aggressionsbündnis NATO,1:12:50 "wenn Sie morgens die FAZ lesen oder die Süddeutsche , ist es die Frage nach dem Adrenalin-Spiegel , nicht die Frage nach dem Guten , was Sie da lesen"; 1:16 Wie machen Sie sich in den Medien schlau ? wenn man chinesische Nachrichtensender , Al-Djazeera , BBC und Cnn nebeneinanderlegt braucht man ARD und ZDF nicht zu sehen.
    www.youtube.com/watch?v=fuL4zRUdQTA
    Eine künstlerische Zusammenfassung von westlicher Medien -propaganda des Neuseeländers Slavko Martinov www.youtube.com/watch?v=Dw-p84oWW84 oder "Propaganda Terms in the Media and What They Mean" Vortrag von Noam Chomsky www.youtube.com/watch?v=vmoXze-Higc
    Vielen Dank Herr Frank , ihre Ansicht ist täglich verifizierbar.
  • Andromeda
    am 06.05.2015
    Ach , 3 . zu Palästina"-Konflikt" könnte man tonnenweise Desinformation nachweisen . Das Wort "Lügenpresse" lässt zuviele Bereiche außen vor. Aber zum Glück gibt es ja wunderbare und engagierte Israelis , sogar Kampfpilotenvereinigungen , Rabbiner , und Veteranen . Das sind dann self-hating jews und Nestbeschmut zer . Kennt man auch schon lange aus totalitärem Gedankengut in allen Facetten. Hilft aber nix , wird gerne gedruckt und ausgesprochen. Hier kommen wir wieder zu den Amis nach dem Krieg : "Stuttgarter NS-Täter", Gladio , Morde von Brabant und NSU.
    SU(Warlam Schalamow),DDR(Regine Igel) und Mao(Liao Yiwu) waren natürlich auch nicht besser. So sind sie halt , die Menschen.
  • Andromeda
    am 05.05.2015
    Ach nee , nochmal schreib ich nicht von vorne , hätte was wegkürzen können.
    Ganz speziell 3 Hinweise . 1. glaube es war swr2 wissen , amerik. Historiker hat zu Caligula geforscht . Ergebnis : War ein sehr vernünftiger Herrscher , nur den Patrizierfamilien zuwider . Folge wurde überall schlecht geschrieben = Überlieferung
    2. Billy the Kid Dokumentaion , glaube auf ARTE : Er war nicht der schießwütige Pistolero. Herumtreiber und Kriminelle , sondern war mit anderen ehemaligen Herumstreuner loyaler Gefolgsmann und Cowboy ,- damals eine Stelle zu bekommen war kaum möglich -, eines neu sich niederlassenden englischen Geschäftsmannes , der als Rinderzüchter in Konkurrenz zu einer alteingesessenen irischen( alter Konflikt aus Europa zusätzlich) Rinderzüchterfamilie mit Fleischlieferverträgen mit der Army trat. Die Iren beschuldigten den Konkurrenten des Viehdiebstahls , der brach zur juristischen Verteidigung nach Oklahoma City auf , bautz aus dem Hinterhalt von Sherriff und irischen "Cowboys" abgeknallt , dann Rache und Bandenkrieg . Dies , da Brite sowas wie Ersatzvater/Kümmerer geworden war für "seine" Herumtreiber . Nur - die 2 Lokalzeitungen gehörten den Iren . Also , ... Ansonsten ging es aus wie die Schlichtung , bzw. der OLG -Buback-Revisionsprozeß. The Kid wurde flüchtig , irgendwann vom Schwager verraten gegen Belohnung , und ein Marshall hat den Unbewaffneten dann ohne Vorwarnung im Dunkeln abgeknallt. Nochmal eine Parallele zur heutigen Zeit.
    P.S. : Veröffentliche doch Invinoveritas , steht ja nicht mal unter Verdacht und ich hätt`s so gern gewußt.
  • Schwabe
    am 04.05.2015
    Auch dieser Artikel/Link zum Thema Lügenpresse wird unseren Freund neoliberaler Werte - Invinoveritas - vermutlich nicht interessieren!
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=25559

    Aufgrund des angekündigten GDL-Streiks wird sich die deutsche Lügenpresse in den nächsten Tagen auf die GDL stürzen. Sie wird die Leserschaft wieder einmal nicht über die von der Bundesregierung am 1.Juli geplante und m.E. verfassungswidrige Tarifeinheit aufklären/informieren (massiver Eingriff ins Streikrecht welches auch zur Daseinsvorsorge der Gesellschaft gehört). Im Gegenteil die Lügenpresse wird - allen voran die "Blöd" - ihre Leserschaft gegen die GDL aufbringen.
  • invinoveritas
    am 03.05.2015
    Bemerkenswert, wie hier korrektes Zitieren als "hemmungsloses Abschreiben" diffamiert werden soll. Wo Merkels Äußerung wiedergegeben wurde, ist hier vollkommen belanglos. Unstrittig ist schließlich, dass dies jene Passage ist, aus der fälschlicherweise der Begriff "marktkonforme Demokratie" herausdestilliert und ihr in den Mund gelegt wurde.

    Und die Düsseldorfer "Nachdenker" sind gar keine. Mit fadenscheinigen Konstrukten wollen sie Merkels auch aus meiner Sicht problematische Ideen von einer EU-weiten Verpflichtung zur Verbesserung von jeweils nationaler Wettbewerbsfähigkeit maßlos aufblasen - als wolle Frau Merkel damit die Demokratie abschaffen bzw. zu einer leblosen Hülle machen.

    Das ist absurd. Und es wirft ein Licht auf die Methoden, mit denen hier Leute zu Werke gehen, die selbst mit dieser Demokratie offenbar wenig bis nichts am Hut haben.
  • By-the-way
    am 02.05.2015
    @invinoveritas 30.04. 13.17 Uhr

    ... wenn Sie schon hemmungslos abschreiben, oder besser, "zitieren", dann nennen Sie doch bitte die dazugehörige Quelle:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/harte-bretter/marktkonforme-demokratie-oder-demokratiekonformer-markt-11712359.html

    Und lesen Sie das hier, da steht´s, wie dieses Merkel-Zitat zu interpretieren ist:

    http://www.nachdenken-in-duesseldorf.de/?p=3385
  • F. Fischer
    am 30.04.2015
    Ich sehe wenig Probleme mit der Presse und ihrer Freiheit. Mir gefällt natürlich nicht alles immer Es gibt allerlei in dem Topf. Mancher, der sich Journalist nennt, hat eben eigene Interessen, warum auch immer. Mir fallen da aktuell gewisse Redakteure und Bald-Ex-Redakteure der StN ein. Andere sind einfach Lumpen. Das betrifft einige BILD-Leute und andere. Aber all das ist, sofern es nicht um Straftaten geht, vom Grundgesetz gedeckt. Und das ist gut so. Man kann ja dagegen angehen: Indem man Sachkritik übt. Das ist das beste Mittel gegen politische Hetzer und abhängige Quaksalber im Pressebereich. Ansonsten gelassen bleiben. Und seine eigene Meinung deutlich sagen. Mir ist jede/r, der seine Meinung sachlich sagt, willkommen. Das ist Teil der Demokratie. Straftäter und Braune muß man allerdings einer Sonderbehandlung unterziehen. Auch im Netz. Und zwar deutlich und unerbittlich.
  • Ulrich Frank
    am 30.04.2015
    Nein, das moderne globale Dorf welches auf der immer stärker realisierten technischen Möglichkeit basiert Informationen schnell und in Menge von einem Ort zum anderen zu bringen hat bisher, in relevanter Breite, keinen wirklichen Fortschritt der Berichterstattung und des Journalismus gebracht. In den nationalen Medien besteht eher die Tendenz zur Regression auf die Schollen- und Pfarrhausperspektive. Geht es über die Grenze, kommt man mit hochauflösenden Abbildungen aber nicht mit Erkenntnissen zurück. Eine offene und breite Diskussion über Ziele und Kategorien des Journalismus gibt es nicht. Man wurstelt sich ungeniert durch wie die derzeitigen Regierungschefs bzw -chefinnen: man/frau könnte ja "beunruhigen". Man fürchtet es könnten Standards definiert werden die eingefordert werden.

    Behauptete "Vielfalt" ist weitgehend chimärisch* - sie orientiert sich in den hiesigen mainstream-Medien weitgehend am Konsens der politischen und wirtschaftlichen Eliten. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind mit ihrer Trias parteienkonforme Berichterstattung, nationale Identitätsbestätigung (Sport) und Divertissement mehr Herrschaftsinstrumente als Informationsträger. Sie tragen nicht dazu bei beim Bürger ein konsistentes Interesse am politischen Prozess aufrechtzuerhalten und ihm ein eigenes Urteil zu ermöglichen. Bürger/in soll in der Zaungastposition gehalten werden. TTIP und Trainerwechsel sind gleich wichtig. Kommt die Wahl werden PR-mäßig aufbereitete Diskussionen gezeigt und Wahlplakate und und wird gesagt man solle doch hingehen.

    Sensationalismus der Bilder, Emotionalisierung und Schlagworte ersetzen das Herausarbeiten von Bedeutung. Daß ein Panzergeschützrohr aus dem Hintergrund der virtuellen Tagesschau-Wand fast schon ins Wohnzimmer reicht ist beeindruckend - Erkenntnis bringt es keine. Ebensowenig wie der voll abgedruckte Name des Germanwings-Piloten. Wenn das ein scoop ist, dann ist er in jedem Fall aus dem Klo geschöpft. Intellekt ist nicht mehr die Stärke des modernen Journalismus, auch bei SPIEGEL und SZ nicht. "Varoufakis wird entmachtet" - als Schlagzeile ein Hammer, aber ohne Erkenntnisgewinn weil Macht zuerst einmal lokalisiert werden muß. Die Verwendung des Wortes "Entmachtung" soll wohl auch, im bedenkenlos machtorientierten Oberhand-Journalismus des Wirtschaftswunderlandes, herablassend insinuieren eine gewisse Rustikalität der Verhältnisse dort drunten, bei den Griechen. Die können es nicht, aber haben "Chuzpe" (Molitor-Postille). Hauptsache Minister Varoufakis ist irgendwie "weg" und mit ihm Einwände und das Denken unbequemer Professoren, wie das Krugmans. - Wer schrieb denn bei uns, mit klammheimlicher Freude,"Chuzpe-Kanzlerin entmachtet Westerwelle"?

    Ganz abgesehen vom hiesigen lancierten** und ideologiegetriebenen Journalismus der Vorurteile. Blasiert eine Tendenz bei SZ und FAZ, pompös bei der ZEIT. Die genauen Sachverhalte hat man nicht bei der Hand. Siehe den aktuellen "Gastbeitrag" in der FAZ der die US-Spionage rechtfertigt bevor überhaupt alle Fakten im Detail auf dem Tisch liegen."Die Spionage der Vereinigten Staaten in unserer Wirtschaft ist gerechtfertigt, in unserem Interesse und keine Industriespionage..."***

    Ja bei uns, da ist alles so fein. Da wird schon kritisiert wenn jemand die mehr oder weniger unfreiwillige Stoßrichtung der Politik einer Kanzlerin deren Machterhalt vor allem darauf basiert keine klaren Aussagen zu machen - und so gut wie alles hintenherum zu erledigen oder erledigen zu lassen - auf den Begriff bringt: marktkonforme Demokratie. Vorsicht, es könnte ja eine unwillkommene, beunruhigende Idee in den Kopf des Publikums-Volkes kommen.

    Da könnten zumindestens einige denken daß sie sich nicht die ganze Zeit für dumm verkaufen lassen müssen.


    * Siehe hierzu auch Klöckner, Brunkhorst: "In den Medien muß sich fast alles ändern" http://www.heise.de/tp/artikel/43/43837/1.html

    **https://heisersstimme.wordpress.com/2015/02/16/sz-leaks-schleichwerbung-fur-steuerhinterziehung/

    ***http://www.faz.net/aktuell/politik/bnd-affaere-spionage-unter-freunden-kein-grund-zur-aufregung-13564435.html
  • invinoveritas
    am 30.04.2015
    @hessekopp

    Dass der Terminus "marktkonforme Demokratie" nicht Unwort des Jahres wurde, hat damit zu tun, dass Frau Merkel ihn nie benutzt hat.

    Um Missverständnisse zu vermeiden: Ihre Politik ist in weiten Teilen hochgradig kritikwürdig.

    Trotzdem ist die Erfindung dieses Kampfbegriffs eine üble Manipulation und eine gewollte Irreführung, auf die viele Linke hereinfallen. Und zwar weil sie nicht auf die Idee kommen, dass da etwas nicht stimmen kann: Denn so schlau ist diese Kanzlerin allemal, dass, selbst wenn sie so dächte, sie sich schwerlich die Blöße einer derart entlarvenden Äußerung gäbe. Es ist halt töricht, den Gegner zu unterschätzen ...

    Gesagt hat Frau Merkel 2011 dies, und zwar zu der Frage, wie und wann der Bundestag bei bestimmten Maßnahmen der Regierungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise einzuschalten sei:

    "... Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, dass sich also auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben."

    Dass Frau Merkel nicht gerade ein intimes Verhältnis zu unserer Muttersprache unterhält, sieht man hier einmal mehr. Was aber nichts daran ändert, dass sie geradezu das Gegenteil von dem gemeint hat, was ihr unterstellt wird: Das Ziel, die Finanzmärkte zu beruhigen und zu stabilisieren, soll durch das Handeln der Abgeordneten befördert werden. Also nicht die Unterwerfung der Politik bzw. der Demokratie unter das Kapital wird hier propagiert - was ja der Begriff "marktkonforme Demokratie" suggerieren will. Sondern es wird nach einem Verfahren gesucht, mit dem der politisch gewollte Effekt am ehesten zur Geltung gebracht werden kann.

    Ein Jahr zuvor hatte Frau Merkel bei einem einschlägigen Kongress geäußert: "Als Politiker müssen wir den Anspruch haben, dass wir den Gestaltungsrahmen setzen und dass wir nicht immer Getriebene von irgendwelchen Marktkräften sind."
  • hessekopp
    am 30.04.2015
    immerhin denkt hebel hier konstruktiv. das ist erfreulich.
    aber wieso die unwort-jury seinerzeit ausgerechnet merkels MARKTKONFORME DEMOKRATIE durchgewunken hat, wird sich mir nie erschliessen.
    dieses diktum verdient nach wie vor den lorbeerkranz als unwort, bzw. UNGEDANKE des jahrhunderts. ..und ist zu einem nicht geringen teil ursächlich für das problematische phänomen 'presstitution'.

    herr hebel, ich erneuere hiermit fristgerecht die nominierung für dieses unwort aller unwörter, in der hoffnung dass es nicht längst zu spät ist für demokratiekonforme märkte.
  • Bernhard Meyer
    am 29.04.2015
    Wenn eine Frau, die in den letzten Tagen mehrfach erleben musste, wie sie von verschiedenen Männern unsittlich angemacht, befingert oder Schlimmeres wurde, wenn die also laut brüllt: "Männer sind Schweine" - dann fände ich es unangebracht, ihr vorzuhalten, dass sie unangemessen verallgemeinere und dumme Pauschalurteile fälle.

    Bestimmt haben viele Menschen seit Beginn der Ukraine-Krise oder bei der Affäre Wulff oder bei der medialen Behandlung des GDL-Chefs oder bei der medialen Behandlung der der Griechen über "die Presse" heftigen Brechreiz verspürt und "Lügenpresse!" gekotzt. Ich kann es ihnen nicht verdenken, weil es mir genauso erging. Herr Hebel war daran beteiligt, "Lügenpresse" zum Unwort zu stempeln, obwohl die meisten Einsendungen für "Putinversteher" votierten. Vielleicht schämt er sich inzwischen dafür.
  • Dr. Dierk+Helmken
    am 29.04.2015
    Der Vorkommentator hat bei seiner Feststellung zu Ziff. 4 Recht.
    Die Unschuldsvermutung sollte dort ihr journalistisches (nicht: forensisches) Ende finden, wo an einer Täterschaft kein vernünftiger Zweifel mehr besteht, beim Fall des Ko-Piloten also als der Voicerecorder ausgewertet war.
  • invinoveritas
    am 29.04.2015
    Dankenswerterweise versucht Stephan Hebel die Balance zu halten zwischen der Anerkennung berechtigter Kritik an Medien und der Zurückweisung pauschaler Negativübertreibung, wie sie in dem unsäglichen Begriff "Lügenpresse" zum Ausdruck kommt. Einige Anmerkungen:
    1. Wie üblich bei diesem Thema fehlt auch hier der Hinweis auf strukturelle Defizite bei der Urteilsbildung im breiten Publikum: Große Teile desselben ersetzen die notwendige Kenntnis einer so vielfältigen Medienlandschaft wie der bundesdeutschen fröhlich und guten Gewissens durch konsequente Pflege von abartigen Feindbildern und Vorurteilen über d i e Medien und d i e Journalisten.
    2. Herdentrieb und Anpassung bei Journalisten haben mit ganz ordinärer (Denk-)Faulheit und Bequemlichkeit mindestens soviel zu tun wie mit der privatwirtschaftlichen Organisation von Zeitungen und Zeitschriften. Journalisten sind nämlich, man höre und staune, ganz gewöhnliche Zeitgenossen, mit denselben charakterlichen Mängeln und Vorzügen wie bei Herrn und Frau Mustermann.
    3. Genossenschaften sind prinzipiell untauglich für die Herausgabe von Presseerzeugnissen. Dafür und erst recht für nichtprovinziellen Qualitätsjournalismus wird mehr Kapital benötigt, als solche idealistischen Modelle bereitstellen können. Die taz mit ihrer langen Geschichte von Selbstausbeutung und ständiger Bedrohung durch Konkurs ist insgesamt ein eher warnendes Beispiel.
    4. Wenn Stephan Hebel die FAZ-Begründung für die Veröffentlichung von Foto und Nachname des Kopiloten als unverhohlenen Abschied von allen Qualitätsstandards geißelt, schießt er leider selbst weit übers Ziel hinaus. Zynismus und Boulevardmentalität sind schlecht, aber Verklemmtheit und übertriebene Selbstzensur auch ganz ungut. Wohin sie führen, zeigt Hebels abwegiger Gedanke, die Täterschaft des Kopiloten bleibe bis zur justiziellen Feststellung bloß im Stadium einer Vermutung.

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