Die Schlange, in Mexiko Quetzalcoatl, bei den Inka Amaru, ist eine zentrale Figur in der Mythologie der Andenvölker. Sie steht für die Andenkette selbst, die sich in Nord-Süd-Richtung über Tausende von Kilometern durch das Land windet, aber auch für Flüsse und Täler und damit für das lebensspendende Wasser. Die Schlange kann ein Vorbote von Unheil sein. Sie spürt fünf Tage vorher, wenn ein Erdbeben naht und flieht. Und so hat die peruanisch-chilenische Künstlerin Ivana de Vivanco ihre Ausstellung in Esslingen auch diesem Tier gewidmet: "Wie klingt das Weinen der Schlange?", lautet der Titel.
"In Atacama, dem trockensten Ort der Welt, ist das Gleichgewicht des Lebens fragil", sagt eine Stimme in der Dreikanal-Videoinstallation im letzten Raum der Ausstellung in der Städtischen Galerie Villa Merkel. "Die Wüste ist großzügig, und ihre Bewohner versammeln sich an Orten, an denen Wasser sprudelt. Doch wenn die Dürre zunimmt und die Temperaturen steigen, beginnen die Feuchtgebiete zu verdunsten. Unterirdische Flüsse versiegen, und die verlassenen Behausungen verschwinden unter Sand."
Das Wasser sprudelt immer weniger in der Atacamawüste im Norden Chiles und im Süden Perus. Denn das Grundwasser der ausgetrockneten Salzseen enthält die größten Lithiumvorräte der Welt. Pro Sekunde werden 2.000 Liter dieses Grundwassers abgepumpt, um dann zu verdunsten, Lithium bleibt zurück. Der Grundwasserspiegel sinkt und die Dürre nimmt zu. Dazu gibt es viele kritische Berichte und ebenso viele beschönigende Darstellungen. Die Stimmen der Einheimischen jedoch fehlen zumeist. Ihre Perspektiven macht Ivana de Vivanco mit den Mitteln der Kunst sichtbar.




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