Lässt sich in seinem Reich auch mal über die Schulter schauen: Vincent Klink, links, mit Norbert Thomma. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 409
Kultur

Er. Der Vincent

Von Norbert Thomma
Datum: 30.01.2019
Der Sternekoch von der Wielandshöhe feiert einen runden Geburtstag. Unser Autor kennt Vincent Klink schon lange – als Journalist, leidenschaftlicher Koch und als Ex-Praktikant auf der Wielandshöhe. Und gratuliert dem rastlos neugierigen Jubilar.

Er pustet in die Querflöte. Er montiert Butter in die Sauce. Er bastelt am Motorrad rum. Er fährt mit dem Klapprädle durch Paris. Er schreibt ein Buch drüber. Er schneidet im Park wilden Schnittlauch. Er braucht jetzt eine Vespa. Er zertrümmert mit dem Hammer Kalbsknochen. Er schießt im Garten mit Pfeil und Bogen. Er zieht die weiße Kochjacke an; er knöpft sie zu. Er liest jede Zeile von Thomas Bernhard. Er zupft an Gitarrensaiten. Er beißt ins Saitenwürschtle. Er wird immer runder.

Er schreibt was für die "Süddeutsche". Er empfängt die Reporterin vom "Feinschmecker". Er schmort fürs "ARD-Büfett". Er lernt das Bassflügelhorn zu spielen. Er illustriert Gemüse für ein Kochbuch. Er begrüßt Gäste in der Wielandshöhe. Er macht eine Jazz-CD. Er probiert die Avocado-Cannelloni des Sous-Chefs ("die braucht mehr Dampf").

Er geht früh ins Bett.

Er posiert für ein einstündiges "Arte"-Portrait. Er fliegt nach Grönland und schreibt die Reportage für "Geo". Er freut sich übers neue E-Bike. Er findet den Teig für die Maultaschen zu dick. Er macht das Layout für seine Quartalszeitschrift "Häuptling eigener Herd". Er züchtet Artischocken. Er zerlegt seinen Fotoapparat. Er malt Ölbilder. Er gräbt im Garten ein Wasserloch und schreit "mein Pool".

Er füttert seine Bienen.

Er macht nie Urlaub.

Er übt für die Ludwigsburger Musiktage. Er signiert Bücher. Er steht mit der Sonne auf. Er liest vor 600 Leuten in Tübingen. Er schimpft über die Nahrungsmittelindustrie. Er lacht über sich selbst. Er regt sich über Stuttgart 21 auf. Er hat eine Sendung im SWR. Er hackt sein Tagebuch auf die Webseite. Er freut sich über die Hechte der neu entdeckten Rheinfischer. Er lässt sich mit Gästen fotografieren.

Er pflegt sein Mittagsschläfle.

Er pachtet eine Gärtnerei. Er schmiedet Messer; er verschenkt sie. Er nascht vom Schokopudding. Er entdeckt handgemachtes Papier und ist begeistert. Er findet die Formulierung "Preis-Leistungs-Verhältnis" so saublöd wie "Geiz ist geil". Er ist jeden Tag neugierig.

Und jetzt ist er, Vincent Klink, 70 Jahre alt?

Er hat keine Zeit zu feiern. Er hat ja noch so viel zu tun.


Koch und Griffelspitzer

Unser Autor Norbert Thomma hat seine journalistische Laufbahn nicht nur als Koch bei der taz begonnen. Er hat seine Leidenschaft für gutes Essen und guten Wein auch als Ressortleiter beim Berliner "Tagesspiegel" ausgelebt und seine MitarbeiterInnen ein Mal im Jahr fürstlich bekocht. Seine ausgetüftelten mehrgängigen Menus sind im Freundeskreis Legende. Im vergangenen Jahr ging Norbert Thomma, der auch als Journalist hartnäckig versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen, als Praktikant zu Vincent Klink. Auf der "Wielandshöhe" lernte er, wie man schnippelt, Brühe kocht und effizient arbeitet. Nach einigen Tagen landete Freizeitkoch Thomma doch wieder in seiner alten Profession. Genauer gesagt, am Computer in der Kontext-Redaktion. Der Profikoch hatte den Journalisten gebeten, sich sein Tagebuch im Internet anzuschauen, der Tübinger Verleger Hubert Klöpfer würde gerne ein Buch daraus machen. Mit tätiger Mithilfe vom Hilfskoch Thomma und dem Journalisten Wolfgang Alber sind so Vincent Klinks Gedanken unter dem Titel "Angerichtet, herzhaft und scharf" erschienen.


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1 Kommentar verfügbar

  • Baden- Mailer
    am 01.02.2019
    Vor einigen Jahren erregte Vincent Klink ein gewisses Aufsehen, weil er Allergikern per Schild an der Eingangstür (rechts) Hausverbot erteilte – aus Protest gegen eine aus seiner Sicht wenig praktikable Allergen-Kennzeichnungsverordn­ung. Zitat: "Dieses freudlose Leben ist die allergrößte Gefahr für die Gesundheit. Ich schwöre, dass jemand der mit Lust und Genuss seinen Hamburger isst, gesünder und länger lebt als die Fraktion, die an ihrem Müsli rumkratzt und dabei in sich reinheult."

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