Rätselautor Skasa-Weiß mit Fanpost in der Kontext-Redaktion. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 370
Kultur

Die Luft ist raus – und 99 Leute sind erleichtert

Von Ruprecht Skasa-Weiß
Datum: 02.05.2018
Anders als der StZ-Chefredakteur haben wir das Rätsel unseres Autors nicht für degoutant gehalten. Sondern für höchst amüsant. Als Osterrätsel haben wir es abgedruckt, die Kontext-LeserInnen hat's gefreut. Sie haben sich mit witterungsstarken Spürnasen an die Auflösung gemacht. Hier ist sie.

Geneigte Rätselleser und -löser,

diese Anrede, für Sie noch ungewohnt, galt 48 Jahre lang allweihnachtlich den Lesern der Stuttgarter Zeitung. Aber siehe da, das jüngste Rätselthema, im Grunde ein Pups, wollte dem StZ-Oberblattmacher absolut nicht gefallen – und was tat er? Er schnippte es fort. Tja, geneigte KontextleserInnen, und so sind nun Sie die Profiteure.

Wir staunen! Nicht nur, dass Sie sich unerschrocken eingelassen haben auf den ei so verdrängenswürdigen Stoff, nein, Sie kamen dem Ganzen, wenn man so sagen darf, auch mit bewunderungswert witterungsstarken Spürnasen bei. Exakt 99 Einsendungen erreichten die Kontextredaktion, das sind bedeutend mehr, als zu erwarten war. Oder sähen die Abonnenten des alten Presseorgans sich inzwischen nach etwas Neuerem um und hätten sich flott unter die Kontextleser gemischt? Wünschten sie gar – zum fünfzigsten Erscheinen, das wir natürlich größer feiern würden – die Fortsetzung der lieben alten Weihnachtsrätselei in Kontext? Sie müssen's nur sagen.

Unser unanständiger Ratestoff scheint ja insgesamt achtbar, aber nicht überall störungsfrei angekommen zu sein. Einigen Lesern verschaffte er furchtbares Grimmen, sie stöhnten und pressten daran herum tagelang bis weit hinter Ostern – anderen wutschten die Lösungen locker und leichthin heraus, sie fühlten sich schon am ersten Feiertag herrlich erleichtert. Welcher Schwierigkeitsgrad ist der rechte? Welches Thema gefällt? Darüber denkt jeder verschieden. Aber hätten wir mit dem Kapitel Pfui tatsächlich ein Tabu berührt?

Darmwinde sind ein kulturgeschichtlich, was sag ich, ein menschheitsgeschichtlich unablässig ventiliertes Thema. Cervantes, Shakespeare, Molière: Geht es um Phänomene der Flatulenz, reden die Größten der Weltliteratur freiweg ihr Wörtlein mit. Egal ob Aristophanes, Benjamin Franklin, Jonathan Swift, Mark Twain oder auch bloß der Juxbold Karl Julius Weber: Sie alle haben sich ausgelassen über den Furz, sei es in Stücken, Plaudereien, Traktaten oder lachend hinterlassenen Papieren. Ohne skatologische Derbheit und rüde Podex-Possenreißerei sind die Schwänke des Mittelalters kaum zu kriegen, und wie es aussieht, kehrt diese Derbheit soeben in unsre Gesellschaft zurück. Insofern lag das Thema unsres Oster-Rätsels voll im Trend.

Wer's nicht glaubte, der musste nur fortlesen bis zum Rätsel Numero 5: Die zwei blähwindgeschüttelten Damen, auf die Sie dort stießen, sind Personen von größter tonangebender Bekanntheit, mit einem Wort: Pups-Prominenz.

Aber klären wir erst mal der Reihe nach, von welchen Stänkern überhaupt die Rede war:

George Clooney ist der bekennende Furz-Fan, dessen größtes Vergnügen darin besteht, seine Umwelt mit Pupskissen zu verschrecken. Auf Clooneys Namen ganz vorn draufgehauen, bringt ebenfalls was: das Tönchen C.

François Rabelais war der Autor, dessen Romanzyklus um die beiden Riesen Gargantua und Pantagruel durchbraust ist von so fürchterlichen Fürzen, dass Heuwagen umstürzten und die Flügel der Windmühlen tagelang ratterten. Eine der hinteren Lettern des Rabelais, die siebte, wie klingt dann die? I.

Günter Grass schildert in seinem Roman "Der Butt" (angeblich schönster erster Satz: "Ilsebill salzte nach"), wie der dicken Grit mal etwas Missliches entfuhr. Dies unten hinten. Grass sehr von vorn bringt uns derweil ein G.

Titus Petronius, so hieß jener römische Autor, der in seinem satirischem Roman "Satyricon" eindringlich davor warnt, Darmwinde zu verheben - weil sie sich ansonsten im Gehirn festsetzen. Und schon entweicht dem Namensklang des Petronius ein Lüftchen, das zweite: E.

Carolin Kebekus ist eine adrette deutsche Kabarettistin, die es in ihren Programmen so lustvoll wie unverdruckst krachen lässt. Flatulenzen, flott feministisch in die Welt gesetzt, sind ihr das Größte, das Erste. In ihren Namen das Letzte ist: S.

Maria Anna Thekla, jawohl, auf eben diesen Namen (und eben nicht auf Anna Maria) war Mozarts Bäsle getauft, welchem der juvenile Komponist die versautesten Briefbillets schrieb. Das Namensfenster der Cousine ganz vorn aufgestoßen, bringt frische Luft: M.

Frank Lampard, berühmt für seinen Wumm, kickte noch vor zwei Jahren beim FC Chelsea. Um seine Blähungen im Zaum zu halten, nutzte er zwar keine Anusröhrchen, aber Aktivkohleslips jederzeit gern. Von seinem Namen ein Stößchen abgelassen, das zweite, ertönt unüberhörbar: A.

Metrokles hieße jener unglückselige griechische Philosoph, dem in feiner Gesellschaft Schlimmes passierte: Ihm kam einer aus. Vor Scham beschloss er, sich zu Tod zu hungern, doch der Kyniker Krates gab ihm pupsend ein Beispiel, dass so ein Windchen mitnichten die Lebenslust trüben muss. Metrokles vorsichtig zuhinterst entlüftet, trägt uns ein leises S zu.

Kim Kardashian, berühmtes amerikanisches Model, lag hochschwanger in ihren Kissen, als der Gatte (der dritte bereits, also der Rapper Kanye West) entsetzt aus dem Schlafzimmer floh. Er konnte die Winde der Schönen nicht mehr ertragen. Das siebte Tönchen vom Namen Kardashian soll uns indes willkommen sein: H.

Gangolf, ein Heiliger, dem leider ein sehr böses Weib beschieden war (das ihn betrog, ermorden ließ und noch am Grab verlachte voll ordinärsten skatologischen Hohns), fand im Himmel späten Trost. Sein Weib drunten auf Erden, so die Legende, konnte urplötzlich nimmer reden, nur noch f---. Gandolf, gottlob, entbietet uns lautlos sein heiliges G.


Und damit hätten wir sie vollzählig beisammen, die gesuchten Lettern: C-I-G-E-S-M-A-S-H-G – macht, gut gemixt, ein GASGEMISCH, was, wie wir sagten, allen Pupsen dieser Welt zu Grunde liegt. Leider fuhr einigen Lesern (neun von den insgesamt 99, um ganz genau zu sein) der falsche Wind in die Chose, so dass sie am Ende zu relativ unerwünschten, ja äußerst befremdlichen Kompositionen gelangten, darunter: EIGENES GAS, METHANGASE, BLAEHUNGEN, GASBILDUNG und – was immer das sei – ARSCHMAGIE. Auch viele Lob- und Dankesworte sowie etliche kecke, bedingt zitierbare Sprüche erreichten die Redaktion, die aber leider aus Platzgründen hier kaum komplett gedruckt werden können. Gleichwohl: für alle Kartengrüße und Ermunterungs-Mails herzlichen Dank!

Eine Mössinger Familie ließ uns wissen, sie habe das StZ-Weihnachtsrätsel "viele Jahre treu gelöst, von Asperg aus" – jetzt aber, nach dem Umzug in einen anderen Landkreis, abonniert auf den neuen kontextuellen Informations-Quell, dann diese Sürprise! "Was für eine schöne Überraschung: das Rätsel, wiedergefunden in ,Kontext'!" Die Knobeltradition, sie lebte fort. Das war doch, rief uns begeistert eine Rate-Madam zu, "wie Weihnachten und Ostern auf einmal". Und ein Waiblinger Rätselgast tat gar - als hätte er bereits den Hauptgewinn – "in Vorfreude auf ein köstliches Mahl" Folgendes kund: "Ich war gerade mit meiner Frau in Paris, und Vincent Klinks Bauch-Buch war uns ein hochgeschätzter Begleiter, wir lieben seinen Humor und seine umfassende Bildung und vor allem, dass er nicht im geringsten abgehoben ist."

Nein, Vincent Klink ist kein Verkniffener. Keiner, den's abhebt, weil er etwas verkneift. Und dem Rätselkompositeur wird es ein hohes Vergnügen sein, mit ihm und seiner Begleitung fürstlich zu tafeln – droben bei dem bodenständigen Herrn Klink zu Stuttgart auf der Wielandshöhe, in einem Sterne-Restaurant, welches sogar in Berlin von allen, die jemals Wind davon bekamen, als überaus dufte bezeichnet wird.

Die Gewinner, gezogen von Glücksfee Annette Ohme-Reinicke, werden von der Redaktion benachrichtigt. Mehr in unserem Editorial Ausgepupst, jetzt wird gefeiert.


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1 Kommentar verfügbar

  • Markus Schäfer
    am 03.05.2018
    Nochmals vielen Dank für das Aussenden dieses Gasgemisches, das die Trauer um das verloren gegangene Weihnachtsrätsel vertrieben hat. Nach dem Umzug in die (Kur)Pfalz war das Weihnachtsrätsel der einzige Grund, sich einmal im Jahr noch die Zeitung aus der alten Heimat zu besorgen. Um auf die Frage von weiter oben zu kommen: Natürlich würde ich mich freuen, das Jubiläum zum 50. an Weihnachten in Kontext zu feiern.

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