Ausgabe 370
Kolumne

Kruzifix aber au

Von Peter Grohmann
Datum: 02.05.2018

... auch wenn das Kreuz kein Kruzifix ist! Wir sind so frei: Weder dies noch das wird beim Kontext-Pressefest am 12. Mai auf der Kulturinsel an die Wand genagelt. Man könnt' dort aber eine Aktion starten: Ein Kreuz für Söder, gebastelt von Abschiebehäftlingen, die ihr Kreuz endlich los hätten. Ja, es ist ein Kreuz mit den Kriminellen!

Neun Prozent der jungen Deutschen sind für die Hälfte aller Straftaten verantwortlich und können nicht ausgewiesen werden. Wie kommt's? Wir Alten sind eben nicht mehr so fit im Sektor Straßenkriminalität, um noch nennenswert zur Statistik beizutragen. Ok, wir können Gerichtsurteile ignorieren (Feinstaub), Imperien in die Pleite führen (Banken & Bahnen) oder auf die Würde des Menschen pfeifen. Aber für den hundsnormalen Diebstahl oder das Sterbenlassen haben wir doch unsere Leute! Ganz nebenbei bemerkt: Von den Flüchtlingen "aus Nordafrika" ist ungefähr jeder Zweite 14 bis 30 Jahre alt, männlich und offenbar von Natur aus gern kriminell. Zwar werden im Heimatland von Omi Glimbzsch (Zittau, Deutschland) naturgemäß ebenso wenig böse Leute produziert wie in Sachsen, Tunesien, Marokko oder Algerien. Doch im Gegensatz zu denen da kann der Deutsche friedlich mit einem Pass wedeln, in Kinderarbeit und Rüstung investieren, eine Kreuzfahrt buchen, fasten oder prassen und sich auf die Würde des Menschen verlassen.

Das Leben des Nordafrikaners – wenn er nicht zur ausbeutenden herrschenden Klasse gehört – ist von Hunger und Armut gekennzeichnet. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Wer solche Fakten weglässt, manipuliert die öffentliche Meinung. Etwa die "Stuttgarter Zeitung", die kürzlich eine "geheime" Lageübersicht des BKA schlecht zitiert und postet, was allein schon die Schlagzeile "Warum Nordafrikaner häufiger Straftaten begehen" zeigt. Köstlich auch: Kronzeuge der StZ ist u.a. Rainer Wendt, rechtslastiges Mitglied von CDU und CSU. Der wegen Gehaltsturbulenzen in Ruhestand geschickte Ex-Polizist hat ja ein gespanntes Verhältnis zu Menschen, die ihre demokratischen Grundrechte wahrnehmen.

Unter jenen Flüchtlingen, die etwa aus dem Süden Amerikas im befreiten Texas landen, dürfte die Zahl der Nordafrikaner relativ gering sein. Die Ursachen für Straftaten liegen vor allem an der Verzweiflung. Nach einer kurzen Phase der Aufnahme- und Integrationsbereitschaft – "Altenpfleger willkommen", so Die Grünen – wird auf Abwehr geschaltet, Menschenrecht hin oder her. Endlich, seufzt da der Populist, kocht sein Süppchen und passt auf seinen Geldbeutel auf. Auf die Bank passt niemand auf. Auf die Presse auch nicht.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter. Alle "Wettern"-Videos gibt's hier zum Angucken.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

2 Kommentare verfügbar

  • Rolf Steiner
    am 03.05.2018
    Wer Menschen in Massenunterkünften zusammenpfercht, darf sich überen deren ständig wachsenden Frust nicht wundern. Nach einem Zitat des Spiegel zu den schlimmen Zuständen im Flüchtlingsgefängnis Büren "komme es häufig vor, dass Häftlinge randalieren und das Personal angreifen. Manche Insassen seien so aggressiv, dass sie in besonders gesicherte Hafträume verlegt und dort über Nacht gefesselt werden." Rund 140 Flüchtlinge sind im Bürener Abschiebegefängnis untergebracht. Die meisten sind nicht wegen Straftaten in Haft, sondern weil sie in Deutschland kein Bleiberecht haben. Was in manchen deutschen Abschiebegefängnissen passiert, ist ein Grundrechteskandal erster Ordnung, der bisher keinen Menschen in Deutschland groß interessiert hat.

    Aber jetzt, nach den Vorfällen in Ellwangen spülen die Medien dieses Thema nach oben. Doch nicht im Sinne von menschenwürdigeren Unterbringungen und dezentralisierten Aufenthaltsorten. Nein, weil sich Menschen wehrten und nicht mehr bereit waren, alles zu schlucken, das als "rechtmäßig" verkauft werden sollte. Der Polizei-Lobbyist Wendt schwurbelt jetzt davon, alle in Ellwangen sich aufmüpfig Zeigenden hemmungs- und völlig rechtlos abzuschieben. Auch die Berichterstattung der Stgt.Ztg.und dpa ließt sich heute wie jene der Kriegsberichterstatter, die in ihren geschützten Stellungen nur darauf lauern, bis der "Einsatz" losgeht.

    Die AfD tobt ob dieser "Gefangenbefreiung" in Ellwangen und will sich an Härte nicht mehr übertreffen lassen. Dabei ist es gerade sie, die sich bei dieser Angelegenheit zurück halten müsst. Haben doch ihre "Brüder im Geiste" im verbrecherischen sog. "3. Reich" selbst dafür gesorgt, dass Massen von Emigranten Deutschland verließen, weil ein terroristisch handelnder deutscher "Staat" ihnen die Lebensmöglichkeiten kriminell abschnitt. Jenes ethisch und moralisch verwahrloste Deutschland blieb und bleibt bis heute ein "Vorbild" für manche afrikanische Despoten, um unliebsame Bürger einzuschüchtern, auszuhungern und zu verjagen. Ist "Wendts Deutschland" bald selbst wieder soweit?
  • Manfred Fröhlich
    am 02.05.2018
    Kruzifix aber au. Jetzt hab i mi auf den Wetterer gfreit ond gmoint heit muss i elles selbr läse. Aber zum Glick doch no d Link zum Fiedeo gesähen. Heilands Blechle aber au!

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!