Wetterer Peter Grohmann – nächstes Mal wieder mit Video. Foto: Martin Storz
Sie sind deutschlandweit unterwegs, Quatsch, was sag' ich: europaweit, weltweit und noch weiter! Ihr bandenmäßiger Missbrauch plündert die öffentlichen Kassen – CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne aber legen eher die Hände in den Schoß, als den Ganoven von Cum-Cum und Cum-Ex das Handwerk zu legen. Der geschätzte Schaden liegt inzwischen bei 150 Milliarden Euro – die Dunkelziffer ist hoch, die Staatsanwaltschaften unterbesetzt, die Finanzämter überfordert, die Medien verschlafen –, aber fast alle beteiligen sich in diesen Tagen an der Hetze gegen "betrügerische Bürgergeldempfänger". Sorry, du musst sehr lange suchen, bis du welche triffst!
In Deutschland gibt man ca. 30 Prozent für die soziale Fürsorge aus, ähnlich in anderen reichen Industrieländern. Hier wurde von den Erfüllungsgehilfen des Staats bei ca. 110.000 Personen Leistungsmissbrauch festgestellt – Verdachtsfälle inbegriffen. Die Problematik hat sich 2026 gegenüber dem Vorjahr nicht verändert, aber das Geschrei vervierfacht. Beim "bandenmäßigen Missbrauch von Bürgergeld und anderen Leistungen" (einer besonders schweren Form des Betrugs) sind die Zahlen 2025 wieder leicht auf 406 Fälle gesunken. 406!
Anders bei Cum-Ex und Cum-Cum. Keine Prollis. Hier betrügt in aller Öffentlichkeit die feine Gesellschaft: Es gibt rund 1.800 Beschuldigte, in etwa 4.000 Fällen könnten Verdächtige inzwischen die Spuren verwischen. Großes Gelächter: Bislang wurden etwa 40 Beschuldigte angeklagt und 24 verurteilt. Die Damen und Herren amüsieren sich köstlich. Sie lieben ihren Staat, den sie weiterhin ausnehmen können wie eine Weihnachtsgans.
Cum-Ex für den schwäbischen Hausmann: Wenn der im Supermarkt Pfandflaschen abgibt, bekommt er einen Pfandbon. Im Copyshop um die Ecke kopiert er den dann einmal, zehnmal oder hundertmal – geht zurück zur Supermarktkasse und holt sich das Pfandgeld für Flaschen, die er nie hatte. Clever. So einfach funktioniert Cum-Ex.
Es ist kein raffinierter Trick ohne Opfer, sondern die organisierte Ausplünderung öffentlicher Mittel unter dem Deckmantel komplizierter Finanzgeschäfte. Genauer? Ich wiederhole gern: Der erwiesene Schaden für den Staat durch Cum-Ex & Co. KG beträgt allein in Deutschland 40 Milliarden Euro (2000 bis 2020), in Europa mindestens 150 Milliarden Euro. Oder so. Es kommt ja nie auf die eine oder andere Milliarde an. Und es ist wie beim Bürgergeld: Die neuen Cum-Ex-Files-Recherchen zeigen, dass die Methoden fortbestehen.
Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator beim Bürgerprojekt Die AnStifter. Dieses Mal wettert er ausnahmsweise ohne Video, nächstes Mal wieder mit. Alle Wettern-Videos gibt's hier zum Nachgucken.




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