KONTEXT:Wochenzeitung
KONTEXT:Wochenzeitung

Das Wettern der Woche

Im Tal der Ahnungslosen

Das Wettern der Woche: Im Tal der Ahnungslosen
|

Datum:

Wer aus dem dunklen Tal der Ahnungslosen, dem Stuttgarter Kessel, aufsteigt zu den lichten Höhen auf den Fildern, der landet direktemang im gierigen Rachen der CMT: Hier kampiert zurzeit die weltweit größte Publikumsmesse für Tourismus, Freizeit und Klimasünden. Zur Sünde selbst äußerte sich angemessen dieser Tage auch der frühere Lützerather Staatsrat Winfried Kretschmann: "Ob wir ein Tempolimit umsetzen oder nicht, ist für den internationalen Kampf gegen den Klimawandel völlig irrelevant." Nu jaja, nu nene, würd' meine Omi Glimbzsch aus Zittau jetzt sagen und Lenin zitieren: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Egal jetzt - Partnerland der CMT ist unser Nachbarland Mongolei: unendliche Weiten, unberührte Natur und kaum ein Mensch zu sehen. Wie auf der Schwäbischen Alb bei Upflamör. Doch das werden wir schnell ändern. Denn ob Hammelfleisch mit selbstgeschabten Spätzle in der Jurte, ob Kreuzfahrten ins Eismeer, Rundflüge über die Slums von New York, ob eine Nacht in einem ukrainischen Bunker, ein Abstecher zu den seltensten Erden in China oder zu zurückgelassenen Freunden in Kabul: Nichts ist unmöglich.

Wenn du Pech hast und zurückkommst in deine angestammte Heimat, sitzt möglicherweise schon der Iwan auf deinem Sofa, schaut Russia Today, um schnell Deutsch zu lernen, oder erzählt deinen Kindern Märchen von Peter und dem Wolf. Er weiß: Die Deutschen sind zwar ein bissel rassistisch, aber reisen gern in die Welt. Sie sind vor allem nicht verteidigungsfähig – die Bundeswehr ist im Eimer. Jedwede Nachrüstung kommt zu spät, denn es braucht 10 Jahre, um uns wehrtechnisch wieder salonfähig zu machen. Eva Högl, eine gläubige Sozialdemokratin mit militärischem Hintergrund, sagt es selbst: Die beschlossenen 100 Milliarden für die Bundeswehr sind ein Nasenwasser – und die aktuell geforderten 300 Milliarden für unsere Soldaten sind nicht aus der heißen Luft gegriffen. Wie gesagt: Jetzt weiß der Russe natürlich, dass wir nicht verteidigungsfähig sind. Airbus und Rheinmetall, Heckler & Koch, ThyssenKrupp, Krauss Mafia, Jenoptik: Die ganz großen Kriegswaffen-Produzenten reiben sich ihre fettigen Hände am Kanonenrohr und an den dicken Auftragsbüchern. Zum Nachtisch gibt's Export auf Teufel komm raus. Natürlich müssen die Rüstungsfirmen die Regierung höflich und mit Spenden bitten, den Export zu genehmigen – gut Freund in Koalition und Opposition. Von Seiten des Staates werden strittige Anträge meist mit dem Verweis auf außen- und sicherheitspolitische Interessen genehmigt. Der Waffenhandel ist ja auch Teil der Beziehungspflege. Und wenn's bei uns zu teuer wird, verlagern wir die Produktion nach China.

Leistung muss sich wieder lohnen. Porsche kann in 2,8 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigen, die 100 größten Lebensmitteil- und Energiekonzerne haben ihren Gewinn mehr als verdoppelt – und Sie?

Genau! Das meine ich.


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT!
KONTEXT unterstützen!

Verbreiten Sie unseren Artikel
Artikel drucken


1 Kommentar verfügbar

  • Ruby Tuesday
    vor 5 Tagen
    Antworten
    Natürlich ist auch Panzer, Granaten und andere Sprengmittel liefern völlig irrelevant für´s Klima. Und die Ukraine verkraftet alle ihr zugemuteten Umweltverbrechen, die nicht nur von den Russen begangen werden. Wir können ja alles wieder aufbauen. Dauert dann wohl etwas länger als im Ahrtal. Dennoch…
Kommentare anzeigen  

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer Mittwoch morgens unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Letzte Kommentare:






Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!