Ausgabe 441
Kolumne

Kindstötung in Dessau

Von Peter Grohmann
Datum: 11.09.2019

100 Jahre Bauhaus, die Kanzlerin rühmt. Kontext ist weltweit die einzige Wochenzeitung, die das deutsche Bauhaus-Nest beschmutzt und an die Kooperation berühmter Bauhäusler mit der NSDAP erinnert. Das kommt einer Kindstötung gleich, aber die NSDAP war ja in ihren Kinderjahren nicht wirklich schlimm, wird allgemein gesagt. Okay, auf dem Papier schon, mein Kampf hin, dein Kampf her, aber eben nicht in der Praxis. Die kam ja erst viel später, als genügend Zuspruch und Knete aus Industrie, Handel und Gewerbe da war. Das erinnert mich gern an übermorgen, ans Bevorstehende. Nein, nicht was Sie jetzt gleich wieder denken, Gott bewahre!

Bei den Analysen der jüngsten Wahlen tut man ja gern so, als seien die Menschen zwischen Elbe und Oder etwas minderbemittelt, pekuniär und im Koppe. Das macht zwar die Verdauung der Wahlergebnisse deutlich leichter, hält aber nicht vom Durchfall ab und stimmt nicht. Die KI (kritische Intelligenz) ist in allen deutschen Landen gleichermaßen ausgeprägt oder eben nicht. Hier oder da ist der freie Zugang zu Medien, Kinderläden, Gymnasien, zu linksradikalen Jugendzentren oder anderen Bildungsträgern schwer oder gar unmöglich, aber das hat nichts mit der Windrichtung zu tun. So dumm, dass man nicht weiß, wen oder was man wählt, sind nur sehr wenige. Dass es kein Postamt nirgends mehr gibt, keine Ärztin, dass kein Bus mehr hält, kein Lebensmittelladen auf oder zu hat, kurz, dass die Infrastruktur in die Binsen geht, das trifft auf die Lausitz, das Saarland, Meck-Pomm oder den Kreis Heidenheim zu, hat nix mit Grün, Schwarz oder Klein-Rot zu tun. Es rentiert sich einfach nicht mehr, aus die Maus. Und das hat mit Grün, Schwarz oder Klein-Rot zu tun.

Klar, die gewählte und gemachte Erfahrung! Die hatten den 17. Juni, die Kommunisten, die Massenflucht, die Wende. Wir hatten Flüchtlinge, Westgeld, Wolfgang Abendroth und ein Auto. Wir hatten Mappus, die Biedenkopf. Wir hatten vorher auch fast nur Filbinger oder Oettinger, Kiesinger und Hegel, die Krenz oder Mielke, Gorbatschow (gilt!), Havemann und Modrow. Heute ist alles anders. Heute haben alle alles – außer denen, die zu wenig haben und mit Reisefreiheit zu den Konservativen in England nichts anfangen. Die wenig Interesse am Regenwald oder der Biennale in Venedig haben. Gut, Frauenkirche oder Dessau, das neue Museum. Aber alle haben Greta, alle die Chance, am 20.9. das Maul aufzumachen, Plakate ins Fenster zu hängen, freizunehmen oder zu streiken, mit Freuden zum Protest zu gehen oder mit meiner Omi Glimbzsch aus Zittau darüber nachzudenken, wie der Regime- und Klimawandel am klügsten zu machen ist. Ist doch auch was.


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter.  Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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