Ausgabe 403
Kolumne

Diesmal rechtzeitig: das Weihnachtsrätsel

Von unserer Redaktion
Datum: 19.12.2018

Das Weihnachtsrätsel wird 50. Ein Hoch auf Ruprecht Skasa-Weiß. Er hat das halbe Hundert voll gekriegt, der "Stuttgarter Zeitung" zum Trotz, die ihn so schmählich abserviert hat. Das war 2017 kurz vor dem Fest, und das war ihr verklemmter Chefredakteur, der den feinen Anstand verletzt sah. Wir erinnern uns: Es ging um Flatulenz.

Kontext hat gerne geholfen, weil Kollege Skasa so viele unbehauste Menschen zurückgelassen hat. Seitenweise haben sie ihm geschrieben über ihre Enttäuschung, nicht mehr knobeln, Bücherregale durchstöbern, Lexika wälzen und (verschämt) im Internet nachforschen zu können. Immer auf der Suche nach den zehn Buchstaben, die am Ende ein Lösungswort ergaben. Also hat Kontext gedruckt, zwar erst an Ostern, weil noch einiges zu klären war, aber mit großer Freude.

Diesmal sind wir rechtzeitig dran, und auch diesmal hat Oliver Stenzel eine wunderbare Zeichnung beigesteuert. Rapunzel lässt ihr Haar herunter, zum Geburtstagsgruß verzopft, als Referenz an den Rätselmeister, der sie gewiss aus den Klauen der bösen Zauberin gerettet hätte. Wie wir sehen, ist Skasa nämlich auch Turm-Experte. Der Gegenstand habe sich angeboten, sagt er, weil sich jetzt alle Rätsel zu einem Höhepunkt hin bewegten. Aufgetürmt zum Fünfzigsten.

Um Fachmann zu werden, genügt natürlich die eigene Anschauung nicht, das Rauf-und-Runterfahren in New Yorker Wolkenkratzern beispielweise. Wenn er davon erzählt, ist das Staunen spürbar, das Sichwundernkönnen, das ihn ein Leben lang begleitet. Skasa braucht auch die Geschichte und die Geschichten, weshalb er Wochen vor dem Schreiben in die Landesbibliothek entschwindet, freundlich begrüßt von hilfreichen Geistern, die wissen, warum er da ist. Aha, der Herr bereitet wieder ein Weihnachtsrätsel vor.

Ja, er hat es wieder geschafft, Frau Roswitha H. aus Calw. Vor wenigen Tagen hat sie ihm geschrieben und gefragt, ob sie wieder mit ihm rechnen könne? Ihre Rategemeinschaft aus Calw, Brackenheim, Immenstadt und Korntal schwelge bereits in schönen Erinnerungen an "harte Rätselnüsse". Und Giancarlo A. lässt cordialmente wissen, dass er nicht mehr erleben wolle, wie Ochs und Esel, Maria und Josef und das Kind unterm Christbaum versammelt sind – und der Skasa fehlt. Carissimo signor A., eccolo.

S-21-Weihnachtsbotschaft

Dass wir das noch erleben dürfen. Jahrelang schien die Haltung Winfried Kretschmanns zu Stuttgart 21, über all die Kostensteigerungen, Verzögerungen und Probleme hinweg, unverrückbar: Der Ministerpräsident war zwar nie ein Freund des Tunnelbahnhofprojekts geworden, aber nach der Volksabstimmung im November 2011 sei es halt rum, in einer Demokratie gehe es nun mal nicht um Wahrheit, sondern um Mehrheit, oder kurz: "Der Käs' isch gessa." Dass durch die Kostensteigerungen des Projekts die Volksabstimmung nicht mehr verbindlich sei, sagten schon früh viele Menschen, etwa Ende 2012 der Rechtsexperte Joachim Wieland in Kontext. Denn: "Das Volk hat abgestimmt vor der Information, dass sich der Höchstbetrag innerhalb der Grenze von 4,5 Milliarden Euro halten würde."

Doch ist nun etwa, um sprachlich im Bilde zu bleiben, "gnuag Hai honda"? Nachdem die Bahn jüngst (für Kundige auch nicht gerade völlig unerwartete) Schwierigkeiten beim Bau des Flughafenbahnhofs einräumte, soll Kretschmann nicht nur seine Empörung zum Ausdruck gebracht haben, sondern er habe auch, berichtet die StZ, auf der Landespressekonferenz das Verfahren für die Volksabstimmung angesichts der immer neuen Hiobsbotschaften infrage gestellt. Und er habe angekündigt, obwohl direktdemokratische Entscheidungen "schwer zu korrigieren" seien, dass die Landesregierung nun wie in der Schweiz zu einem mehrstufigen Verfahren kommen wolle, um mit den Problemen des Projekts umzugehen. Das klingt zwar noch reichlich nebulös, aber doch hoffnungsvoll, und wir sind schon mal sehr gespannt, ob es bei der nächsten Landespressekonferenz zu einer neuen Zustandsbeurteilung des Käses kommt. Wir drücken die Daumen.


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2 Kommentare verfügbar

  • Charlotte Rath
    am 19.12.2018
    Zu S 21: Aktuell heißt es, der Landesflughafen solle für ein Jahr vom südöstlichen S-Bahn-Betrieb abgehängt werden; wobei es bei der DB AG erfahrungsgemäß auch gerne etwas mehr werden darf. Vom nordwestlichen Anschluss via Gäubahn (vom Hauptbahnhof Stuttgart kommend) wird der Landesflughafen gleich mehrere Jahre abgehängt.
    So hat man sich also eine Stärkung des Schienenverkehrs im Frischluftlabor Stuttgart vorzustellen. Noch erstaunlicher: Obwohl keine Zahlen darüber vorgelegt wurden, wie viele Flughafengäste denn mittels S 21 für den Bahnverkehr gewonnen werden können bzw. zusätzlich für den Flugbetrieb, hatte die Flughafengesellschaft (Stadt Stuttgart, Land Baden-Württemberg) dafür schon vor Jahren Geld bezahlt. So wie es derzeit aussieht: Zunächst einmal für Leistungsminderung. Weshalb lassen sich die Schwaben das alles aus dem Berliner Bahn-Tower bieten? Ebenfalls ein (Weihnachts-)Rätsel - allseits schöne Bescherung!
  • Josef Tura
    am 19.12.2018
    Der verklemmte Herr Dorfs mit seiner Furz-Phobie war Anlaß für unsere Familie, das StZ-Abo zu kündigen. (Naja, sagen wir mal: es war der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte! Wir wollten nämlich auch nicht mehr allüberall sein Foto mit dem gespitzten Kußmündchen sehen müssen...) Und siehe da, nach einem ganzen Jahr ohne Stuttgarter Zeitung stellen wir fest: es fehlt uns so garnix, nada, niente. Viele Inhalte des Einheitsblättles StZ (StN, Eßlinger Zeitung usw,.usf.) sind mit dem Wort "obsolet" ja noch gelobt. Leid tuts einem halt nur um die guten und seriösen Journalisten, die mit so einem Chefredakteur zurecht kommen müssen.

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