Ausgabe 375
Kolumne

Kruzitürken

Von Peter Grohmann
Datum: 06.06.2018

Jetzt hammer's! Das Kreuz des Südens hängt seit dem 1. Juni schief im Jahre des Herrn 2018 über den bayrischen Dächern: Leuchten sollten sie, die fünf Sterne des Populisten Söder. Dem Gekreuzigten aus München schwimmen die Felle davon, und kein Ankerzentrum weit und breit! Es rettet ihn kein höh'res Wesen, sang ihm der Heilige Vater in Rom ins Ohr. Vergebens.

Der Italiener als solcher ist ja guter (Europa-)Liebhaber, aber er kann seine alten Parteien auf Teufel komm raus nicht mehr leiden. Die haben über Jahrzehnte geschummelt und betrogen, sagt er sich, und mit Europa war's auch keine wahre Liebe. Er greift wie der Flüchtling auf dem Mittelmeer nach dem letzten Strohhalm – halb links, ganz rechts, halb mittig, halb egal, aber immer ganz volksnah, etwas Wagenknecht, etwas Söder, etwas Trump, etwas Putin, eine Prise SPD mit Grünkern.

Unsereins muss nun tüchtig mit dem Südländer schimpfen, weil er uns ins Schlamassel führt. Oder waren das doch eher die traditionsreichen demokratischen Parteien? Polit-Kommissar Günther Oettinger (einer von uns) ist ehrlich genug: Die Märkte weisen euch den Weg – und sonst garnix. Ich sag mal so: Hauptsache, der Italiener hält uns die Flüchtlinge vom Hals.

Emmanuel Macron seinerseits will die Fluchtursachen durch eine Interventionsarmee bekämpfen: Angela Merkel ist dankbar über jeden Vorschlag. Kein Mensch hat vor, eine Mauer zu bauen, sagte meine Omi Glimbzsch in Zittau gern. Und wenn der Italiener oder Grieche nicht gut tut, kommen wir mit Oettinger, General Speidel und der Deutschen Bank zum Aufräumen. Abflug in Hamburg.

Bei der Räumung von zwei besetzten Wohnungen in Stuttgart-Heslach musste die Armee leider noch nicht eingreifen, da reichte die Ausgangssperre für die Göppinger Hundestaffel der Bundespolizei, die Abriegelung des Viertels und 100 für den Nahkampf ausgerüstete Polizisten mit Schlagstock und Pfefferspray. Die Behörden, so hört man, wollen keine Illegalitäten nicht länger dulden.

Ich entschuldige mich für jede Polemik, auch Ihre. Auch die Bahn hat sich nochmal entschuldigt, wegen Eschede. Verspätung: 15 Jahre. Bundespräsident Steinmeier hat sich letzte Woche ebenfalls entschuldigt, da war die Verspätung noch krasser: 85 Jahre.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter.Alle "Wettern"-Videos gibt's hier zum Anschauen.


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1 Kommentar verfügbar

  • hellmut haasis
    am 07.06.2018
    also jetzt peter entschuldige ich mich bei dir und der schnippeleifrigen kontext-redaktion, dass ich euch vor zwei wochen einen SAUDUMMEN kommentar zur militärmesse geschickt habe. reine profokation.
    ich wollte nur beweisen, dass die redaktion schiss vor einem prozess der bereitschaftspolizei biberach hat. da hab ich vor jahren einen presseoffizier laif erlebt, der film- und sonstige schaffende zu einem virtuellen erschießungskommando aufforderte. schnipp - und verscchwunden war mein kommentar.
    grund? ein prozess kostet viel geld, ich aber besitz nur noch drei lange und zwei kurze hosen. ich entschuldige mich nochmals, ich werde nie mehr was ooagnehms über die BEPO schreiben. versprochen. - peter, warum sagte OMA GLIMBSCH in dresden nix dazu? ich entschuldige auch sie. hellmut g. haasis aus reutlingen.

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