Ausgabe 371
Kolumne

Stiefellecker

Von Peter Grohmann
Datum: 09.05.2018

Heute widmen wir das Wettern der Woche den Männern: Herrn Winterkorn aus Zuffenhausen, Herrn Höcke aus Bornhagen, Herrn Salomon aus Freiburg, Herrn Orban aus Budapest und Herrn Söder aus München. Winterkorn wurde soeben verhaftet – das wäre die schönste Meldung und die Bestätigung dafür, dass die Justiz vor nichts halt machen darf. Die zweitschönste wäre folgerichtig die Festnahme der vielen anderen Auto-Halunken einschließlich der Spitzenfunktionäre des Kraftfahrtbundesamts.

"Volk! Kümmere dich ebenso sehr um die Details wie um die Prinzipien", mahnte Karl Marx 1848. Ob ihm sein vorläufig letztes chinesisch-stämmiges Denkmal gefallen würde, ist zu bezweifeln. Dass den Staatskünstlern in Fernost die Freiheit aller wie die des Einzelnen eher am Allerwertesten vorbeigeht, liegt auf der Hand. Hätten sie mal lieber zum 200. Geburtstag 1000 politische Gefangene freigelassen. Richtig, den Unterdrückten Hoffnung geben, überall. Den Rest zwischen Hoffnung und Realität müssen sie selber machen. Manchmal gibt es dann einen Aufstand, manchmal nur eine Wahl, doch: "Wer sich gern lässt strafen, der wird klug werden; wer aber ungestraft sein will, der bleibt ein Narr" – Kapitel 12 der Sprüche Salomons.

Am 15. Mai startet in Stuttgart der Prozess gegen sechs Leute aus dem Rüstungsunternehmen Heckler & Koch. Sie werden angeklagt, an illegalen Waffenexporten in mexikanische Unruheprovinzen beteiligt gewesen zu sein. Dort kämpfen die "kleinen Leute" gegen Menschenrechtsverletzungen und systemische Gewalt, letztlich auch gegen die Bundesrepublik, die die Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz duldet. Die Waffen waren am 26.9.2014 beim Überfall auf Studenten in Ayotzinapa im Einsatz. Das Ergebnis: sechs Tote, 43 Verschleppte, die bis heute verschwunden sind.

In den Zittauer Niederungen meiner Omi Glimbzsch hat man oft genug ebenso auf Sitte, Anstand und Moral gepfiffen wie bei Björn Höcke, Porsche, der Post oder in den aufsichtführenden Behörden der Bundesregierung. Stattdessen leckt man die Stiefel der Übelkrähen: Das sind unsere Handelspartner, Wahlhelfer und bewaffneten Grenztruppen, Garanten von Wohlstand und Demokratie – wie Markus Söder.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts Die AnStifter.Alle "Wettern"-Videos gibt's hier zum Anschauen.


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1 Kommentar verfügbar

  • Peter Meisel
    am 13.05.2018
    „Kapital Strömung“ berichtet über Karl Marx, dass er im Frühling 1851 an Friedrich Engels schrieb:
    „Ich bin soweit, dass ich in fünf Wochen mit der ganzen ökonomischen Scheiße fertig bin.“
    Genau vor einem Jahr hatte die Kunsthalle Tübingen künstlerische Positionen zu den „Im Kern ursächlichen Kapitalströmen und der sozialen Ungleichheit“ mit Blick auch auf die soziale, kulturelle oder ökologischen Entwicklungen aufgezeigt. Die zunehmende Globalisierung war das Thema und sollte m.E. durch die „Digitalisierung“ ergänzt werden.
    Das war tatsächlich seine Botschaft: "Volk! Kümmere dich ebenso sehr um die Details wie um die Prinzipien“.
    So wichtig ist mir KONTEXT als Hilfe beim Hinschauen. Wer nicht hinschaut, kann nichts sehen (KRABAT) oder „der bleibt ein Narr" – Kapitel 12 der Sprüche Salomons.“
    Gerade wurde das Narrenschiff von Peter Lenk in Bodman enthüllt, dessen Botschaft ich begeistert begrüsst habe, so sollen jetzt auch die Rüstungsunternehmen auf den Tisch kommen.
    Mir ist bereits mein Abgeordneter der CDU aus Esslingen/Neckar, Markus Grübel aufgefallen. Er war bisher Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung und für die Waffen-Exporte mit verantwortlich. Die kommen am 15. Mai in Stuttgart auf den Tisch? Ein Prozess gegen sechs Leute aus dem Rüstungsunternehmen Heckler & Koch?
    Mich wundert nicht, dass Markus Grübel jetzt umgesattelt hat. Aktuell, 12.04.2018
    Markus Grübel wird Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit. Zitat:“Meine neue Aufgabe verstehe ich auch als Einsatz für den Frieden und zur Minderung von Fluchtursachen.“ Gratuliere!

    Genau das Hinschauen war das Anliegen von Karl Marx. Die Zeit ist gekommen! Aus Geld wir Kapital und er erinnert uns daran, dass unser Kapital im caput d.h. sich in unserem Kopf befindet und wir es nutzen und mehren sollten. Das ist, was wir mit sehr guter „Bildung“, selbst nutzen können! Den Gravitationskräften der Bereicherung arbeiten Zentrifugalkräfte der Gesellschaft entgegen. Bis die sinnlose Armut dem sinnlosen Reichtum ein Ende macht. Marx deutet an, die Überproduktion und Unterkonsumtion bringt den Überfluss an Geldkapital zum Kollaps! So sah es bereits Diogenes in der Tonne: „Geh mir aus der Sonne“!

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