Ausgabe 339
Kolumne

Wir sind die stärkste der Partei'n

Von Peter Grohmann
Datum: 27.09.2017

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
wir sind die stärkste der Partei'n.
Die Müßiggänger schiebt beiseite!
Diese Welt muss unser sein.

Liebe SozialdemokratInnen, willkommen in der Opposition, auch bei Kontext. Na ja, so ganz Opposition, so ganz radikal, fundamental nun auch wieder nicht. Denn online oder geprintet agiert und diskutiert und informiert hier eine gemischte Gemeinde von Andersdenkenden. Einig ist die sich über ein paar Grundsätze, die kennt ihr ja auch noch: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Demokratie und das ganze Drumrum, und echt jetzt: Mehr Gerechtigkeit!

Wie bei euch ist man sich aber nicht ganz einig, wie man da hinkommt. Klar, mehr freie Presse, mehr freies Wort, mehr Mut zur Kritik. Mehr offenes Visier. Mehr Geld. Da wären wir auch schon bei Euch und den neu gewonnenen Einsichten: Dass das alles viel Zeit und Nerven und Geld kostet. Nein, Kontext braucht keinen Zehnten. Kontext braucht den Zehner, und mehr. Das ist ein eher bescheidener Hinweis auf fehlende Solidaritätsgroschen.

Jetzt was anderes. Viele Leute haben eine höllische Angst, ihren Namen zu nennen, wenn sie im Netz meckern oder unartig sind oder einfach nur ihre Meinung sagen. Sie heißen dann sonne2 oder Bittersalz oder Hugo und glauben fest, dass es nicht der Milchmann ist, der morgens klingelt, ja, dass sie wegen eines offenes Wortes ihren Job, ihre Wohnung oder ihre Frau verlieren – wie zu Zeiten der Sozialistengesetze. Nein, ich mein' jetzt nicht die anonymen Scheißer, die mit Prügel oder Totschlag drohen und bei denen die deutsche Justiz ohnmächtig ist. Ich mein' die Beckmesser und liberalen Lehramtsanwärter von der Achse der Guten, die intellektuellen Lieferanten der AfD.

Niemanden aufregen, alle beruhigen, keine großen Debatten, keine Veränderungen, keine Kritik, alles Konsens, ganz breitgetreten – vielleicht ist das jetzt vorbei. Ob die alten Weichmacher von heute auf morgen in der Lage sind, Kante zu zeigen? Dass die Lehren aus dem Nationalsozialismus normativ sind für die Gesellschaft, aber schon seit langem aus der Mitte heraus angegriffen werden, haben die Anständigen geflissentlich übersehen. Nicht nur das. Sie haben weggeguckt, wenn andere auf der Straße waren, um zu protestierten, zu warnen. Schön, dass das jetzt alles ein Ende hat. Schön, dass nun selbst die Nachbarn von links fragen, wieso 12 Prozent ihrer WählerInnen nach stark rechts gewandert sind, nicht nur bei meiner Omi Glimbzsch in Zittau.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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4 Kommentare verfügbar

  • Andromeda Müller
    am 01.10.2017
    Noch ein kleines Zitat unten über das ich gerade gestolpert bin , zu meiner Rückendeckung , steht einfach "plötzlich" da unter dem Titel .
    Der Ihnen vielleicht bekannte Autor H.-G. Behr schrieb einmal ein schönes Buch namens "Söhne der Wüste, - Kalifen , Händler und Gelehrte" , sehr flapsig , umgangssprachlich geschrieben , aber in der Geschichte der Entstehung und Ausbreitung des Islam sehr lehrreich bzgl. Mustern der Politik , deren Wiederholungen sich gerade heute auch in der sehr abendländischen bis abendlänischen Politik wiederfinden.

    Unter dem Titel prangt ein Zitat von Mas`udi : Muruju`l-Dhabab (mir unbekannt)
    "Aus der Geschichte können wir lernen , daß noch nie aus der Geschichte gelernt wurde:"
    Ich war also nicht der erste Mensch mit dieser Erkenntnis , da bin ich echt froh drum.
    Ist ja mal ein Anfang .
  • Andromeda Müller
    am 30.09.2017
    Sehr geehrter Herr Grohmann ,
    ich weiß folgende Zitate nicht zu interpretieren :
    1.
    "Ich mein' die Beckmesser und liberalen Lehramtsanwärter von der Achse der Guten, die intellektuellen Lieferanten der AfD. "
    Meinen Sie dies wirklich so ? Die Softies mit Bart und großer Brille aus der Werbung , nach deren Facon alle sich liberal und intellektuell haltende Juppies heute rumlaufen , sind die intellektuellen Lieferanten der AFD ? (Beckmesser ? Keine Ahnung , was das sein soll, 0 Assoziation).
    Hm , vor langer Zeit kommentierten Sie mal von der ominösen "Querfront". Bei den Krawallen in HH , nur so zum Beispiel , hat das aber nicht gepasst. Die AFD war ,neben CSU/CDU/FDP/Ebert-SPD natürlich am allermeisten empört.
    Und warum soll es denn eigentlich nicht auch Themen geben , bei denen "links" und "rechts" Übereinstimmungen und vielleicht auch beide Recht haben ? ( Gr zurück zur Drachme/Varoufakis/Wagenknecht/Lucke oder Kritik am Neofeudalismus/ Neokolonialismus, euphemistisch auch "- liberalismus" genannt , beide z.B. in Symbiose beim Neokolonialismus der Troika IWF,EZB,EU zu GR ). Warum nicht Kritik an dieser Barroso-blanker Kapitalismus-EU +CETA ? (Macron ? Pulse of Europe? March of Sciences ? "Populismus" ? Neofeudale PR-Propaganda , denn 5-Sterne/I, Tsipras/GR,Podemos/ES werden doch auch pausenlos diffamiert ). Alles außer der neo"liberalen" Schiene wird kritisiert , diese aber weiß Gott wie "liberal" inthronisiert. "R
    Ich empfehle Ihnen ganz dringen den Vortrag "Der Neoliberalismus ist das Ende der Demokratie" bei youtube , u.a. von Prof.Mausfeld.
    Ist nicht gerade die "Mitte" , CDU,FDP,CSU,SPD,Grüne , und man sieht es schon, auch die AFD, radikal als Verfechterin des totalen Kapitalismus/Neofeudalismus und-kolonialismus , euphemistisch Neoliberalismus/Globalisierung zu nennen ? Teil der totalitären Trias Nationalismus--Kommunismus-kapitalistischer Neofeudalismus ?
    Die AFD ist ebenso wie Podemos usw. einfach das Ergebnis des totalen "Marktes", des Neo"Liberalismus" , Punkt (HRE Fell und Funke heute wieder ganz aktuell ? Bei solchen "Vorkommnissen" passiert nix , das ist längst systemimmanent).
    Und ihre "Gutmenschen" werden auf das Symptom AFD abgelenkt und sollen die "Chancen der Globalisierung" ergreifen , sozusagen "gegen" die AFD.
    Gerne zählen Sie alle Vorteile der Globalisierung für Sie persönlich und Hinz und Kunz mal auf. Und vergessen z.B. Hinz und Kunz Bangladeshis oder Rhongyia nicht.
    Sonst wird es mir nämlich zu national !
    Lehramtsstudenten...., sehr nett aber für mich politisch Ahnungslose .
    2.
    "Dass die Lehren aus dem Nationalsozialismus normativ sind für die Gesellschaft, aber schon seit langem aus der Mitte heraus angegriffen werden, haben die Anständigen geflissentlich übersehen. Nicht nur das. Sie haben weggeguckt, wenn andere auf der Straße waren, um zu protestierten, zu warnen."
    Die Lehren aus dem Nationalsozialismus waren nur als politisches Kampfmittel , als Argument im Empörungs-und Meinungsmanagement für "Entscheider" interessant . Ich kann einfach nirgendwo erkennen , daß aus dem 3. Reich oder anderen menschengemachten Geno-/Ethnoziden irgend jemand , irgend eine Regierung jemals etwas gelernt hätte , und danach Politik treiben würde . Das ist einfach nicht wahr.
    Eine Ausnahme vielleicht war für einige Zeit die deutsch-französische Freundschaft und Aussöhnung zwischen zwei Staaten mit ähnlichen "Demokratie"-Defiziten.

    Die Lehren aus dem Nationalsozialismus interessiert keine Regierung der Welt .
    Dazu braucht es nicht Attacken "aus der Mitte der Gesellschaft". Die "Lehren" werden permanent missachtet in Politik , Wirtschaft und Medienwelt. Sie müssen auch nicht mehr angegriffen werden , sie sind längst erledigt und mausetot : Von Korea-Vietnam bis Guantanamo , jetzt Venezuela uvm. , von Ruanda zu den Rhongyia , von Narendra Modi bis Netanjahu , von Idi Amin bis Mugabe und Mobutu, von Tibet/Uiguren zu den Aborigines , von allen Indigenen der Welt bis zu den anderen Verlierern des Neofeudalis-
    mus.
  • David Sohn
    am 29.09.2017
    Warum so giftig auf andere Medien und Meinungen? Schön, daß es wenigstens im online eine Bandbreite gibt welche im Print fehlt. Auf neue Parteien wird immer gerne eingedroschen. Machtverlust und Deutungshoheit sind eben unangenehm
    • Bernd Oehler
      am 30.09.2017
      »Warum so giftig auf andere Medien und Meinungen?« - fragen Sie das auch dort, wo Sie so gerne Ihre Erkenntnisse beziehen, bei EIKE und Co.? Oder habe ich dort und bei AfD, Pegida und Konsorten nur den pluralistischern Ansatz noch nicht entdeckt?
      Abgesehen davon fremdeln Sie wohl mit der Idee vom »Wettern der Woche« – aber Satire hat es rechts ja immer schwer gehabt …

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