Ausgabe 244
Kolumne

Prima Klima

Von Peter Grohmann
Datum: 02.12.2015

Momentan streitet sich das Land, ob 1200 Soldaten deutscherseits wirklich ausreichen und was besser ist: Landkrieg, Luftkrieg oder Seekrieg. Oder Olympia? Was meinen Sie? Kommen Sie mir jetzt nicht mit der Verfassung! Der Soldat in uns scharrt schon ungeduldig mit den Stiefeln, während sich auf der anderen Seite der Front die Pazifisten vor Militärmusik am 1. Advent ekeln. Hier wie dort: Die Pfarreien versprechen den Reisenden seelischen Beistand, jedem einzeln in die Hand. Die anderen sind oooch nich bessa, tät' meine Omi Glimbzsch aus Zittau sagen, und in alter Erinnerung: Geh' doch in die Oberstadt, mach's wie deine Brü-hü-der!

Das Elend der Vorstädte ist der ideale Nährboden für die Kriege von morgen. Ich bitte Sie: Woher sollen denn die Ungebildeten wissen, dass die Kriege nicht zu gewinnen sind? Das wissen ja nicht einmal wir und wenn wir's je gewusst haben: längst vergessen. Die aus den Vorstädten in den Krieg ziehen, wissen nur, dass sie im Frieden todsicher die Verlierer sind, seit Generationen. Das könnten wir ändern, wenn wir wollten. Wir sind steinreich und gebildet.

Einerseits, andererseits, sowohl als auch: Nicht wenige der Gebildeten in meiner unmittelbaren Nachbarschaft glauben allen Ernstes, dass da der Ami dahintersteckt, hinter allem, und nicht wir: hinter den Fluchtbewegungen, hinter den Fluchtursachen, hinter dem VW-Skandal, hinter der Klimakatastrophe etc. pp. Die wollen Deutschland kaputtmachen! Was uns zeigt: Bildung hat letztlich auch Grenzen, Außengrenzen. Je mehr wir den Stacheldraht ausrollen und den Terror-Touristen ein "Stoi!" zurufen, vielleicht auch fragen: "Gänsefleischt 'n Gofferraum effnen?" umso weniger Kohle haben wir für mehr Bildung. Ich weiß, das ist alles sehr kompliziert und hat auch mit dem Pariser Klima-Kipferl zu tun, und ich versteh's ja selbst kaum! Vier Jahre Volksschule was willste da schon schreiben! Ich hoffe, Sie denken mit.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die Anstifter.


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4 Kommentare verfügbar

  • Schwabe
    am 04.12.2015
    Syrien bietet uns die Chance eventuell erneut auf dem Siegertreppchen zu stehen - wäre das nicht schön Herr Lotter?

    Durch das Bundestagsmandat zum Syrieneinsatz wird die deutsche Bevölkerung von den eigenen Volksvertretern/Politikern bewußt und konkret tödlichen Anschlägen durch terroristische Gruppen ausgesetzt. Denn Deutschland wird erst mit diesen Flugzeugen zur Kriegspartei! Ganz zu schweigen von den vielen zivilen Toten in Syrien durch unser mitwirken.
    Um diese Verantwortung schon im Vorfeld von sich bzw. von den Politikern zu weisen erzählt uns die Kriegsherrin und Märchentante von der Leyhen: "Machen wir uns doch nichts vor, wir sind doch schon lange im Fadenkreuz des IS"! So einfach ist es uns was vor zu machen und Verantwortung von sich zu weisen.

    Alles was passiert geschieht nicht zufällig - Kriege werden gemacht!

    Mittels ihrer jüngsten, bewußt völkerrechtswidrigen, menschenverachtenden und provozierenden Verbrechen (NATO Osterweiterungen, Jugoslawienkrieg, Irakkrieg, Regime Change in der Ukraine, Abschuss eines russischen Kampfjets (ohne Bewaffnung da auf dem Rückflug), militärische Luftangriffe in Syrien und nicht zuletzt das (überflüssige) Angebot an Montenegro der NATO beizutreten), haben es die USA/die EU geschafft Russland in einen gewollten militärischen Konflikt zu verwickeln.

    Info`s aus den "Hinweisen des Tages" der www.nachdenkseiten.de
    Machtkampf zwischen Nato und Russland: Ausgerechnet Montenegro, ausgerechnet jetzt
    Russland reagiert gereizt auf die Nato-Einladung an Montenegro. Doch der Allianz geht es um den Einfluss auf dem Westbalkan. Der Mangel an demokratischen Standards in dem kleinen Staat ist Brüssel deshalb offenbar egal. […]
    Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist laut Umfragen gegen einen Nato-Beitritt, auch die EU-Skepsis ist weit verbreitet. Djukanovic ließ die Proteste zeitweise gewaltsam beenden.
    Unabhängige Beobachter in Montenegro kritisieren die Beitrittseinladung der Nato: „Djukanovic kann sie als großen Erfolg verkaufen, und sie wird ihn stärken“, sagt Boris Raonic, der Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Bürgerallianz. „Die internationale Gemeinschaft wiederum zeigt erneut, dass sie sich nicht um die Regierungsmethoden von Djukanovic kümmert, solange er eine positive regionale Rolle spielt.“
    Ähnlich sieht es auch Mihailo Jovovic, Chefredakteur der unabhängigen Tageszeitung „Vijesti“. Unter seinem Büro in der Hauptstadt Podgorica explodierte im Dezember 2013 eine Bombe – Täter unbekannt. „Natürlich wird uns der Nato-Beitritt nicht demokratisieren“, sagt Jovovic. „Demokratisieren wird uns nur ein Regierungswechsel. Leider sind wir bisher das einzige Land in Europa, das in seiner Geschichte noch nie einen Regierungswechsel durch freie Wahlen erlebt hat.“
    Quelle: Spiegel Online

    Anmerkung JK: Man kann das sicher nicht direkt vergleichen, aber hinsichtlich des syrischen Bürgerkriegs ist der „Westen“, die NATO sich einig, keine direkten Verhandlungen mit Assad. Im eigenen geopolitischen Dunstkreis nimmt man es dagegen mit der Einhaltung demokratischer Prinzipien nicht so genau. Das zeigt allein schon der Umgang mit dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. Abgesehen davon, dass das Beitrittsangebot an Montenegro eine völlig unnötige Provokation gegenüber Russland ist, wie der Beitrag völlig richtig anmerkt.

    Dazu: NATO-Aufnahme Montenegros ist gemeingefährlich
    „Mit der Entscheidung, Montenegro in das Militärbündnis aufzunehmen, erzeugt die NATO ohne Sinn und Verstand neue Spannungen im Verhältnis zu Russland. Russland hat überdeutlich gemacht, dass jede weitere NATO-Expansion als feindlicher Akt verstanden wird. Die Entscheidung spielt jenen Kräften in die Hände, die einen Erfolg der Wiener Gespräche und eine Friedenslösung für Syrien hintertreiben wollen, was letztlich nur den IS stärkt. Das ist in dieser Situation geradezu gemeingefährlich,“ kommentiert Sahra Wagenknecht die Entscheidung der NATO, Montenegro als 29. Mitgliedsland in die NATO aufzunehmen.
    Quelle: Die Linke

    b.Ehrliche Haut des Tages: Tom McInerney
    Der ehemalige Kommandierende des nordamerikanischen Luftverteidigungskommandos NORAD in Alaska, Generalleutnant Tom McInerney, hat sich mit einem bemerkenswerten Hinweis in die Diskussion um den Abschuss der russischen Su-24 durch türkische Kampfjets eingemischt. Es sei egal, ob der russische Bomber kurzfristig im türkischen Luftraum war oder nicht. Wichtig sei, ob die Suchoi in dieser Zeit in feindlich-aggressiver Absicht gegen die Türkei unterwegs war oder nicht. Und das sei hier einwandfrei nicht der Fall gewesen, bekundete McInerney im US-Sender Fox News. Der ehemalige stellvertretende Stabschef der US Air Force erklärte in einem Interview in der vergangenen Woche: »Ich traue Präsident Erdogan nicht über den Weg. Wir müssen hier sehr vorsichtig sein. Er (der Abschuss der Su-24, jW) war ein übertrieben aggressives Manöver. Als ich Kommandierender von NORAD in Alaska war, hätten wir so etwas nie getan.«
    Während die Interviewerin ständig versuchte, ihn zu unterbrechen, konnte der General dennoch erklären, wieso die Su-24 innerhalb extrem kurzer Zeit – nach offiziellen türkischen Angaben 17 Sekunden – von einer F-16 abgefangen und abgeschossen werden konnte: »Das russische Flugzeug war nicht lang genug über türkischem Territorium. Daher konnte das nur im voraus geplant worden sein«, so McInerney. Das heißt also: Die türkische F-16 hatte in Grenznähe »auf der Lauer« gelegen. Damit bestätigte der amerikanische General a. D. den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der in der Pressekonferenz mit dem französischen Staatschef am vergangenen Donnerstag gesagt hatte: »Wir informierten unsere amerikanischen Partner stets im voraus, wo, wann und in welchen Höhen unsere Piloten operieren werden. Die US-geführte Koalition, der auch die Türkei angehört, wusste also zu jeder Zeit, wo unsere Flugzeuge waren. Und das sind genau Ort und Zeitpunkt des Angriffs auf uns.«
    Quelle: Junge Welt

    c.Ex-US-Geheimdienstchef über den IS: „Wir waren zu dumm“
    Ohne den Irakkrieg würde es den „Islamischen Staat“ heute nicht geben – das gibt der damalige Chef der Special Forces, Mike Flynn, zu. Hier erklärt er, wie der IS sich professionalisierte und warum er dessen Chef Baghdadi laufen ließ. […]
    Flynn: Wir waren zu dumm. Damals haben wir nicht verstanden, mit wem wir es zu tun hatten. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war unsere emotionale Reaktion zu fragen: „Woher kamen die Bastarde? Lasst sie uns töten!“ Anstatt zu verstehen, warum sie angegriffen haben, haben wir nach dem Wo gefragt: Woher kamen die Attentäter? Dabei sind wir strategisch in die falsche Richtung marschiert.
    SPIEGEL ONLINE: Sie sind im Irak einmarschiert, obwohl Saddam Hussein nichts mit 9/11 zu tun hatte.
    Flynn: Zuerst sind wir nach Afghanistan gegangen, wo al-Qaida war. Danach sind wir in den Irak gezogen. Anstatt uns zu fragen, warum es dieses Phänomen gibt, haben wir nach Orten gesucht. Diese Lektion müssen wir lernen, um nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen.
    SPIEGEL ONLINE: Den IS gäbe es nicht, wenn die Amerikaner nicht 2003 in Bagdad eingefallen wären. Bedauern Sie…
    Flynn: …ja, absolut…
    SPIEGEL ONLINE: …den Irakkrieg?
    Flynn: Das war ein riesiger Fehler. So brutal Saddam Hussein war – ihn nur zu eliminieren, war falsch. Das Gleiche gilt für Gaddafi und Libyen, das heute ein failed state ist. Die große historische Lektion lautet, dass es eine strategisch unglaublich schlechte Entscheidung war, in den Irak einzumarschieren. Die Geschichte sollte und wird über diese Entscheidung kein mildes Urteil fällen.
    Quelle: SPIEGEL Online
  • Andreas Lotter
    am 03.12.2015
    Kein Problem, Herr Grohmann, ich nehme Ihr Angebot auch an wenn es über EUR 100 lautet. Und im Grunde haben Sie ja vollkommen recht, die Kriege seit 1945 waren allesamt erlogen und falsch, aber auf Ihre Frage, man möge Ihnen auch nur einen Krieg nennen, welchen "wir" gewonnen hätten, ist mit 1871 korrekt beantwortet. Auch wenn Sie nun Preußen ins Feld führen, dann sage ich halt dann gilt dies zumindest für den Teil von Baden-Württemberg oder dem Schwabenland, welcher sich von Haigerloch über Hechingen, Burladingen, Gammertingen runter bis Sigmaringen erstreckt, Hohenzollern, dort liegt das Stammhaus der Preußen.
  • Peter Grohmann
    am 03.12.2015
    Nu ja ja nu ne ne:
    Den Krieg hat Preußen geführt - das Reich wurde erst anschließend gegründet

    Im übrigen habe ich 100 Euro ausgesetzt.

    dennoch einen schönen 2. advent
  • Andreas Lotter
    am 03.12.2015
    Hallo Herr Grohmann,

    einen Krieg, welchen Deutschland wirklich gewonnen hat? 1871 gegen Frankreich!

    Bitte melden Sie sich bei mir per Mail (in der Redaktion bekannt), damit ich Ihnen meine Bankverbindung übermitteln kann.

    Danke und Grüße

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