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Lumpen

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... das könnten notfalls auch Proleten sein – Lumpenproleten eben, nach Kalle Marx: Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse – entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Literaten, die Zitate wie dieses aus dem Zusamemhang reißen.

Lumpen, die Morgenröte wittern, gibt's in vielfacher Hinsicht, nicht nur in Griechenland: Die einen ziehen marodierend durch die Unterstadt und machen Hatz auf Flüchtlinge. Das lohnt sich, pekuniär gesehen: In Athen sicherten sich die Salonfaschisten 16 Prozent der Stimmen bei den Kommunalwahlen, Tendenz steigend für den zweiten Wahlgang am Sonntag.

Was nun überhaupt nicht hierhergehört, ist einer der milliardenschweren Rüstungsaufträge – Absender Griechenland, Empfänger Deutschland. Kontext berichtete. Krauss-Maffei hat zeitgleich zu dem lukrativen Deal heimlich ein Millionenhonorar an zwei SPD-Genossen gezahlt, investigative Kollegen der "Süddeutschen" haben den Dreck ausgebuddelt.

Krauss-Maffei (der Panzerdealer) hat für fast zwei Milliarden Euro Leopard-2-Panzer und -Haubitzen nach Athen verkauft. Die SPD-MdBs Heinz Alfred Steiner und Dagmar Luuk kassierten dafür über eine "Beratungsgesellschaft" fünf Mio. Schmiergelder. Luuk war bis 1990 im Bundestag und Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Parlamentarier-Gruppe. Passt. Steiner, bis 1994 im Bundestag, war damals zeitweise Vizechef des Verteidigungsausschusses. Passt auch.

I, wenn i Geld gnueg hätt, mögen die schlecht bezahlten Bundestagsabgeordneten damals gesungen haben.

Griechenland, wirtschaftlich schwer angeschlagen, wurde in der Neuzeit von Deutschland bedrängt, Schuldenlast und Staatsapparat zu verschlanken, Lehrer und Putzfrauen nach Hause zu schicken und das Land für bessere Zeiten fit zu machen. Nur bei der Rüstung durfte nicht gespart werden – so ein Geschäft lässt sich doch kein Mensch entgehen, römisches Recht: Vertrag ist Vertrag.

Die besseren Zeiten sind jetzt da. Die Oligarchen haben ihr Kleinged jenseits der Ägäis untergetaucht, und fürs neue Geld bürgen bekanntlich nirgends auf der Welt die Banken, sondern immer die Steuerzahler. Für die kommende Morgenröte wetzen die kriminellen Rechtsradikalen inzwischen die Messer.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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2 Kommentare verfügbar

  • Peter Grohmann
    am 21.05.2014
    Antworten
    ... ohne Geld geht's auch:
    der club voltaire wäre 50 geworden. ein fest dazu
    im rotlichtviertel am sa, 24.5., 14-20 h
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