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Krieg den Palästen

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Die gute Nachricht zuerst: Nur lächerliche 24 Prozent der Wahlberechtigten stehen wirklich hinter Angela Merkel. Und das ist noch nicht alles!

Wenn ich nämlich die nie und nimmer Wahlberechtigten auch noch davon abziehe, bleiben peinliche 17,5 Prozent übrig. Die Kanzlerin ist also gerade noch mal mit einem blauen Auge und über die Fünfprozenthürde gehüpft. So kann man's also auch sehen. Bitte – gern geschehen, wenn Sie das tröstet.

Großdeutschland steht mitnichten hinter ihr. Und dass sich die ganze Welt zu Weihnachten nichts sehnlicher als die Große Koalition wünscht, ist auch eine Ente. Meine Omi Glimbzsch in Zittau war nach der Wahl sprachlos wie viele andere Omis auch. Nur noch Haut und Knochen. Nach verlorenen Wahlen schwärmt sie besonders gerne von der revolutionären Sozialdemokratie und dem gemeinsamen Kampf gegen Ausbeutung und Kriegskurs, von der Illegalität gegen Kaiser, Hitler, Stalin. Trotz der Träume ist sie helle geblieben – statt AfD oder Piraten oder Gläserner Urne rät sie zur APO. Uns Jüngeren sagt das nicht viel, wenn überhaupt.

Omi meint: Man muss sich nicht grämen und auf die nächste Niederlage warten, sondern den Ball, den der Steinbrück der Merkel zugespielt hat, vom Feld holen und sein eigenes Spiel machen, auf eigenem Feld. Das entspricht weder den Regeln noch dem Spielverlauf und auch nicht den Erwartungen, die die Parteien unberechtigterweise ans Volk haben, ist aber eine gute Übung in Demokratie. Ich will jetzt nicht so weit gehen wie der alte Büchner-Georg und fordern: Friede den Hütten – Krieg den Palästen. Obwohl ... Aber ich kenn welche, die würden sofort was anzünden, aber dann nach der sozialdemokratischen Feuerwehr rufen – womit wir wieder bei der ganz großen Koalition wären. Es ist richtig: Alle Gewalt geht vom Volke aus (Artikel 20) – aber weiß der Geier, wo sie hingeht! APO heißt:

Statt an Biertischen über die Für und Wider großer Koalitionen zu spekulieren und so tun als ob, sag ich euch: Die Biertische haben bei diesen Fragen längst nichts mehr zu melden – die vereinigte Journaille will es ihnen nur einreden. Also trinkt euer Bier aus, nicht zu hektisch, und macht euch auf die Socken, um etwas mehr als seither zur politischen Willensbildung beizutragen. Die Verfassung bietet dafür einen grandiosen Rahmen: diskutieren, informieren, demonstrieren, streiten, laut sein, Selbsthilfe und Selbstorganisation statt Resignation. Und wenn die Verfassung nicht ausreicht: Gebt euch eine neue. Denn alle paar Jahr sein Kreuzchen machen – das ist weit unter der Würde eines echten Souveräns.


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1 Kommentar verfügbar

  • Konrad Nestle
    am 02.10.2013
    Antworten
    Lieber Peter,
    eine neue APO - genau das will doch die Gläserne Urne. Wir formulieren ein bisschen anders: Nicht "sein eigenes Spiel machen", sondern: mitmachen (in demokratischer Politik, neue Wege vom Bürgerwillen zur realen Politik) statt mitzuspielen (in der real existierenden…
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