Der Justizvollzugsbeamte im Eingangsbereich empfiehlt für künftige Besuche ein paar Schuhe ohne Schnürsenkel – dann gehe es schneller mit den Einlasskontrollen. Die sind in der Tat zeitaufwendig: Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen begann am vergangenen Montag in Stuttgart-Stammheim der Prozess gegen die Ulm 5, eine Gruppe von pro-palästinensische Aktivist:innen. Ihnen wird zur Last gelegt, im vergangenen September in Ulm bei der israelischen Rüstungsfirma Elbit eingebrochen zu sein und dort einen Sachschaden in Millionenhöhe verursacht zu haben. In der Tatnacht ließen sie sich widerstandslos festnehmen. Die Staatsanwaltschaft geht von einer antisemitischen Motivation aus, da an eine Hauswand der Schriftzug "Baby Killers" gesprüht worden sei. Zudem sollen die Beschuldigten der Organisation "Palestine Action Germany" angehören, womit sie sich laut Staatsanwaltschaft der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung schuldig gemacht hätten (bislang gibt es kein Gerichtsurteil, das "Palestine Action Germany" als kriminelle Vereinigung einstuft).
Wer das Gerichtsverfahren live verfolgen will, muss auf Verlangen der Justizvollzugsbeamt:innen nachweisen, keine gefährlichen Gegenstände im Schuhwerk versteckt zu haben. Auch das Mitführen eigener Stifte ist nicht gestattet. Für Pressevertreter:innen händigt das Gericht einen Ersatzkugelschreiber aus. Im Sitzungssaal passen zwölf Sicherheitskräfte auf das Publikum auf, zwei weitere stehen für jede:n Angeklagte:n bereit. Die Beschuldigten betreten den Saal in Handschellen und sind zudem durch eine kugelsichere Glasscheibe sowohl von den Zuschauer:innen als auch von ihrem Rechtsbeistand getrennt.
Dass Verfahren, bei denen der Staatsschutz ermittelt hat, im Hochsicherheitsgebäude Stuttgart-Stammheim stattfinden, ist an sich nicht ungewöhnlich. Das Landgericht verweist auf Anfrage der Redaktion auf mehrere Verfahren pro Woche, die hier stattfänden, "so etwa gegen den islamistischen Mörder des Polizisten Rouven Laur, gegen mutmaßliche Unterstützer der 'Gruppe Reuß' [Reichsbürger unter Terrorverdacht, d. Red.] oder mehrere Verfahren im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zweier rivalisierender Banden in der Region Stuttgart".




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